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Die neun Freiheiten im Luftverkehr. © Sabine Rasch / Illustration: airliners.de

Im Jahr 1944, also kurz vor Beendigung des Zweiten Weltkriegs, lud die amerikanische Regierung alle verbündeten und neutralen Staaten zu der Konferenz von Chicago ein, um einheitliche Regelungen und Standards für die friedliche Entwicklung der internationalen Zivilluftfahrt zu schaffen.

Dazu wurde auf dieser Konferenz eine Organisation namens "ICAO" (International Civil Aviation Organization) geschaffen. Die ICAO ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen und stellt die öffentlich-rechtliche Vertretung aller am zivilen Luftverkehr beteiligten und als UNO-Mitglied zugelassenen Staaten dar. Sitz der ICAO ist Montreal, Kanada.

Um den zivilen Luftverkehr zwischen den Staaten zu vereinfachen, wurde 1944 das "Chicagoer Abkommen" ("Convention on International Civil Aviation") verabschiedet. Nach dessen Artikel 1 besitzt jeder Staat über seinem Hoheitsgebiet die volle und ausschließliche Lufthoheit. Die Bundesrepublik Deutschland ist übrigens erst seit 1956 Mitglied der ICAO.

Möchte eine Fluggesellschaft nun einen Liniendienst in ein anderes Land aufnehmen, so bedarf es grundsätzlich der Genehmigung der von Start, Landung oder Überflug betroffenen Staaten. In Deutschland erteilt diese Genehmigungen das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Die Genehmigungen werden als "Freiheiten der Luft" ("Freedoms of the Air") bezeichnet.

Transit- und Transport-Freiheiten

Im Abkommen wurden zunächst fünf Freiheiten geregelt, die in der Folgezeit noch um drei weitere offizielle ergänzt wurden.

Die erste und zweite Freiheit sind Bestandteil der sogenannten "Transitvereinbarung" (International Air Services Transit Agreement), die zwischenzeitlich von mehr als 100 Staaten als multilaterales Abkommen unterzeichnet wurden. Sie werden auch als "technische Freiheiten" bezeichnet. Sie definieren das Recht, das Hoheitsgebiet eines Vertragsstaates ohne Landung zu überfliegen beziehungsweise in einem Vertragsstaat eine technische Zwischenlandung einzulegen, ohne hieraus gewerblichen Nutzen zu ziehen; das heißt, es dürfen weder Passagiere noch Fracht oder Post in diesem Land abgeladen oder aufgenommen werden.

Die dritte, vierte und fünfte Freiheit fußen auf der „Transportvereinbarung“ (International Air Transport Agreement) und regeln die sogenannten "kommerziellen oder auch gewerblichen Verkehrsrechte". Die dritte und vierte Freiheit beschreiben dabei das Recht, Passagiere, Fracht oder Post aus seinem eigenen Land in einen Vertragsstaat beziehungsweise zurück zu transportieren ("Nachbarschaftsverkehr"). Die fünfte Freiheit regelt Verkehre zwischen zwei Vertragsstaaten, wobei der Flug Teil eines Verkehrsdienstes sein muss, der im Heimatstaat beginnt oder endet. Da das Transport-Abkommen über die gewerblichen Verkehrsrechte allerdings bislang jedoch nur von genau elf Staaten unterzeichnet wurde, trat es defacto nicht in Kraft und wird durch bilaterale Abkommen ersetzt.

Neue Freiheiten und bilaterale Verträge

Die fünf definierten "Freiheiten der Luft" wurden später aufgrund immer neuerer Streckenführungen noch um folgende drei weitere Kombinationen erweitert: Die sechste Freiheit definiert das Recht, Passagiere, Fracht und Post zwischen zwei Vertragsstaaten, mit einer Zwischenlandung im eigenen Staat, zu befördern. Sie stellt somit eine Kombination der dritten und vierten Freiheit dar und bildet die Grundlage für globale Allianzen.

Wie bei der sechsten Freiheit handelt es sich auch bei der siebenten Freiheit um den Verkehr zwischen Drittstaaten, nur muss hier das eigene Land nicht berührt werden. Sie wird gewöhnlich erteilt, wenn ein Staat entweder keine eigene Fluggesellschaft besitzt oder die nationalen Fluggesellschaften diese Strecke nicht bedienen.

Die achte und neunte Freiheit beschreiben Verkehrsführungen zwischen zwei Orten innerhalb eines Landes, und zwar auf dem Weg von oder ins Heimatland. Dieses Recht wird auch als Kabotagerecht bezeichnet, wobei in der Literatur nur teilweise in achte - mit Zubringer aus/ins Heimatland - und neunte Freiheit - ohne Zubringer aus/ins Heimatland - unterschieden wird. Das Kabotagerecht wird sehr selten eingeräumt, aber beispielsweise in allen Staaten der EU seit 1997 angewandt.

Die Luftverkehrsbeziehungen zwischen den Staaten werden heute überwiegend durch bilaterale (zweiseitig-gegenseitige), Luftverkehrsabkommen geregelt, mit diversen Einschränkungen oder Erweiterungen dieser Verkehrsrechte. Deutschland verfügt über weit mehr als 100 solcher Abkommen. Übliche Einschränkungen sind beispielsweise Vereinbarungen über eine Kapazitätsaufteilung und über die Tarifgestaltung.

Über die Autorin

Das Basiswissen-Tutorial zum Thema „Luftverkehr“ bietet einen Überblick zu den wichtigsten Grundlagen der Luftverkehrswirtschaft. Alle Luftverkehrs-Tutorials lesen.

Sabine Rasch Die Welt des Reisens ist seit über 30 Jahren die Leidenschaft von Sabine Rasch. Mit dem "Lehrbuch des Linienflugverkehrs“ hat die Touristik-Expertin das langjährige Standardwerk für die Ausbildung von Touristiker in Berufsschulen verfasst, auf dem diese Serie basiert. Kontaktieren Sie die Fachautorin auf www.sabinerasch.de

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