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Die Flotte macht Norwegian für Lufthansa interessant, © AirTeamImages.com/Artyom Anikeev
Flugzeug von Norwegian. © AirTeamImages.com / Artyom Anikeev
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Eine Übernahme des finanziell angeschlagenen Billigfliegers Norwegian wird für den Lufthansa-Konzern immer interessanter. Denn der Low-Coster kündigte über die Feiertage an, fünf A320 der Flotte verkaufen zu wollen und die Bestellung von 60 Mittelstrecken-Neos zu überprüfen. Wegen Lieferengpässen bei eben jener Modellreihe bestellte Lufthansa 2018 herkömmliche A320-Jets nach.

Zwar beteuert Airbus fortlaufend, bei der Auslieferung der Neos den Lieferengpass aus dem Frühjahr wettgemacht zu haben. Doch "Bloomberg" berichtete vergangene Woche, dass das selbstgesteckte Ziel von 800 ausgelieferten Flugzeugen 2018 knapp nicht erreicht worden sei. Der Konzern verweist auf Anfrage auf die offiziellen Zahlen Ende dieser Woche.

Probleme mit den Neos

Dass Airbus mit Problemen in der Neo-Produktion kämpft, ist lange bekannt: Erst machte Hitze den Turbinen von Pratt & Whitney zu schaffen, dann gab es Softwareprobleme und anschließend löste eine Dichtung Ausfälle bei den Starts aus. Monatelang lieferte Airbus gar keine A320-Neo-Jets mit Motoren des Unternehmens aus.

Im Anschluss waren zahlreiche Maschinen als sogenannte "Glider" (fertige Maschinen ohne Triebwerke) in Toulouse und in Hamburg-Finkenwerder geparkt. Zwischenzeitlich soll die Anzahl bei über 100 Maschinen gelegen haben. Im Laufe des Jahres konnte Airbus die Auslieferungen steigern.

Kranich diskutiert "Dreamliner"-Einsatz

Neben Airbus ist auch Boeing Thema bei Norwegian. Denn der Low-Coster betreibt insgesamt 20 "Dreamliner" (Boeing 787); ebenso viele hat er auf dem Bestellzettel. Bei Lufthansa fliegt eben jenes Modell aktuell nicht. Doch im Oktober waren Spekulationen laut geworden, dass der Kranich den "Dreamliner"-Einsatz für die Langstrecke diskutiert.

Zum einen könnte damit die alternde Boeing-747-Flotte ersetzt werden; zum anderen möchte der Kranich-Konzern die Abhängigkeit von Airbus nicht zu groß werden lassen. Denn auf der Kurz- und Mittelstrecke betreiben die Lufthansa-Airlines Classic, Austrian, Swiss, Eurowings und Brussels keine Boeing-Flugzeuge.

Industrieexperte Michael Santo von der Unternehmensberatung H&Z sieht den potenziellen Kauf von "Dreamlinern" dennoch kritisch: "Den Einsatz zweier konkurrierender Muster im gleichen Segment halte ich nicht für sinnvoll", konstatiert der Kenner. "Es treibt die Komplexität in allen Bereichen, beispielsweise dem Type-Rating der Crews oder der Ersatzteilversorgung, voran."

Lufthansa zeigte Interesse an Norwegian

In der Vergangenheit war das Interesse von Lufthansa an Norwegian aufgekommen. Kranich-Hub-Chef Harry Hohmeister sagte dazu im Interview mit airliners.de, dass man sich alle Optionen anschaue und gegebenenfalls prüfe. Alle skandinavischen Länder seien "wirtschaftlich stark". "Wir müssen in unserer Industrie aber von dem Gedanken wegkommen, dass Kaufen die einzige Option ist."

© airliners.de, Lesen Sie auch: "Frankfurt darf sich nicht um Verantwortung drücken" Interview mit Lufthansa-Hub-Chef Hohmeister

Ebenfalls an Norwegian interessiert ist die British-Airways-Mutter IAG. Deren Chef Willie Walsh war bereits mehrfach mit Angeboten bei Norwegian-Chef Björn Kjos abgeblitzt, weswegen er sich zwischenzeitlich Billigflieger Ryanair als Partnerin für die Akquise an die Seite holte.

Billigflieger mit hohem Schuldenberg

Dabei ist Norwegian laut Beobachtern gerade "günstig zu haben". Aktuell notiert die Aktie mit 18,59 Euro ein wenig entfernt vom Zwölf-Monats-Tief (17,20 Euro). Das ergibt eine Marktkapitalisierung von nur noch 794 Millionen Euro.

Allerdings schlummern in der Bilanz von Norwegian große Fehlbeträge. So summieren sich die kurz- und langfristigen Finanzschulden abzüglich der Barmittel auf rund 2,3 Milliarden Euro. Das Eigenkapital halbierte sich im Gesamtjahr auf 213,7 Millionen Euro. Die Bilanz fürs Geschäftsjahr 2018 legen die Norweger am 14. Februar vor.

Passagierzahlen

Norwegian hat 2018 so viele Passagiere befördert wie noch nie in der Konzerngeschichte. Die Zahl der Fluggäste sei im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent auf 37,3 Millionen gestiegen, teilte der Low-Coster mit. Allerdings waren die Kabinen der Flugzeuge den Angaben zufolge mit 85,8 Prozent weniger stark ausgelastet als 2017 (87,5). (dpa)

Ein Finanzanalyst der "Danske Bank" hatte an Heiligabend in einem Report gewarnt, dass Norwegian nicht mehr in der Lage sei, Kreditraten zu bedienen. Airline-Chef Kjos dementierte umgehend, dass man "über hinreichend liquide Mittel (...)" verfüge und einen Teil der Flotte verkaufe, "um unsere finanzielle Lage weiter zu verbessern". Die Aussage des Analysten trifft auf ein Statement von Ryanair-Chef Michael O'Leary, wonach Norwegian "im Winter in die Knie gehen wird":

© dpa, Jasper JacobsLesen Sie auch: "Viele Airlines werden den Winter nicht überleben" Interview mit Ryanair-Chef O'Leary

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