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DLR: Rostock Laage eignet sich als Weltraumbahnhof

Der Transport von Satelliten in den Orbit wird immer mehr zum Geschäftsmodell. Tausende sollen in den kommenden Jahren starten. Der Flughafen Rostock Laage würde sich dabei als Startplatz für entsprechende Trägerflugzeuge eignen, analysiert das DLR.

Flugzeuge am Airport Rostock-Laage. © Flughafen Rostock-Laage

"Nein. Es geht nicht um ein neues Cape Canaveral in Mecklenburg-Vorpommern", betont Verkehrsstaatssekretärin Ina-Maria Ulbrich (SPD). Hochfliegend sind die Ambitionen der Landesregierung in Schwerin aber dennoch. Vom größten Flughafen des Landes, Rostock-Laage, sollen schon in absehbarer Zeit Satelliten auf den Weg in die Umlaufbahn gebracht werden. Nicht mit senkrecht startenden Raketen, wie etwa vom Weltraumbahnhof der USA in Florida, sondern mit Hilfe von Trägerflugzeugen. Diese bringen satellitenbestückte Kleinraketen bis in zehn Kilometer Höhe und dienen dort dann als fliegende Startrampe, ehe sie zum Flughafen zurückkehren.

Schon seit Jahren sucht die Landesregierung in Schwerin händeringend nach einer zusätzlichen Perspektive und damit Einnahmemöglichkeit für den wenig ausgelasteten und defizitären Passagierflughafen südlich von Rostock. Die könnte gefunden sein, wie eine jetzt vorliegende Machbarkeitsstudie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Braunschweig zeigt. "Rostock-Laage verfügt über gute infrastrukturelle Rahmenbedingungen für den Betrieb von Raumfahrzeug-Systemen, die weiter ausgebaut werden können", konstatiert Studienleiter Sven Kaltenhäuser am Mittwoch bei der Vorlage der Prüfergebnisse. Und er rät, die Chancen des wachsenden privaten Raumfahrt-Marktes "New Space" zu nutzen.

Lange Runway als Standortvorteil

Seit 2012 habe sich weltweit die Zahl der ins Orbit gebrachten Satelliten auf 500 pro Jahr mehr als verdreifacht. Tendenz steigend, weil für immer mehr Bereiche die Dienste künstlicher Erdtrabanten genutzt würden. Dabei spielten auch deutsche Technologieunternehmen ein wichtige Rolle, die Startkapazitäten benötigten, sagt Kaltenhäuser. Erst Anfang September hatte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) ein Konzept vorgelegt, das die Errichtung einer Startplattform für Kleinraketen in der Nordsee vorsieht. Für Kaltenhäuser weniger Konkurrenz als vielmehr Ergänzung zu einem Weltraumflughafen an Land.

© Adobe Stock; Privat, Lesen Sie auch: Flucht nach vorn in den Weltraumbahnhof Die Born-Ansage (122)

Rostock-Laage, für das es nun die bundesweit erste Machbarkeitsstudie gebe, verfüge über eine Start- und Landebahn von ausreichender Länge. Die aktuelle militärisch-zivile Nutzung garantiere zudem hohe Sicherheitsstandards und die Nordsee-Region als geeigneter Luftraum für den Einsatz von Trägerflugzeugen sei in etwa 30 Minuten erreichbar. Über offener See könnten dann die Kleinraketen mit ihrer hoch technisierten Fracht gefahrfrei gen Himmel geschickt werden. Wenn das deutsche Pilotprojekt rasch beginne und die Bundesregierung mit einem Raumfahrtgesetz auch den rechtlichen Rahmen schaffe, seien erste Starts schon 2023 möglich, meint der Braunschweiger Raumfahrtexperte.

Luftraum im Nordosten bietet Platz

"Ich hoffe, noch eher", sagt Flughafenchefin Dörte Hausmann und verweist auf Vorzüge gegenüber anderen deutschen Regionen etwa im Süden. "Wir haben in Norddeutschland einen Luftraum, der wenig belastet ist", berichtet sie. Damit könne auch kurzfristig der Luftraum für solche Satellitenstarts frei gehalten werden. Zudem sei es ihr möglich, in Abstimmung mit der Bundeswehr für Laage selbst kurzfristig Start- und Landezeiten zu vergeben. "Wenn man bedenkt, dass manchmal bis zu zwei Jahre auf den Launch (Start) einer sogenannten Trägerrakete gewartet werden muss, dann ist das bei uns sehr viel schneller möglich", sagt Hausmann. Vom Weltraumflughafen Laage erhofft sie sich auch kräftige Impulse für die Ansiedlung von weiteren technologieorientierten Unternehmen und Start-ups auf den angrenzenden Gewerbeflächen.

© dpa, Bernd Wüstneck Lesen Sie auch: Flughafen Rostock-Laage sichert Betrieb bis Ende 2021

Doch im Moment plagen Hausmann ganz andere, sehr irdische Sorgen. Wegen der Corona-Krise finden Flüge in die sonst so beliebten Urlaubsgebiete Spaniens oder der Türkei nicht statt. Einmal pro Woche startet ein Flug nach München. Der drastisch eingeschränkte Auslandstourismus in dieser Saison dürfte den notorisch klammen Flughafen noch tiefer in die roten Zahlen treiben.

So knüpft sich die Hoffnung der Landesregierung, die in der Vergangenheit den Flughafen schon mehrmals mit hohen Zuschüssen retten musste und auch den Flugbetrieb mit jährlich einer Million Euro stützt, an das "himmlische Projekt". "New Space entwickelt sich rasant und bietet sehr attraktive Marktchancen", sagt Staatssekretärin Ulbrich. Nun gelte es, die Bundesregierung, Investoren und Partner in der Wissenschaft zu überzeugen, dass diese Chancen auch genutzt werden. «Wir sind von der Lage her mit Rostock gut aufgestellt», zeigt sich die SPD-Politikerin überzeugt.

Von: Von Frank Pfaff, dpa

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