Überblick Die wichtigsten Statusprogramme und ihre Corona-Kulanzregelungen

Wer viel fliegt, den belohnen etliche Fluggesellschaften mit Vorteilsprogrammen. Doch wegen Corona fehlen den Statuskunden nun Segmente und Meilen. Die Anbieter reagieren mit unterschiedlichen Kulanzregelungen. Ein Überblick.

Business Lounge der Lufthansa am Frankfurter Flughafen. © Lufthansa

Vielflieger fragen sich aktuell, ob sie im Jahr 2021 noch einen Lounge-Zugang, ihren bevorzugten Platz auf einer Warteliste oder Zugang zum schnellen Security-Check bekommen werden. Denn durch die Verbreitung von Sars-Cov-2 und der damit verbundenen Fallzahlen für die Covid-19-Krankheit ist der Luftverkehr derzeit stark eingeschränkt. So brach das Angebot laut Eurocontrol im europäischen Raum seit Mitte März drastisch ein.

Damit fehlen den Geschäftskunden Segmente und Meilen, die für den Statuserhalt oder auch das Erlangen eines Status notwendig sind. Den meisten Statuskunden dürften derzeit mindestens zwei Monate des Qualifizierungsjahres in ihren Vielfliegerprogrammen fehlen. Im März und auch im noch nicht abgelaufenen April waren Flüge kaum möglich. Doch schon vorher gab es Einschränkungen, da sich manche Unternehmen mit Dienstreisen einschränkten und Länder sowie Regionen abgeriegelt wurden.

Die zwei oder mehr Monate fallen dabei unterschiedlich schwer ins Gewicht und die Auswirkungen sind von den jeweiligen Statusprogrammen abhängig. Statusprogramme, die grundsätzlich auf das Kalenderjahr setzen, wie etwa "Miles & More" der Lufthansa (Star Alliance), sind einfach zu berechnen. Hier fehlen allen Nutzern des Programmes die zuvor genannten Zeiträume und niemand steht derzeit kurz vor einer Statusverlängerung.

Anders ist es hingegen bei Programmen mit dynamischen Zeiträumen. Programme mit dynamischen Qualifizierungsperioden haben es damit prinzipbedingt schwerer, Kulanzbedingungen umzusetzen. Hier sind mitunter fortlaufende Anpassungen der Kulanz und eine schnelle Reaktion notwendig, da einige Vielflieger bei ihrer persönlichen Statusverlängerung akut von den Corona-Ausfällen betroffen sind.

Flying Blue von Air France und KLM (Skyteam) setzt etwa für Neuanmeldungen seit einiger Zeit den Start der Qualifizierung oder Requalifizierung auf das Anmeldedatum des Nutzer. Für Kunden, die schon länger dabei sind, gilt hingegen das Kalenderjahr. Für Kunden der British Airways (Oneworld) gilt schon lange ein dynamisches gelegtes Qualifizierungsjahr. Entsprechend dringlich sind die Neuregelungen für diejenigen Passagiere, deren Status abzulaufen droht.

Erste Kulanzregelungen im Executive Club der British Airways

Das zeigt sich unter anderem bei der IAG-Airline British Airways. Hier gibt es bereits erste Kulanzregelungen. Diese werden für Kunden genannt, die sich im April, Mai oder Juni requalifizieren müssen. Die Anzahl der Statuspunkte im Avios-Programm sinkt um 30 Prozent. Für die Bronze-Requalifizierung sind nur noch 210 statt 300 Punkte notwendig. Damit gleicht British Airways etwas mehr als drei Monate ohne Flüge aus. Die Richtlinien sind recht komplex und Anpassungen gibt es auch für die Requalifizierung über Flugsegmente - hier ebenfalls 30 Prozent - oder die Gültigkeit einiger Gutscheine (plus sechs Monate). British Airways gibt zudem an, dass die Kulanzregelungen der zukünftigen Situation entsprechend angepasst werden. Immerhin müssen sich Vielflieger, die jetzt oder in Kürze in ein neues Qualifizierungsjahr starten, weniger Sorgen machen. Da das British Airways-Programm auch den Status für die Oneworld-Allianz setzt, gilt die Kulanzregelung auch über die eigenen Flugzeuge hinaus.

Weitere ausgewählte Oneworld-Mitglieder

Etwas kompliziert wird es mit Avios-Vielflieger-Programmen anderer IAG-Schwestern von British Airways wie Iberia oder Aer Lingus. Die Situation wird nämlich nicht einheitlich gehandhabt. Auch hier sammelt der Vielflieger Prämienmeilen in Form von Avios, doch die Statusmeilen und Qualifizierungen sind unterschiedlich zum Executive Club der British Airways. Das gilt mitunter sogar für die Behandlung der IAG-Gesellschaften selbst. Wer im Iberia-Programm ist, bekommt etwa für Vueling-Flüge Statuspunkte. British Airways-Kunden hingegen nicht. Iberia-Nutzer bekommen verschiedenen Berichten zufolge derzeit E-Mails zwecks der Verlängerung des Statuses, der auch für Oneworld gilt. Offen kommuniziert wird das auf der Iberia-Seite allerdings nicht.

Für Aer-Lingus-Nutzer gilt ähnliches, nur dass diese IAG-Tochter keinen Oneworld-Status bietet. Laut "The Points Guy" ist Aer Lingus vor allem bei ohnehin hohem Status kulant, es gibt also Anpassungen.

Die für Asien beziehungsweise Nordamerika wichtigen Oneworld-Carrier Finnair und American Airlines haben ebenfalls Statusänderungen bekannt gegeben. Finnair wird die Qualifizierungsphase um ein halbes Jahr verlängern, wie aus der FAQ hervorgeht.

Recht großzügig ist American Airlines mit den neuen Richtlinien. Einige Nutzer werden aufgrund der Krise bis Anfang 2022 verlängert. Außerdem wurden die Qualifizierungsschwellen insbesondere im unteren Statuslevel-Bereich drastisch gesenkt.

Als einziger großer arabischer Carrier in einer Allianz hat zudem auch Qatar Airways seine Statusrichtlinien großzügig mit einer Verlängerung um ein Jahr angepasst.

Wer oft in die Finanzmetropole Hong Kong muss, der wird zudem oft mit dem Oneworld-Mitglied Cathay Pacific (Marco Polo Club) fliegen. Für den Club gelten umfangreiche Anpassungen bis hin zur automatischen Verlängerung des Statuses um ein Jahr.

Flying Blue: Air France, KLM und Co.

Besonders übersichtlich, was die Corona-Kulanzreglungen angeht, ist das Flying Blue-Programm. Air France und KLM nutzen das Programm, dass auch einen Skyteam-Status bietet, nämlich gemeinsam. Dazu kommt eine weitere Bedeutung bei anderen Airlines. Kenya Airways, Die KLM-Tochter Transavia und die rumänische Tarom nutzen ebenfalls das Programm. Bedingt auch durch etwa die Überseegebiete von Frankreich, gilt der Status zusätzlich für die pazifische Airline Aircalin für Kaledonien.

Die Kulanzregelung ist dabei recht einfach gehalten. Alle Kunden, deren Qualifikationszeitraum zwischen März 2020 und Februar 2021 liegt, bekommen automatisch eine Verlängerung um ein Jahr. Geregelt wird das durch eine Anpassung der eigentlich notwendigen Erfahrungspunkte. Außerdem verfallen Meilen bis um Jahresende nicht. Eventuelle weitere Anpassungen schließt das Programm nicht aus.

Weitere ausgewählte Skyteam-Partner

Ein für US-Flüge wichtiger Skyteam-Partner ist Delta Air Lines. Auch das Delta-Programm wird aufgrund von Covid-19 angepasst. Im Detail gibt es eine Verlängerung des Statuses um ein Jahr. Zusätzlich gewährt Delta einen sogenannten Rollover der Qualifizierungsbedingungen ins nächste Jahr. Sprich, 2020 erflogene Meilen werden erst im Jahr 2021 für den Status des Jahres 2022 genutzt. Das ist eine vergleichsweise großzügige Regelung. Zudem wird die Gültigkeit diverser Nebenangebote, wie Gutscheine, um sechs bis zwölf Monate verlängert.

Die russische Skyteam-Airline Aeroflot hat bereits Mitte März 2020 eine einfache wie auch kulante Regelung gefunden. Der Status wird einfach um ein Jahr verlängert. Zusätzlich profitieren Statusmitglieder, die im März vom Platinum- auf den Gold-Status zurückgestuft wurden, weil sie die Qualifikation nicht geschafft haben. Diese behalten, entgegen der eigentlichen Programmregeln, ihren Status ebenfalls für das Jahr 2021 bis zum Ende des Februars 2022.

Lufthansa-Gruppe und "Miles & More"

Während die beiden anderen großen Allianzen samt wichtiger Mitglieder-Airlines bereits eine Regelung zum kulanten Umgang mit der Coronakrise gefunden haben, sieht es bei der Lufthansa-Gruppe derzeit noch mau aus.

Von besonderer Wichtigkeit - auch innerhalb der Star Alliance in Europa - ist das Programm "Miles & More". Denn dieses gilt für zahlreiche Airlines. Dabei sind nicht nur die Netzwerk-Carrier Austrian, Lufthansa und Swiss dabei. Auch Brussels Airlines nutzt das Programm als Alternative. Die italienische Air Dolomiti sowie die polnische Lot setzen ebenfalls darauf genauso wie Croatia Airlines und Luxair. Dazu kommen Partner wie Condor und Eurowings, die allerdings Einschränkungen haben.

Wer jetzt glaubt, dass so ein großes Programm schnell eine Lösung findet, irrt allerdings. Auf der "Miles & More"-Webseite gibt es nur einen kleinen Hinweis, dass noch eine Kulanzregelung gefunden wird.

© dpa, Jens Büttner Lesen Sie auch: Lufthansas Statusmeilenumbau im Detail Hintergrund

Allerdings gilt das wohl nur für Lufthansa-Airlines: "Für Frequent Traveller, Senatoren und HON Circle Member werden im Laufe des Jahres kulante Regelungen für den Statuserhalt angeboten. Uns ist bewusst, dass Ihre Möglichkeiten, Statusmeilen zu sammeln, aktuell eingeschränkt sind. Die Lufthansa Group Airlines werden im Laufe des Jahres kulante Regelungen für den Statuserhalt anbieten und alle Vielflieger informieren."

Aufgrund der Art und Weise, wie "Miles & More" den Status berechnet, hat das Unternehmen allerdings tatsächlich noch Zeit, bis die ersten Kunden in ein Problem geraten. Allerdings ist der Zeitpunkt für das Vielfliegerprogramm besonders ungünstig, denn das Programm wird zum Jahreswechsel 2020/2021 grundlegend umgebaut. Dieser Umbau dürfte allein schon die Last bei der Entwicklung wie auch dem Kundensupport hoch halten.

Brussels und Eurowings setzen jeweils noch auf eigene Programme. Das Brussels Loop-Programm wird ohnehin eingestellt. Neuanmeldungen sind seit Februar nicht mehr möglich. Es gilt weiterhin, dass vorhandene Punkte bis zum Ende des Januars 2021 verwendet werden müssen und ein Transfer zu "Miles & More" nicht möglich ist. Für Eurowings ist das Programm Boomerang Club ohnehin weniger etwas für Vielflieger, da es keinen Status gibt.

Weitere ausgewählte Star Alliance-Partner

In der Star Alliance sind zahlreiche Fluggesellschaften vertreten, die schon Regelungen gefunden haben. Für US-Flüge bietet sich das United-Programm "Mileage Plus" an. Das erst kürzlich umgebaute Programm gewährt eine Statusverlängerung um ein Jahr bis Anfang 2022. Zudem werden die für die USA typischen, komplexen Qualifikationsanforderungen reduziert.

Das für skandinavische Länder relevante SAS-Eurobonus-Programm wird ebenfalls angepasst, wählt allerdings einen Weg, der eine Kontaktaufnahme erfordert und ungewöhnlicherweise mit Einschränkungen belegt ist. So gewährt Eurobonus auf eigentlich geplante Flüge eine entsprechende Gutschrift, auch wenn diese Flüge Virusbedingt nicht geflogen werden konnten. Den Corona-FAQ zufolge hat Eurobonus zudem einige Einschränkungen vorgenommen. So lassen sich etwa einige Awards nicht mehr buchen.

Das Krisflyer-Programm der Singapore Airlines arbeitet derweil mit einer pauschalen Statusverlängerung, wie eine eigens eingerichtete Webseite aufzeigt. Zudem werden Meilen erst sechs Monate später ungültig. Einige Rewards, die eigentlich ab Juli 2020 auslaufen, bleiben bis Ende März 2021 gültig. Da Krisflyer mit unterschiedlichen Qualifikationszeiträumen arbeitet, lohnt im Einzelfall ein Blick auf die dort hinterlegte Monatstabelle.

Turkish Airlines nutzt das eigene "Miles & Smiles"-Programm. In den Coronavirus-Informationsseiten finden sich keine Details. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge hat Turkish Airlines aber den Status aller Mitglieder pauschal um sechs Monate verlängert.

Statusprogramme abseits der Allianzen

Für den interkontinentalen Verkehr in Europa sind noch mindestens zwei weitere Fluggesellschaften mit eigenem Vielfliegerprogrammen wichtig. Zum einen Emirates mit seinem Drehkreuz in Dubai und zum anderen die vom Vereinigten Königreich operierende Virgin Atlantic. Emirates geht dabei den Weg einer Absenkung der Skywards-Qualifizierungsregeln. Wer vor dem 1. März 2021 zur Status-Requalifizierung ansteht, muss nur noch 80 Prozent der zu erreichenden Statusmeilen sammeln. Zusätzlich gibt es für unmittelbare "Härtefälle" bis September 2020 eine Verlängerung des Status um sechs Monate.

Virgin Atlantic nutzt ebenfalls die Möglichkeit einer Verlängerung des Status als Kulanzregelung für ihren "Flying Club". Dabei gewährt das Unternehmen sechs Monate zusätzlich. Das Besondere hierbei: Auch der Qualifizierungszeitraum verlängert sich um diese Zeitspanne. Sprich, der Vielflieger kann seinen Status in 18 statt zwölf Monaten erfliegen.

Kulanz heißt oft, dass Regeln nicht starr sind

Die meisten Airlines sind, was den Status angeht, also vorbildlich kulant. Hierbei darf nicht vergessen werden, dass die Fluggesellschaften durchaus in eine kritische Lage gelangen, die schnell dazu führen könnte, dass Vergünstigungen weggestrichen werden. Doch der Wille, gerade die Vielflieger zu halten, ist deutlich zu erkennen. Viele Fluggesellschaften haben schon im März erste Kulanzregelungen angekündigt oder erst einmal die dringlichsten Fälle in Regelungen aufgenommen.

Da die Regeln überwiegend pauschal und damit einfach sind, wird es Kunden geben, die überdurchschnittlich gut profitieren. Andere werden allerdings zu Sonderfällen. Wer einen hohen Status hat und trotz aller Reglungen in Probleme gerät, für den kann es sich durchaus lohnen, das jeweilige Programm zu kontaktieren. Allerdings sind fast alle Fluggesellschaften derzeit mit der Situation überfordert, so dass es zu längeren Wartezeiten kommen kann.

Kein Ende in Sicht

Das Ende der Corona-Einschränkungen im Flugverkehr ist noch nicht absehbar. Die Inzidenz der vergangenen 14 Tage, also die Anzahl der Covid-19-Fälle in Relation zur Bevölkerung, ist laut des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) in vielen Ländern noch hoch. Auch wenn es Zeichen einer Verbesserung gibt, die Lage ist weltweit weiter kritisch.

Insbesondere Italien, Spanien und das für Geschäftskunden wichtige Vereinigte Königreich sind stark betroffen. Auch die für viele Geschäftskontakte wichtigen USA sind deutlich betroffen. Metropolen wie New York City befinden sich sogar im Krisenmodus. Dazu kommt, dass das kommende Ausmaß in den Schwellen- und Entwicklungsländern noch nicht absehbar ist, zumal es dort oft an ausreichender Infrastruktur zur Ermittlung brauchbarer Zahlen fehlt.

Damit ist eine Lockerung der Reisebeschränkungen derzeit schwer absehbar. Selbst wenn der Ausbruch der Krankheit regional schnell unter Kontrolle gebracht werden kann, werden Maßnahmen nötig sein, um eine zweite Infektionswelle aus anderen Ländern abzumildern, so dass die Beschränkungen über Monate dauern können. Schlimmstenfalls sogar bis weit ins Jahr 2021.

Von: Andreas Sebayang

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