airliners.de Logo

Hintergrund So verändert die neue BER-Südbahn die Berliner Luftraumstruktur

Ab sofort sind am Flughafen Berlin Brandenburg beide Pisten im Betrieb. Mit der Umschaltung bei der Flugsicherung ist der BER auch planungsrechtlich eröffnet. Das neue Parallelbahnsystem bringt etliche neue Luftraumregelungen, einige davon gelten nur kurz.

Ein Flugzeug der Easyjet startet am Flughafen Berlin/BER. © Flughafen Berlin Brandenburg GmbH / Alexander Obst / Marion Schmieding

Auch wenn die BER Terminals 1 und 5 bereits seit einigen Tagen geöffnet haben, aus Sicht der Deutschen Flugsicherung DFS ist der neue Willy-Brandt-Flughafen erst mit dem heutigen 4. November im Betrieb.

Ein Flugzeug der Qatar Airways landete am Vormittag erstmals nach neuen Regelungen auf der neuen Südbahn. Wie zuvor beim Flughafen Schönefeld war am BER bislang nur eine Start- und Landebahn aktiv, die 3600 Meter lange und 45 Meter breite Nordpiste. Deshalb kamen bislang auch die bestehenden, für den Flughafen Schönefeld erarbeiteten An- und Abflugverfahren zum Einsatz.

Mit der Eröffnung der neuen Bahn ist der BER nun schlussendlich auch flugplanungsrechtlich in den vollständigen Regelbetrieb übergegangen. Somit ist die Eröffnung nun komplett abgeschlossen. Gleichzeitig beginnt die sechsmonatige Frist für die endgültige Schließung des Flughafens in Tegel.

Für den Standort Berlin bedeutet das unter anderem ein Nachtflugverbot, das es in Schönefeld zuvor nicht gab. Reguläre Linienflüge dürfen in der Kernnachtzeit von 0 bis 5 Uhr nicht fliegen. In den Tagesrandzeiten von 22 bis 24 Uhr sowie von 5 bis 6 Uhr gibt es ein behördlich festgelegtes Kontingent von Flügen.

Aus zwei Kontrollzonen wird eine

Mit der Umstellung am BER gibt es zahlreiche neue Verfahren und somit viele Neuerungen im Luftraum von Berlin und Brandenburg. Das gilt vor allem für die Berliner Flugkontrollzonen. Bislang bestand der Luftraum über Berlin aus zwei Kontrollzonen, eine über Tegel und eine über Schönefeld sowie weiten Teilen der Stadt (siehe Bild). Die beiden Sektoren grenzten direkt aneinander, sodass es sich im Prinzip auch schon vorher um eine einzige große Kontrollzone handelt.

Mit der BER-Eröffnung und der Schließung von Tegel wird die Berliner Kontrollzone rund um den BER deutlich verkleinert. Ein großer Teil des Stadtgebietes und auch die Flugbeschränkungszone über der Innenstadt (E-DR 146) liegt nun nicht mehr in dieser Zone. Stattdessen wird die BER-Kontrollzone rechteckig an den beiden Pisten ausgerichtet.

Luftkarte von Berlin (Schönefeld und Tegel) - blau gestrichelt umrandet und rosa eingefärbt die Kontrollzone mit der rot markierten kreisrunden Flugbeschränkungszone in der Mitte. Foto: © Deutsche Flugsicherung DFS
Berliner Kontrollzone nach der Schließung von Tegel. Foto: © DFS

Um die neue Situation in jeder Situation sicher handhaben zu können, wurden 291 DFS-Mitarbeiter in insgesamt 26.900 Stunden geschult. Obwohl der Kontrolltum am BER schon seit 2012 benutzt wird, hat die Corona-Situation das zusätzlich erschwert, heißt es bei der DFS. Lotsen seien teilweise mit einem Simulator am Flughafen direkt geschult worden und nicht etwa in Langen, um Dienstreisen zu vermeiden.

Die wohl interessanteste ist die neue Möglichkeit zum parallelen Anfliegen des Flughafens. Damit verbunden sind verschiedene Anflugverfahren, die sicherstellen, dass beide Maschinen, die parallel ankommen sollen, auf unterschiedlichen Höhen in die Schlussphase eindrehen müssen. Dabei ist es auch prinzipiell möglich, dass ein von Süden kommendes Flugzeug auf die Nordbahn geleitet wird.

Von: as, dh

Lesen Sie jetzt

Lesen Sie mehr über

Berlin DFS Flughäfen Flugsicherung Fluglärm Rahmenbedingungen BER Berlin-Tegel Infrastruktur Verkehr airliners+