Hintergrund Die wichtigsten Informationsquellen zum Coronavirus

Wer sich mit Zahlen zur Coronavirus-Pandemie beschäftigt, der findet im Internet zahlreiche Quellen. Unterschiedliche Messmethoden machen die Bewertung aber schwierig. Diese Zusammenstellung mit vielen Links - auch speziell für die Luftfahrt - hilft beim Überblick.

Der Coronavirus hat große Auswirkungen auf die Luftfahrt. © Adobe Stock / 330804509, OSORIOartist

Mit dieser Aufstellung gibt Ihnen airliners.de einen Überblick der wichtigen Quellen zum neuen Coronavirus Sars-Cov-2 und der davon ausgelösten Krankheit Covid-19. Gleichzeitig wollen wir Ihnen Interpretationen der Daten speziell für den Luftverkehr bieten, denn Iata, Icao und Co erheben die Daten nicht, sie werten sie für die Industrie aus und geben darauf basierende Empfehlungen aus. Diese Quellenliste ist selbstverständlich nicht vollständig, kann aber ein erster Anlaufpunkt werden, um sich gezielt zu informieren.

Wie geht es weiter mit der internationalen Luftfahrt in Zeiten des neuen Coronavirus? Um das zu beurteilen gibt es eine fast unendliche Anzahl von Quellen, die es zu betrachten gilt. Von der feinteiligen Situation rund um ein Drehkreuz über die nationalen Daten bis hin zur internationalen Abschätzung. Obendrein gibt es aber einige Fallstricke, denn die Zahlen haben unterschiedlich lange Meldewege und Methoden. Laut WHO sind mehr als 186 Länder, Areale und Territorien (Stand 23. März) vom Virus erreicht worden.

Zahlen aus dem deutschsprachigen Raum

Mittlerweile gehören auch die deutschsprachigen Länder zu jenen Regionen, die vom neuen Coronavirus und der davon ausgelösten Krankheit Covid-19 stark getroffen wurde. Wer erst einmal nur aktuelle Daten haben möchte, der findet diese am besten bei anerkannten Institutionen oder staatlichen Stellen. In Deutschland ist das insbesondere das Robert Koch Institut (RKI), dem alle Fälle mitgeteilt werden müssen.

Das impliziert aber eine leichte Verzögerung. Seit einiger Zeit werden die täglichen Fallzahlen nur noch publiziert, wenn diese elektronisch übermittelt worden sind. Tatsächlich gibt es noch einen geringen Teil nicht elektronischer Meldungen. Zudem gibt es über das Wochenende Verzögerungen bei der Datenübermittlung aus einigen Bundesländern, so dass Wochenendzahlen mitunter erst an einem Dienstag bekannt werden.

Das RKI erzeugt aus diesen Datenquellen zwei aufschlussreiche Dokumente. Für den schnellen Überblick gibt es die Fallzahlenübersicht. Regelmäßig gibt es zudem den Situationsbericht als PDF-Datei, der auch archiviert wird. Dieses Dokument beinhaltet auch den wichtigen Wert der sogenannten kumulativen Inzidenz, also die Betrachtung der Fälle im Bezug auf die Einwohnerzahlen. Die absoluten Werte sind nämlich zur Beurteilung der Lage nicht ausreichend.

Wer sich für möglichst aktuelle Daten interessiert, dem sei zudem das RKI-Dashboard empfohlen. Die Daten dort werden nicht nur leicht lesbar visualisiert, sondern auch öfter aktualisiert.

Was die RKI-Zahlen natürlich nicht liefern, sind Details unterhalb der Bundesländer-Ebene, also Landkreise, Städte oder Bezirke. Die Betrachtung von Städten ist nur dann einfach, wenn es sich auch um Bundesländer handelt. Die lokalen Gesundheitsämter sind deswegen ebenfalls ein guter Anlaufpunkt. Die Recherche diesbezüglich allerdings schwierig, da die Datenqualität von Bundesland zu Bundesland sehr verschieden ist.

Für die Luftfahrt relevante Standorte wie Hamburg und die Hauptstadt Berlin sind dabei eigentlich schon in den RKI-Daten erfasst. Trotzdem ist ein Blick in die Daten aufschlussreich. Prinzipbedingt aufwändiger wird es bei den Flughafenstandorten Düsseldorf, Frankfurt am Main, Köln/Bonn und München. Im Unterschied zu Berlin und Hamburg kann sich der Interessierte nicht gut ohne einen genaueren Blick auf die Daten informieren.

In Österreich informiert das Gesundheitsministerium über eine Dashboard-Anwendung über die aktuelle Lage zum Coronavirus. Vorsicht ist allerdings bei der Interpretation der Kartenansicht gegeben, denn diese listet Fälle nach absoluten Zahlen. Dafür gibt es aber auch einen Überblick, wie viele Menschen im Krankenhaus sind oder gar auf einer Intensivstation betreut werden müssen. Eine weitere Webseite bietet weitere österreichische Zahlen, wie etwa die Anzahl der durchgeführten Tests oder Genesungen.

Die Schweizer haben zum 16. März 2020 den Notstand ausgerufen. Die Eidgenossen informieren kompakt und übersichtlich regelmäßig mit einem epidemiologischen Lagebericht über die Situation landesweit wie auch in den Kantonen. Der Bericht beinhaltet zudem auch die Daten des benachbarten Fürstentums Liechtenstein.

Die Welt, Europa und ausgewählte Länder

Die Informationsbeschaffung außerhalb der deutschsprachigen Ländern benötigt nicht unbedingt Fremdsprachenkenntnisse. Die für Deutschland, Österreich und Schweiz relevanten Institutionen informieren in der Regel auch über Europa und die Welt. Trotzdem kann ein Blick auf weitere Datenquellen und Aufarbeitungen nicht schaden.

Ein Anlaufpunkt ist das European Centre for Disease Prevention and Control, kurz ECDC. Das Zentrum publiziert über eine Web-Anwendung jeweils aktuelle Zahlen. Der Fokus liegt auf Europa und die Welt.

Interessant ist zudem der tägliche weltweite Situationsbericht. Dieser beinhaltet eine Karte mit der Inzidenz. Zum Stand des 22. März 2020 nutzt diese jedoch wenig aussagekräftigen Farbunterteilungen, da die Inzidenz-Werte in vielen EU-Staaten mittlerweile sehr hoch sind. Dazu gibt es noch ein tägliches Situationsupdate für die meisten europäischen Länder .

Wer sich für weitere Daten interessiert kann zudem eine Tabellenkalkulationsdatei mit umfangreichen Verlaufsdaten herunterladen (.xls).

Fremdsprachliche Quellen

Einige anderssprachige Quellen geben ebenfalls Aufschluss über die Situation. In Zeiten von zahlreichen leicht zugänglichen Übersetzungsdiensten ist das heutzutage kein großes Problem mehr. Wer eine Fremdsprache beherrscht kann manchmal recht leicht in einzelne Tabellen schauen, einige Beispiele:

Darunter fallen die Informationen aus Spanien, die mit Englischkenntnissen auch in PDF-Dateien als Tabelle gut lesbar sind. Einzelne Begriffe lassen sich schnell übersetzen. Empfehlenswert ist hierbei die tägliche PDF-Datei des spanischen Ministerio de Sanidad. Aus diesen Daten war schon frühzeitig ableitbar, dass Spanien nach Italien stark betroffen wird. Hilfreich ist hier die "Incidencia acumulada (IA) en los últimos 14 días", die auch für andere Länder angegeben wird. Der Wert betrachtet die Fälle im Bezug der letzten zwei Wochen. Die Zahlen zeigen zudem die deutlichen Auswirkungen, wenn etwa, wie in Madrid, auch Seniorenheime infiziert werden.

In den Niederlanden wird zudem vorbildlich lokale Information auch in englisch publiziert. Mehr Details gibt es natürlich in der Landessprache. Aber auch das lässt sich meist mit deutscher Sprachkenntnis noch lesen. Manchmal ist es hilfreich, ein Wort auszusprechen, um es einzuordnen.

Als Positivbeispiel der Darstellung von Daten ist zudem Island zu sehen. Das Land hat kurzerhand eine eigene Domain eingerichtet und informiert dort leicht verständlich mit den wichtigsten Daten in englischer Sprache. Die Isländer geben zudem an, wie viele Personen schon getestet wurden und sind diesbezüglich sehr schnell. Aufgrund der vielen Tests dort, können Islands Daten für eine zukünftige Abschätzung gut verwendet werden.

Auch zahlreiche weitere Länder haben besondere Informationsangebote im Netz geschaffen. All diese Daten sind im Informationszeitalter offen verfügbar und in den meisten Fällen auch einfach zu entdecken. Sie sind zudem oft in englisch und somit für viele lesbar. Die Sprachbarriere betrifft zumindest dort, wo lateinische Buchstaben verwendet werden, oft auch nur einzelne Wörter.

Informationen zu internationalen Fallzahlen gibt es in aufbereiteter grafischer Form bei der John Hopkins Universität aus Baltimore in den Vereinigten Staaten. Es ist die selbe Dashboard-Software, die auch das RKI zur Visualisierung verwendet. Einen Überblick über Zahlen verschiedener Länder bietet zudem das Statistik-Protal Statista. Zuletzt ist natürlich auch die Weltgesundheitsorganisation WHO eine wichtige Informationsquelle.

Die WHO informiert umfangreich mit einem täglichen Situation Report. An diesen Reports ist gut erkennbar, dass es kaum noch Länder gibt, die noch nicht von dem neuen Coronavirus erreicht worden sind. Außerdem gibt es Informationen über die lokale Ansteckung in den jeweiligen Ländern.

Informationsquellen speziell für die Luftfahrt

Auf airliners.de finden Sie im Coronavirus-Ticker jederzeit die aktuellseten Meldungen zum Thema. Wir beschränken und dabei auf die relevantesten Informationen für den deutschsprachigen Raum. Hier gehet es zum Ticker:

Die WHO arbeitet zudem mit zahlreichen Luftfahrtinstitutionen zusammen, wie aus einem Joint Statement hervorgeht. Dort wird etwa auf die Icao-Capsca-Webseite verwiesen, die zahlreiche aktuelle Links bezogen auf die Luftfahrt führt.

Hier finden sich beispielsweise Notams und Restriktionen bezogen auf das neue Coronavirus. Informationen diesbezüglich liefert auch das Network Operations Portal von Eurocontrol. Eurocontrol hat zudem eine Anwendung, die verdeutlicht, wie stark der Luftverkehr sich reduziert hat.

Die Luftfahrtinstitutionen bieten sonst eher wenige Daten rund um das Coronavirus. Stattdessen werden zahlreiche Empfehlungen ausgesprochen und auch aktualisiert. Solche Informationen finden sich etwa bei der Easa. Die Iata informiert prominent zudem über die aktuelle Buchungssituation und Flugstornierungen aus einer globalen Perspektive. Das Iata-Travelcentre zeigt zudem zahlreiche Reisebeschränkungen von und zu internationalen Zielen. Das ist insbesondere für den weltweiten Verkehr von Relevanz.

Allgemeine Hinweise zur Verwertbarkeit von Statistiken

Zu beachten ist bei allen Statistiken: Die Erhebung ist nicht einheitlich, sondern von Land zu Land verschieden. Auch muss beachtet werden, dass lokale Ausbrüche natürlich in den Länderstatistiken untergehen können. Wer nur die Deutschland-Statistiken betrachtet, dem fällt der Ausbruch im Landkreis Heinsberg gar nicht auf. Die reinen Zahlen berücksichtigen oft auch nicht die Einwohnerdichte. 100 Fälle in einer Metropolregion sind mitunter anders zu beurteilen als 100 Fälle in einer 10.000-Einwohner-Stadt.

Allgemein lässt sich die Lage derzeit nur abschätzen. Gewissheit ist erst in den kommenden Jahren zu erwarten, wenn Forscher genug Daten haben, diese auswerten und daraus konkrete Schlüsse ziehen können. Es ist nicht unähnlich mit der Art und Weise, wie die Sterblichkeit der Influenza berechnet wird. Das Robert Koch Institut veröffentlicht in Deutschland die wenig betrachteten Daten mit erheblicher Verzögerung zur Grippewelle. Die Influenza ist zudem berechenbarer, da es regelmäßig Impfstoffe gibt, die von Risikogruppen, wie Krankenhaus-Personal oder auch ältere Menschen, genutzt werden. Das reduziert die Anzahl der Fälle erheblich.

Ebenfalls nicht zu vergessen ist die Dunkelziffer, sei es durch Sars-Cov-2-Träger, die gar nicht an Covid-19 erkranken oder nur leichte Beschwerden entwickeln, oder auch mangelnde Testkapazitäten der jeweiligen Länder. Einige Länder wie Südkorea oder Island testen mit riesigem Aufwand und haben in der Tendenz sehr präzise Zahlen, auch was Personen angeht, die keine Krankheitssymptome zeigen.

In Europa sind die Unterschiede mitunter sehr groß. So konnte das kleine Island mit etwas mehr als 350.000 Einwohnern schon über 10.000 Tests durchführen. In Österreich sind es 23.000 Tests (Stand jeweils: 22. März). Dies kann die Statistiken massiv verzerren. Selbiges gilt für die Meldelaufzeiten innerhalb der Länder, Regionen oder Territorien. Auch Auswirkungen, wie eine Überlastung des Gesundheitssystems haben unmittelbare Auswirkungen auf die Zahlen. Für genaue, abschließende Zahlen wird die Forschung die kommenden Monate oder gar Jahre abwarten müssen.

Von: Andreas Sebayang

Lesen Sie jetzt

Als die Welt bis 2020 noch ein Dorf war

Gastbeitrag Corona verändert die Weltwirtschaft grundlegend. Wird man in zehn Jahren feststellen, dass der Luftverkehr, wie wir ihn bislang kennen, nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems war? Eine Rückwärts-Prognose der Frankfurt University of Applied Sciences.

Lesen Sie mehr über

Rahmenbedingungen Fluggesellschaften Flughäfen Verkehr Politik Management Wirtschaft Marketing Strategie Industrie Netzwerkplanung Tourismus Behörden, Organisationen Luftfracht Corona-Virus Statistik