Deutsche Ryanair-Piloten stimmen Tarifvertrag zu

Nach mehrfachen Verschiebungen gilt für die deutschen Ryanair-Piloten nun ein Tarifvertrag. Das Cockpitpersonal des Billigfliegers stimmt dem ausgehandelten Tarifvertrag zu. Gleichzeitig kritisiert die Pilotengewerkschaft VC das Management.

Piloten von Ryanair. © Ryanair

Die deutschen Ryanair-Piloten haben einen Tarifvertrag. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) teilte mit, dass der ausgehandelte Tarifvertrag mit 99,3 Prozent aller abgegebenen Stimmen angenommen wurde. Neben einem Vergütungstarifvertrag wurde ein tariflicher Sozialplan beschlossen.

Die Annahme des am 11. September präsentierten Verhandlungsergebnis sichert den in Deutschland stationierten Piloten höhere Grundgehälter. Durch die Umstellung auf deutsches Einkommenssteuerrecht erreichen die Ryanair-Cockpit-Crews zudem höhere Nettogehälter. Bislang wurde die Steuer mit höheren Sätzen in Irland eingezogen, wo sich der Sitz der Ryanair Group befindet.

Weitere jährliche Steigerungen bis zum Ende der Laufzeit im März 2023 wurden ebenfalls vereinbart. Die Umstellung erfolgt den Angaben nach zu Beginn des kommenden Jahres. Im nächsten Schritt wollen beide Parteien nun sowohl über einen Piloten-Betriebsrat als auch über einen Manteltarifvertrag verhandeln. Außerdem soll eine betriebliche Altersversorgung nach deutschem Recht geregelt werden.

Vorangegangen waren neun Monate intensiver Verhandlungen. Knackpunkt war lange Zeit die Frage des Steuerrechts. Die VC und Ryanair hatten nach mehreren Streikwellen im Dezember 2018 ein Eckpunktepapier mit deutlichen Gehaltssteigerungen für die rund 400 in Deutschland stationierten Piloten vereinbart.

Gewerkschaft kämpft für Tarifvertrag in ganz Europa

Das sei ein überwältigendes Urabstimmungsergebnis und zeige die große Geschlossenheit der Ryanair-Piloten, sagte VC-Rechtsanwältin Tanja Viehl. Gleichzeitig wies Viehl daraufhin, dass man mit diesem Ergebnis im Rücken weiter am eigentlichen Ziel arbeite, gemeinsam mit den beteiligten Gewerkschaften "in ganz Europa einen Wandel in der Unternehmenskultur voranzutreiben".

Neben der Freude über die Annahme der Ryanair-Piloten kritisierte die VC auch das Management des Billigfliegers. So wurden die Gewerkschaften nicht vom angekündigten Abbau von Piloten und Co-Piloten miteinbezogen und gleichzeitig würde die Ryanair Group Jobs bei nicht tarifierten Tochtergesellschaften, wie Laudamotion und Buzz zu wesentlich schlechteren Konditionen bewerben.

© dpa, Andreas Arnold Lesen Sie auch: Ryanair muss Mitarbeiter entlassen

Ryanair hatte Mitte September mitgeteilt, rund 500 bis 700 Mitarbeiter entlassen zu müssen. Laut Gruppen-Chef Michael O'Leary handele es sich dabei vorrangig um Piloten. O`Leary begründete diesen Schritt mit der veränderten Nachfrage in Kombination mit den aktuellen Boeing-737-Max-Problemen. Sollten sich die Auslieferungen der bestellten Maschinen bis in den März oder April 2020 verzögern, müsse die Airline ihr Flugprogramm weiter eindämmen.

Von: br

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