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Das war die Woche die war. Zielstrebig zurück zum Reißbrett… ist das, was dieser Tage auf die Luftfahrtbranche zukommt? Unser Kolumnist Andrew Charlton wundert sich, dass niemand die Sturmwarnungen der vergangenen Woche bemerkt hat. Ein Zwischenruf mit Trigger-Warnung.

Sturmwarnung (Symbolbild). © Adobe Stock / Agapov Fedor

Es ist durchaus verwunderlich. Es wird kaum noch geflogen und eigentlich müssten wir uns bei den wenigen Passagieren doch richtig gut auf alles andere konzentrieren können. Aber derzeit scheinen alle abgelenkt zu sein. Unsere Aufmerksamkeitsspanne nimmt ab und die Konzentration gleich mit. Es gibt wohl keinen anderen Grund, warum wir dem Rauschen im Wald nicht die Aufmerksamkeit schenken, die es verdient.

DWDWDW ("Das War Die Woche Die War")
19. bis 23. Oktober 2020

Vor dem Sommer schien es, als ob sich die EU-Kommission darauf konzentriere, die Corona-Pandemie irgendwie zu überstehen. Jetzt aber gibt es echte Arbeit, die getan werden muss. Und sie wird getan. Jetzt, liebe Branche, ist keine gute Zeit, abgelenkt zu sein.

Haben Sie zum Beispiel bemerkt, dass die Kommission am Montag ihr Arbeitsprogramm für 2021 veröffentlicht hat? Das Wort "Luftfahrt" kommt dort nicht einmal vor, dafür aber "nachhaltiger Verkehr", "grüne Wirtschaft" und "intelligente Besteuerung", und das jeweils ganz sicher mehr als einmal.

Fast unter dem Radar wird dort eine große Diskussion über die Besteuerung, die Neugestaltung des Emissionshandelssystems und Corsia geführt. Wir werden uns eingehend mit einigen der Dinge befassen, und ach ja, es gibt ja auch noch den Brexit-Aspekt. Wir müssen das alles auf dem Radar behalten! Nur wer den Sturm frühzeitig mitbekommt, kann rechtzeitig reagieren.

Ironischerweise versuchten sich die Leute, die professionell auf Radare starren - die Flugsicherungsunternehmen von Belgien, Frankreich, Deutschland, Holland und der Schweiz - ja, unser alter Freund FABEC - am Montag mit freiberuflicher Ablenkung. Sie veröffentlichten eine weitere Pressemitteilung, in der der Fleiß und der Wert der FABs in den Himmel gelobt wurden.

Aber Moment, ist das nicht der funktionale Luftraumblock, gegen deren Schaffung sich jedes einzelne Flugsicherungsunternehmen in Europa gewehrt hatte? Also genau der, von dem die Kommission selbst zugegeben hat, dass er vielleicht nicht ihre beste Idee war?

Warum, so fragen Sie sich vielleicht, werden wir mit diesen wöchentlichen Liebesbomben an funktionale Luftraumblöcke überschüttet, die von den Betreibern der funktionalen Luftraumblöcken selbst geschrieben werden? Weil der neue Vorschlag der Kommission die Dinge so deutlich voranbringen will, dass sich die Flugsicherungsdienste plötzlich in die "gute alte Zeit" verlieben. Die Kommission sollte sich diese Tatsache zu Herzen nehmen.

Über den Autor

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Andrew Charlton ist der Geschäftsführer von Aviation Advocacy, einer auf den Luftverkehr fokussierten Strategie- und Regierungsberatung mit Sitz in der Schweiz. Andrew ist zudem Herausgeber des "Aviation Intelligence Reporter", der einen zunehmend einflussreichen und unerschütterlich unabhängigen Blick auf die Luftfahrt bietet, immer durchdacht und nie einseitig.

Weniger herzergreifend war am Dienstag die Veröffentlichung eines Interviews mit Dr. David Suzuki - vielleicht Nordamerikas Klimaschützer Nummer 1 - über Umwelt und Emissionen. Das Interview wurde von der "Responsible Tourism Partnership" geführt. Am Ende des Interviews werden aber auch Sie vielleicht die Ansicht vertreten, dass die einzig verantwortliche Art von Tourismus sein kann, gar nicht mehr zu reisen.

Der Link zum Interview sollte auf Youtube mit einer Trigger-Warnung versehen sein: "Der Inhalt dieses Videos kann verstörend wirken". Nichtsdestotrotz muss man das Interview hören, und sei es nur, um zu erleben, was einen Großteil des neuen Arbeitsprogramms 2021 der EU-Kommission motiviert:

Was die sich verschärfende Hochdruckfront betrifft, so war es am Mittwoch die Nachricht von 25 russischen Fischersleuten, die nach Neuseeland flogen. Vor dem Flug wurden alle auf das Coronavirus getestet und diejenigen, die positiv getestet wurden, blieben zu Hause. Der Rest setzte sich dann ins Flugzeug und reiste über Singapur nach Christchurch. Sie taten das, ohne jemals das Flugzeug zu verlassen, übernachteten anschließend in einem isolierten Quarantäne-Hotel und wurden zwei Tage nach ihrer Ankunft positiv getestet.

Von: Andrew Charlton Jetzt Gastautor werden

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