Dresdner EADS-Manager Sperl in Insideraffäre vorgeladen

In der Insideraffäre beim Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS hat die französische Justiz erstmals einen amtierenden Manager vorläufig festgenommen. Der Leiter des EADS-Werkes in Dresden, Andreas Sperl, wurde am Mittwochvormittag in Paris zum Verhör in Polizeigewahrsam genommen. Der frühere Finanzchef der EADS-Tochter Airbus bestritt den Vorwurf, mit Insiderwissen Aktien verkauft zu haben. Unter diesem Verdacht stehen neben ihm 16 weitere frühere und amtierende EADS-Manager. Dabei geht es um die mögliche Kenntnis von nicht veröffentlichten Finanzprognosen und die Lieferprobleme beim Super-Airbus A380.

Sperl kann bis zu 48 Stunden im Polizeigewahrsam festgehalten werden, ohne einem Haftrichter vorgeführt zu werden. Dem 61-Jährigen kommt als Airbus-Finanzvorstand in den Jahren 2000 bis 2006 eine Schlüsselrolle bei der Aufklärung der Affäre zu. Dokumente zu möglicherweise verdüsterten Aussichten bei dem Flugzeugbauer dürften durch seine Hände gegangen sein. Der heutige Leiter der Elbe-Flugzeugwerke (EFW) kann damit wahrscheinlich auch Auskunft darüber geben, an welche Manager diese weiterverbreitet wurden.

Nach einer Untersuchung der französischen Börsenaufsicht AMF hat Sperl selbst im November 2005 und im März 2006 insgesamt 58.000 EADS-Aktien verkauft und dabei einen Gewinn von 816.000 Euro gemacht. Den Finanzmarktwächtern zufolge könnte er dabei gegen seine "Zurückhaltungspflicht" verstoßen haben, weil er bereits über interne Informationen über eine verschlechterte Lage des Unternehmens verfügte.

Die EADS-Führung stellte sich hinter Sperl: Dieser habe die Unterstützung des Verwaltungsrates und werde auf seinem Posten bleiben, erklärte der Konzern. Das Führungsgremium habe bestätigt, dass es alle Manager unterstütze, die sich "ungerechtfertigten Behauptungen" ausgesetzt sähen. Sperl selbst erklärte über EADS, er rechne mit einer "gesetzmäßigen und gerechten" Behandlung durch die französische Justiz. "Ich bin davon überzeugt, im vollsten Einvernehmen mit dem Gesetz und internen Regeln gehandelt zu haben." Er sei "zuversichtlich, dass auch die Justiz am Ende ihrer Untersuchung zu denselben Schlüssen kommt."

In der Affäre stehen insgesamt vier Deutsche unter Verdacht, darunter auch der heutige Airbus-Chef Thomas Enders und der Leiter der EADS-Rüstungssparte Stefan Zoller. Vor Sperl waren bereits der ehemalige deutsche Airbus-Chef Gustav Humbert sowie der frühere Strategie- und Marketingchef Jean-Paul Gut und Ex-Co-Chef Noël Forgeard in Polizeigewahrsam genommen worden. Gegen alle drei wurde darauf ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Insidergeschäfte eingeleitet. Sie wurden gegen Kautionen zwischen 350.000 und einer Million Euro wieder auf freien Fuß gesetzt. Bei einer Verurteilung drohen den Führungskräften bis zu zwei Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe, die bis zum Zehnfachen des erzielten Gewinns betragen kann.

Die Frage, wie sich Ermittlungen gegen amtierende Manager auf die Konzernführung auswirken könnten, beschäftigt die Branche. Für EADS bestehe die Gefahr einer "Destabilisierung", wenn mit Airbus-Chef Enders oder Marketingchef John Leahy auch die heutige Führungsspitze einbestellt werde, sagte ein Experte in Paris. "Ein Problem wäre es, wenn die Ermittlungsverfahren von Auflagen begleitet würden, etwa einem Verbot, untereinander Gespräche zu führen." Dann wären die Manager kaum mehr zu halten und müssten ersetzt werden.

Von: AFP

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