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Die Luftfahrt muss mit Klimaschutz und Digitalisierung wachsen

Thomas Jarzombek, Koordinator der Bundesregierung für die Deutsche Luft- und Raumfahrt, blickt für airliners.de auf das vergangene Jahr zurück und beleuchtet die wichtigsten Felder der Luftfahrtpolitik für 2020.

Der Luftfahrtbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Jarzombek (CDU), findet die Erhöhung der Luftverkerhsteuer auch zum jetzigen Zeitpunkt gerechtfertigt. © Tobias Koch

Was werden die bestimmenden Themen für das Jahr 2020 sein? Jede Airline, jedes Luftfahrtunternehmen, jedes Forschungsinstitut hat hier sicher eine eigene Antwort. Allen gemeinsam ist aber die Einsicht, dass wir auf vielen Gebieten vor gravierenden Umwälzungen stehen.

Die Digitalisierung der Luftfahrt bleibt auch 2020 ein bedeutsames Thema. Von der Entwicklung über die Produktion bis hin zu Flugbetrieb und MRO stehen neue, digitale Optionen in den Startlöchern, gegen die "fly by wire" fast schon antiquiert wirkt. Gleichzeitig verändern sich die Märkte - auch geografisch. Neue Luftfahrtnationen wie China stellen bisherige Konstellationen ebenso auf den Prüfstand wie das Wiedererstarken des Protektionismus weltweit.

Das stabile Wachstum der letzten Jahre darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in 2020 nicht nur technologisch, sondern auch in puncto Internationalisierung unseres Luftfahrtstandortes Antworten geben müssen. Das gemeinsame Ziel ist für mich dabei klar: Wir wollen, dass Technologie aus Deutschland auch künftig weltweit in allen großen Flugzeugprogrammen mit an Bord ist.

Im Jahr 2020 wird uns zudem das Megathema Klimaschutz weiter begleiten. Die Debatten des Jahres 2019 haben eines klar gemacht: Wer sich hier nicht frühzeitig argumentativ positioniert, gerät recht schnell in die Defensive. Auch deshalb haben wir den Klimaschutz zu einem Leitthema der ersten Nationalen Luftfahrtkonferenz im August 2019 in Leipzig gemacht. Gemeinsam mit dem Bundesverkehrsministerium und dem Freistaat Sachsen als großartigem Gastgeber haben wir gezeigt, dass die Luftfahrt schon heute an einer emissionsarmen oder gar emissionsfreien Zukunft arbeitet.

Überarbeitung der Luftfahrtstrategie

Ein Höhepunkt der Luftfahrtkonferenz war die Rede der Bundeskanzlerin. Sie machte sehr deutlich, dass wir Deutschland zu einem führenden Standort für klimaverträglichere Luftfahrttechnologien machen wollen. Als Wirtschaftspolitiker kann ich dem nur hinzufügen: Dies ist nicht nur eine ökologische Notwendigkeit, sondern macht auch industriepolitisch sehr viel Sinn. Denn mit gezielten Investitionen in nachhaltige und klimaschonende Technologien legen wir den Grundstein für wirtschaftliche Erfolge bei den Flugzeugprogrammen der Zukunft.

Die Luftfahrtkonferenz war zugleich Auftakt für die Überarbeitung der Luftfahrtstrategie der Bundesregierung, die uns mindestens über das gesamte Jahr begleiten wird. Es wird Sie nicht wundern, dass viele der Themen, die in Leipzig angestoßen wurden, auch in dieser neuen industriepolitischen Agenda ihren Niederschlag finden – angefangen von den Chancen der Internationalisierung des Industriestandorts bis hin zu zivilen Drohnen, Flugtaxis und digitalen Innovationen.

Thomas Jarzombek sitzt seit 2009 für die CDU im Bundestag. Im April 2018 ernannte das Kabinett ihn zum Luftfahrtkoordinator. Jarzombek ist Vorsitzender der CDU Düsseldorf. Während seines BWL-Studiums machte er sich selbstständig und gründete ein IT-Service-Unternehmen.

Die D328Neu kommt

Die Luftfahrtkonferenz war aber auch deshalb herausragend, weil wir eine Entscheidung verkünden konnten, auf die das Bundeswirtschaftsministerium und der Freistaat Sachsen mit sehr viel Energie hingearbeitet haben: Die Neuauflage der D328 als hochmodernes Turboprop-Regionalflugzeug durch eine Tochter der US-amerikanischen Sierra Nevada Corporation.

Die Sierra Nevada Corporation hat einen beeindruckenden Track-Record bei fortschrittlichen Technologieprojekten. Daher sind wir sind sehr stolz, dass wir das Unternehmen vom Standort Deutschland überzeugen konnten. Inzwischen laufen die Vorbereitungen für den Programmstart auf Hochtouren. Das von uns zugesagte KfW-Förderdarlehen ist unterschriftsreif. Und auch für die deutschen Zulieferer wird das Projekt nun sehr konkret. Wie ich höre sind die ersten Verträge für verschiedene Teilsysteme inzwischen unter Dach und Fach.

Die D328Neu ist gleich in mehrfacher Hinsicht eine Chance: Zum einen schafft das Programm dauerhaft mehr als 1.200 neue Arbeitsplätze am Produktionsstandort und bei den Zulieferern. Zum anderen reaktiviert es Kompetenzen im Flugzeugbau, die in Deutschland in den letzten Jahren teils brach lagen.

© airliners.de, Dennis Kazooba Lesen Sie auch: "D328Neu" soll in Oberpfaffenhofen entwickelt und in Leipzig gebaut werden

Für mich ist die Neuauflage der D328 aber noch aus einem anderen Grund richtig – und hier kommen wir zurück zu den inhaltlichen Diskussionen in Leipzig: Im November 2019 hat Airbus-Chef Guillaume Faury das ehrgeizige Ziel bekräftigt, bis 2035 das erste Passagierflugzeug mit alternativem Antrieb bauen zu wollen. Die Bundesregierung steht bereit, hierfür die notwendigen Kompetenzen in Deutschland aufzubauen. So haben wir erst kürzlich in unserem Luftfahrtforschungsprogramm LuFo eine eigene Förderlinie zum Thema alternative Antriebe geschaffen – ausgestattet mit 60 Millionen Euro.

Klimaneutrale Luftfahrt muss kommen

Der Weg zur klimaneutralen Luftfahrt wird jedoch kein Sprint, sondern vielmehr ein Marathonlauf mit zahlreichen Zwischenstationen. Dies umfasst auch, elektrische oder hybride Antriebe zunächst in kleinen Plattformen zu implementieren, um für die nächstgrößere Stufe zu lernen. Schon heute setzen zum Beispiel die meisten aktuellen Flugtaxi-Konzepte auf elektrische Antriebe, denn für kurze Strecken im urbanen Umfeld können sie ihre Vorteile ganz klar ausspielen. Der nächste logische Schritt wäre dann der Markt der Klein- und Regionalflugzeuge. Auch vor diesem Hintergrund ist es für mich ein strategisches Asset, mit der neuen D328 ein modernes Flugzeug in dieser Klasse in Deutschland zu bauen.

Sie sehen also, gerade im Thema alternative Antriebe ist momentan eine Menge Dynamik. Diese Dynamik gilt es, insbesondere für die Internationale Luftfahrtausstellung ILA im Mai 2020 in Berlin zu nutzen. Die ILA 2020 wird mit Sicherheit wieder ein Highlight des kommenden Jahres – nicht zuletzt, da wir mit den europäischen Aerodays erstmals die Leistungsschau der EU-Forschungsförderung auf der ILA zu Gast haben. Gemeinsam mit Ihnen darf ich mich also auf ein Jahr voller Innovationen zum Anfassen und auf eine ILA freuen, die sich mit neuen Formaten wie den Aerodays oder dem Berlin Aviation Summit inzwischen ein stückweit neu erfunden hat.

Von: Thomas Jarzombek Jetzt Gastautor werden

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