DLR kauft Flughafen Cochstedt und baut Zentrum für Drohnenforschung

Magdeburg/Cochstedt wird Testflughafen für Drohnen. Für den Bau des "Nationalen Erprobungszentrums für zivile unbemannte Luftfahrtsysteme" hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt den Flughafen jetzt sogar gekauft.

Der unbenannte Forschungshubschrauber "Super Artis" des DLR. © DLR

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat den Flughafen Magdeburg/Cochstedt gekauft. Die Verträge wurden in der vergangenen Woche unterzeichnet und notariell beurkundet, wie das Wirtschaftsministerium in Sachsen-Anhalt jetzt mitteilte.

Der Kaufpreis liegt bei rund 16 Millionen Euro, den das DLR an den bisherigen dänischen Eigentümer überweist. Zusätzlich investiert das DLR rund zehn Millionen Euro. Der Kaufpreis soll in den kommenden zehn Jahren vom Land an das DLR zurückfließen - in Form einer institutionellen Förderung.

Zudem wird das Land künftig pro Jahr rund 950.000 Euro aufbringen müssen, um den Betrieb des Flughafens auch für die allgemeine Luftfahrt weiter zu finanzieren. Gleichzeitig wird Sachsen-Anhalt durch den neuen DLR-Standort zu einem neuen "DLR-Sitzland", was weitreichende Förderungen aus dem Bundeshaushalt nach sich zieht.

Auf dem Gelände des ehemaligen Militär- und späteren Verkehrsflughafens soll nun das "Nationale Erprobungszentrum für zivile unbemannte Luftfahrtsysteme" entstehen. Die DLR-Forscher wollen dort Drohnen erproben und entwickeln. Dabei soll es unter anderem um urbanen Gütertransport, die Unterstützung bei der Katastrophenhilfe oder auch den zukünftig Personentransport mit Air Taxis gehen. Ein entsprechendes Konzept für die wissenschaftlich-technische Ausrichtung sei bereits vorhanden und evaluiert, sagte ein DLR-Sprecher zu airliners.de.

In der kommenden Woche tage nun der DLR-Senat, um das Projekt offiziell freizugeben. Dann sei geplant, das neue Zentrum zeitnah in Betrieb zu nehmen. Das DLR nutze den Standort bereits seit etlichen Jahren für verschiedenste Forschungsprojekte.

© dpa, Jens Wolf Lesen Sie auch: Forschungstiefflüge über Cochstedt: Insekten und Flugzeug auf Kollisionskurs

Unbemannte Luftfahrtsysteme, sogenannte Unmanned Aerial Systems (UAS), stünden an der Schwelle, im zivilen Bereich eine "große wirtschaftliche Rolle" zu spielen, teilte das DLR bereits im Februar zum Thema mit. Um die Entwicklung neuer Technologien für einen sicheren Flug, die präzise Positionsbestimmung sowie eine stabile Datenverbindungen zu Bodenstationen voranzubringen, werde man in Cochstedt das erste nationale Erprobungszentrum für Drohnen in Europa errichten.

Land rechnet mit Impulsen durch Hightech

"Etwa 30 bis 40 Mitarbeiter sollen vor Ort tätig sein, wissenschaftliches und hoch qualifiziertes technisches Personal für die Entwicklung von Konzepten für unbemannte Luftfahrtsysteme, Testflugbetrieb, Spezialwerkstätten und ähnliches", skizzierte Sachsen-Anhalts Wirtschafts- und Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD) die Pläne. Er erwartet enge Beziehungen etwa zur technisch ausgerichteten Universität Magdeburg. "Es besteht im Bereich der Drohnentechnik ein großer Bedarf an hochqualifizierten Ingenieuren, Informatikern und ähnlichen."

Ziel sei, dass Cochstedt zum Zentrum einer "echten Zukunftstechnologie" wird, so Willigmann: "Das Nationale Erprobungszentrum bietet hervorragende Möglichkeiten, weitere innovative Unternehmen anzusiedeln, die Forschungskompetenzen auf diesem Gebiet zu stärken und mit der Wissenschaft im Lande zu vernetzen sowie den Flughafen langfristig sinnvoll zu nutzen."

Nach den Worten von Willingmann hat sich Cochstedt gegen 16 Konkurrenzstandorte durchgesetzt. Eine Rolle habe gespielt, dass der Flughafen in einem dünn besiedelten Gebiet liegt und eine Genehmigung als regulärer Verkehrsflughafen hat. Gerüchte um einen möglichen Kauf des Areals durch das DLR hatte es bereits im Herbst vorigen Jahres gegeben.

Mit dem geplanten Nationalen Erprobungszentrum für unbemannte Luftfahrtsysteme endet für den seit 2016 insolventen Flughafen im Salzlandkreis eine lange Hängepartie. In den einstigen Militärflughafen flossen seit den 1990er Jahren mehr als 50 Millionen Euro. Das Projekt kam aber nie richtig in Schwung. Schon im Jahr 2002 ging der Flughafen pleite, vier Jahre später war er wieder am Start. Im Jahr 2010 wurde das Gelände an einen dänischen Investor verkauft und zwischenzeitlich von Billigfliegern genutzt. Doch die Verluste blieben. Im Jahr 2016 meldete das Unternehmen Insolvenz an.

Von: dh

Lesen Sie jetzt
Themen
DLR Drohne Drohnen Industrie Flughäfen F&E Technik Politik Rahmenbedingungen