Deutsche Ryanair-Piloten erhalten erstmalig Tarifverträge

Nach monatelangen Verhandlungen haben sich die deutsche Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und Billigflieger Ryanair auf Tarifverträge für das Cockpit-Personal geeinigt. Dafür werden die Piloten in die neue Ryanair-Tochter "Malta Air" überführt.

Piloten von Ryanair im Cockpit. © Ryanair

Die Vereinigung Cockpit (VC) hat mit Ryanair erstmals Tarifverträge für das Cockpit-Personal vereinbart. Das teilte die Pilotengewerkschaft am Dienstag mit. Neben einem Vergütungstarifvertrag wurde ein tariflicher Sozialplan beschlossen.

Der jetzige Abschluss sichert den in Deutschland stationierten Piloten höhere Grundgehälter. Durch die Umstellung auf deutsches Einkommenssteuerrecht erreichen die Ryanair-Cockpit-Crews zudem höhere Nettogehälter. Bislang wurde die Steuer mit höheren Sätzen in Irland eingezogen, wo sich der Sitz der Ryanair Group befindet.

Co-Piloten konnten mit einer Verdoppelung ihres Brutto-Fixgehalts auf 50.000 Euro pro Jahr rechnen, hieß es in Papieren der Tarifkommission. Für Kapitäne ging es um bis zu 33 Prozent auf zunächst 100.000 Euro hoch. Weil gleichzeitig flexible Lohnanteile abgeschmolzen werden, bleiben unter dem Strich nur leichte Steigerungen des Gesamtgehalts, die nicht näher beziffert wurden.

Weitere jährliche Steigerungen bis zum Ende der Laufzeit im März 2023 wurden ebenfalls vereinbart. Die Umstellung erfolgt den Angaben nach zu Beginn des kommenden Jahres. Im nächsten Schritt wollen beide Parteien nun sowohl über einen Piloten-Betriebsrates als auch über einen Manteltarifvertrag verhandeln. Außerdem soll eine deutsche betriebliche Altersversorgung geregelt werden.

Die jetzt unterzeichneten Tarifverträge stellen klar, dass deutsches Recht für die Arbeitsverhältnisse und sämtliche deutschen Arbeitnehmerschutzgesetze Anwendung finden. Auch die Tarifverträge fallen unter deutsches Recht. Zudem wurden im Sozialplan Regelungen getroffen, die soziale Härten bei vergangenen und auch künftigen Stationsreduzierungen abfedern sollen.

Betriebsübergang zu Malta Air

Um die Umstellung auf deutsches Einkommenssteuerrecht zu gewährleisten, werden die Piloten den Angaben nach durch einen Betriebsübergang in die maltesische Tochtergesellschaft "Malta Air" überführt.

Bei der maltesischen Airline in der Ryanair Group sind sie in einem direkten Anstellungsverhältnis unter Geltung der deutschen Tarifverträge beschäftigt. Die VC hatte ursprünglich gefordert, einen eigenständigen Flugbetrieb in Deutschland zu gründen.

© Ryanair, Lesen Sie auch: Ryanair registriert 50 Jets bei neuer Tochtergesellschaft "Malta Air"

Vorangegangen waren neun Monate intensiver Verhandlungen. Knackpunkt war lange Zeit die Frage des Steuerrechts. Die VC und Ryanair hatten nach mehreren Streikwellen im Dezember 2018 ein Eckpunktepapier mit deutlichen Gehaltssteigerungen für die rund 400 in Deutschland stationierten Piloten vereinbart. Die Unterzeichnung des Tarifvertrags war danach mehrfach verschoben worden.

Weiter laufen bei Ryanair auch Pilotenstreiks in anderen europäischen Ländern, wie zuletzt in Großbritannien. Ryanair äußerte sich zunächst nicht zu dem Abschluss, über den die VC-Mitglieder noch eine Urabstimmung halten müssen.

Von: br mit dpa

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