Deutsche Piloten beteiligen sich an Ryanair-Streik

Da waren es sechs: Die deutschen Piloten beteiligen sich am Freitag am Riesen-Streik bei Ryanair. Unklar ist noch, ob auch deutsche Kabinen-Crews in den Ausstand treten.

Ryanair ist Europas größter Billigflieger. © AirTeamImages.com / Jesus Moreno

Die belgische Gewerkschaft CNE/LBC kündigte vor einigen Tagen vollmundig an, dass dies "der größte Streik in der Geschichte Ryanairs" werde, und genau darauf scheint es nun auch hinauszulaufen. Denn am Ausstand von Flugbegleitern und Piloten in fünf europäischen Ländern beteiligen sich am Freitag auch deutsche Crews.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) teilte am Donnerstagabend mit, dass sie die deutschen Flugzeugführer ab drei Uhr nachts die Arbeit ruhen lassen sollen. Für die VC ist es nach einem Warnstreik im Dezember nun der dritte ordentliche Streiktag bei Ryanair.

Keine Einigung über Schlichtung

Der VC wurde nach eigenen Angaben "seit dem letzten Arbeitskampf am 12. September kein verbessertes Angebot gemacht". Auch auf eine Schlichtungsvereinbarung hätte man sich bislang noch einigen können.

Da es der Low-Cost-Carrier bisher ablehne, ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen, wäre es die einzig verbleibende Möglichkeit gewesen, eine Schlichtung zu vereinbaren, so VC-Tarifvorstand Ingolf Schumacher. "Bislang konnten wir aber weder Einvernehmen darüber erzielen, was wir schlichten wollen, wie wir schlichten wollen und wer geeigneter Schlichter sein könnte."

Verdi wartet noch ab

Ob sich weitere deutsche Gewerkschaften an dem Streik beteiligen werden, ist indes noch nicht klar. Die Gewerkschaft Verdi will ihre Entscheidung erst am Donnerstagabend bekannt geben.

Aktuell müsse man die Verhandlungsrunde vom Dienstagnachmittag noch bewerten und mit den Mitgliedern beraten, sagte Verhandlungsführerin Mira Neumaier. Unabhängig davon plant Verdi für Freitag Kundgebungen an den Flughäfen in Frankfurt und Berlin-Schönefeld.

"Massive Einschüchterungen"

Nach wie vor gebe es vom Low-Coster "massive Einschüchterungen" der Betroffenen, zum Beispiel die Drohung, Mitarbeiter in andere europäische Länder zu versetzen, so Neumaier. Das jüngste Entgeltangebot nannte die Gewerkschafterin unzureichend.

Es sehe für einen Zeitraum von vier Jahren drei Erhöhungen des Monatslohns um je 40 bis 60 Euro vor. Das entspreche in etwa einem Inflationsausgleich. Verdi strebe aber eine spürbare Annäherung an das Gehaltsniveau vergleichbarer Billigfluggesellschaften an.

Ufo verhandelt am Donnerstagnachmittag

Auch die Flugbegleitergewerkschaft Ufo befindet sich aktuell in Gesprächen mit dem Billigflieger. Ein weiterer Termin findet am Donnerstagnachmittag in Frankfurt statt. Dann will die Entourage um HR-Manager Rachel Hughes den Flugbegleitern ein erstes Angebot vorlegen.

Im Gespräch mit unserer Redaktion zeigten sich die Verhandlungsführer optimistisch, dass dies ein "gutes" sein werde. Man habe dem Management vorab einen genauen Forderungskatalog übermittelt.

Rein rechtlich kann die Gewerkschaft - die Ryanair bislang nicht bestreikt hatte - erst nach dem Termin zum Ausstand aufrufen. Sofern sie denn kein Angebot von der Airline bekommt oder dieses als unzureichend zurückweist.

Unklare Kommunikation über Flugstreichungen

Zu dem Streik aufgerufen hatten Gewerkschaften die Ryanair-Flugbegleiter in Belgien, Italien, den Niederlanden, Portugal und Spanien. Die Piloten in den beiden Benelux-Ländern schlossen sich den 24-stündigen Ausstand an.


Übersicht der Ryanair-Streiktermine

Flugbegleiter:

  • 30. März, 1. und 3. April: Portugal;
  • 25. Juli: Belgien, Italien, Portugal und Spanien;
  • 26. Juli: Belgien, Portugal und Spanien;
  • 12. September: Warnstreik von Verdi in Deutschland;
  • 28. September: Belgien, Italien, Niederlande, Portugal und Spanien.

Piloten:

  • 21. Dezember 2017: Warnstreik in Deutschland;
  • 13., 20., 24. Juli, 3. August: Irland;
  • 10. August: Belgien, Deutschland, Irland, Niederlande, Schweden
  • 12. September: Deutschland;
  • 28. September: Belgien, Deutschland, Niederlande.

Quelle: airliners.de


Ryanair hatte am Mittwoch vorsorglich 200 Flüge wegen des Streiks am Freitag gestrichen - am Donnerstag war dann nur noch von "unter 150" Verbindungen die Rede. Ob man nun angesichts des Ausstands der deutschen Piloten in Dublin doch noch einmal den Rotstift zückt, ist noch ungewiss - auf eine Anfrage von airliners.de reagierte der Low-Cost-Carrier bislang nicht.

Von: cs

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