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Corona-Lage 10/2020 Die Auswahl möglicher Destinationen sinkt weiter

Die Verbreitung von Sars-Cov-2 steigt wieder deutlich. In Deutschland sind die Zahlen zwar relativ gut. Doch für den internationalen Luftverkehr schwinden die Möglichkeiten. In etlichen Märkten kämpft man mit enormen Inzidenzen. In den USA startet bereits die dritte Welle.

Flugzeuge und Globus. © Adobe Stock / Juanjo

Mit der Corona-Erholungsserie hat airliners.de im April und Mai erste Lageberichte zur Sars-Cov-2-Situation in Deutschland, Europa und in der Welt veröffentlicht. In der monatlichen Folgeübersicht schauen wir weiter auf die Zahlen. Zeichen der Erholung sind auf der Nordhalbkugel leider nicht zu finden, wie der aktuelle Blick auf den Oktober 2020 zeigt.

Es sieht nicht gut aus, wenn es um den internationalen Luftverkehr und potenzielle Reiseziele während Corona geht. Fast ganz Europa erreicht wieder ein Infektionsgeschehen, das aus der letzten Kälteperiode bekannt ist. Auch wichtige Langstreckenmärkte bleiben im Krisenmodus. Da hilft es nicht, dass es in Deutschland - trotz steigender Infektionszahlen - im Vergleich immer noch sehr gut aussieht. Gemäß der europäischen Seuchenschutzbehörde ECDC geht es nur fünf, überwiegend kleinen Ländern, besser als Deutschland (Stand: 20. Oktober 2020). Durch die mittlerweile gute Corona-Infrastruktur und offenbar wirksame Maßnahmen nimmt Deutschland einen sehr guten Platz ein.

Anders formuliert: Deutschland ist damit als Ziel für Touristen eigentlich hochinteressant, insbesondere der Norden und der Osten. Die gute Arbeit hierzulande hilft allerdings wenig, solange die anderen Länder nicht ähnlich effizient bei der Bekämpfung der Krankheit sind. Auch die Aussage des Robert-Koch-Instituts (RKI), dass Reisen an sich nicht problematisch sei, sondern das Verhalten am Reiseort entscheidend ist, nimmt weder den Ländern noch der Bevölkerung Befürchtungen. Viele bleiben zu Hause.

Infektionszahlen in Europa und Deutschland steigen konstant

Obwohl die Kälteperiode noch gar nicht richtig losgelegt hat, steigen die Infektionszahlen schon seit geraumer Zeit wieder an. Aktuell liegt die deutsche Positivenquote bei Tests laut ALM-Situationsbericht (PDF) bei über 3,5 Prozent. Im Sommer waren es noch weniger als ein Prozent. Deutschland macht also die Entwicklung anderer Länder durch, die dort teils schon vor Monaten begann.

Das gilt auch für einige südliche, wärmere Länder, wie etwa das wichtige Urlaubsland Spanien. Zwar sind die Werte noch nicht so schlimm, wie in der kritischen Phase Anfang des Jahres, aber sie sind wieder ziemlich weit oben (Actualización no 231, PDF). Zu beachten ist, dass die Werte aus der Corona-Anfangszeit im Frühjahr allgemein schwer vergleichbar sind mit der jetzigen Situation. Das liegt daran, dass anfangs nicht nur Erfahrung fehlte, sondern auch die Testinfrastruktur noch nicht so ausgebaut war.

Der Umstand, dass sich in Spanien derzeit mehr als 10.000 Covid-Fälle im Krankenhaus befinden, spricht allerdings für sich. Insbesondere Madrid ist betroffen mit fast 20 Prozent Krankenhausbelegung (3200 Personen, Stand 19.10.2020) nur durch Covid-19-Fälle allein. Davon ist rund ein Siebtel, also rund 470 Personen, auf der Intensivstation. Zum Vergleich: In ganz Deutschland, mit fast doppelt so großer Bevölkerung wie Spanien, befinden sich derzeit nur 879 Personen auf Intensivstationen (PDF vom 20.10.2020). Mit anderen Worten: In Madrid allein muss in Relation eine Last bewältigt werden, die sich hier auf das ganze Land verteilt.

In Katalonien mit der beliebten Reisedestination Barcelona sieht die Situation besser aus, die Krankenhäuser nur etwas über sieben Prozent der Krankenhausbelegung als Covid-19-Fälle ausgewiesen. Mit rund 1900 Hospitalisierungen, von denen 257 auf der Intensivstation liegen, sind allerdings auch in Katalonien die Lasten für das dortige Gesundheitswesen sehr hoch. Dazu kommen in Spanien teils extrem hohe Positivenraten bei Tests von weit über zehn Prozent.

Damit kommt ein weiterer Aspekt dazu, der das Reisen mittelfristig erschwert: die Gesundheitsversorgung. Zwar gilt die europäische Krankenversicherung (EHIC) natürlich auch in Spanien, doch bei einem Gesundheitssystem am Limit werden etwa Deutsche Schwierigkeiten bekommen, wenn sie weit entfernt erkranken. Des Deutschen liebstes Reiseziel wird wohl im Winter wenig genutzt werden.

Nur wenige Teile Europas sind für Reisen gut geeignet

So wie in Spanien sieht es wohlgemerkt in großen Teilen Europas aus, wie aus den ECDC-Berichten hervorgeht. Das betrifft auch ehemalige Musterländer. Tschechien etwa hat mit einer 14-Tage-Inzidenz zu kämpfen, die mehr als das zehn Mal so hoch ist wie die von Deutschland (76 zu 828 Fälle je 100.000 Einwohner). Island, besonders erfolgreich bei der Bekämpfung in der ersten Phase, hat nun 315 Covid-Fälle auf 100.000 Einwohner gerechnet.

Von: Andreas Sebayang

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