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Ein ICE der Deutschen Bahn verlässt den Fernbahnhof am Flughafen von Frankfurt. © dpa / Arne Dedert

Die Deutsche Bahn (DB) und die Lufthansa wollen gemeinsam mehr Reisende mit dem Zug zu internationalen Flügen bringen und dafür enger zusammenarbeiten. Die beiden Konzerne kündigten am Montag neue und schnellere Zugverbindungen zum größten deutschen Flughafen und Lufthansa-Hauptsitz Frankfurt am Main an.

DB-Personenverkehrsvorstand Berthold Huber sprach von einer gemeinsamen "Produktoffensive", die "in Sachen Reisezeiten, Preis und Umweltfreundlichkeit wirklich punkten kann".

"Wir öffnen damit neue Horizonte. Nicht nur für unsere Kunden, sondern auch für uns selbst", sagte Lufthansa-Vorstandsmitglied Harry Hohmeister und nannte die stärkere Kooperation auf der Schiene "bemerkenswert". Bahn und Lufthansa seien keine Wettbewerber mehr: "Es gibt kein 'entweder oder'."

Bei guten Angeboten der Bahn könnten Flugverbindungen wegfallen, sagte Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister. Das habe man in der Vergangenheit bei Köln, Dortmund oder Paderborn gesehen. Grundsätzlich gehe es aber darum, beide Verkehrsangebote zu optimieren. Hohmeister sagte: "Sowohl Flug als auch Bahn können nebeneinander existieren. Aber es wird dann natürlich weniger Flug geben - kleinere Flugzeuge, weniger Frequenzen, das wird einige Destinationen in Deutschland betreffen."

"Wir beide zusammen müssen wettbewerbsfähiger werden als andere", sagte Huber. Demnach wollen die Konzerne ihren Kunden eine "durchgängige, komfortable Reisekette" zum Flughafen in Frankfurt und von dort aus in die Welt bieten. Die stärkere Vernetzung der Verkehrsträger in Deutschland nutze "Verbrauchern, Kunden und der Umwelt" und solle ein Beispiel für ganz Europa sein.

Huber verwies darauf, dass Frankfurt nicht nur für die Lufthansa, sondern durch den unmittelbar neben dem Flughafen gelegenen Fernbahnhof auch für die Bahn der wichtigste Knotenpunkt im Fernverkehr sei. Daher zielen die beiden Konzerne mit einer Reihe neuer sowie schnellerer Verbindungen auf ebendiesen Verkehrsknoten ab.

Zum einen wird das bestehende Netz der "Lufthansa Express Rail" getauften Zugverbindungen für Lufthansa-Kunden, die mit dem ICE aus bislang 17 Städten zum Frankfurter Flughafen reisen wollen, um fünf Städte erweitert.

Ab Juli können die Fluggäste erstmalig auch von Hamburg und München in dem Exklusivprogramm einschließlich besonderer Angebote wie vorreservierter Sitzplätze und Meilengutschrift in Richtung Frankfurt fahren, wie die Konzerne mitteilten. Im Dezember folgen demnach Berlin, Bremen und Münster.

"Ab April 2021 werden die Zubringerzüge so lange buchbar sein wie der dazugehörige Anschlussflug", teilte die Bahn weiter mit. Im Lufthansa Express Rail haben die Passagiere nur ein Ticket für Bahn und Flug, werden bei Verspätungen automatisch auf die nächsten Flüge umgebucht und genießen je nach Status bei beiden Partnern Annehmlichkeiten wie Lounges und Services. Am Flughafen sollen sie schnell durch die Kontrollen geschleust werden.

Aufgabegepäck bleibt problematisch

Sobald das Passagieraufkommen am Flughafen nach der Corona-Krise wieder zunehme, würden die gemeinsamen Kunden bei Sicherheitskontrolle und Gepäckabwicklung vorgezogen. Dennoch bleibt das Gepäck ein Problem. Versuche der Gepäckannahme bereits an den Ausgangsbahnhöfen hatten sich in der Vergangenheit als zu komplex und zu teuer erwiesen. So fehlt es an den Bahnhöfen insbesondere an Gepäckscannern. Die Bahn will in den angekündigten "Super-Sprintern" zumindest Wagen mit besonders großen Gepäckablagen einsetzen und die Lufthansa das Gepäck von Bahnkunden priorisiert aus dem Flugzeug ausladen. "Wir arbeiten weiter an dem Thema", sagte eine Sprecherin der Lufthansa.

Zum anderen kündigte die Bahn an, zum Fahrplanwechsel im Dezember neue "extraschnelle Sprinter-Züge" mit weniger Zwischenhalten auf hoch frequentierten Fernverkehrsstrecken zum oder über den Frankfurter Airport einzusetzen. Geplant ist demnach eine neue ICE-Verbindung von Hamburg über Hannover bis zum Flughafen in drei Stunden 45 Minuten. Laut Huber sollen die Züge die Abflug- und Ankunftszeiten in Frankfurt für die Kunden so "optimal treffen", dass Umstiegszeiten soweit wie möglich reduziert werden.

Auch die bestehende Linie zwischen dem Rheinland und München ist betroffen: Von Düsseldorf über Köln, Frankfurt und Nürnberg nach München soll sich die Reisezeit mit dem Super-Sprinter insgesamt um 30 Minuten auf vier Stunden und 20 Minuten verkürzen. Die Anreise zum Frankfurter Flughafen aus Nürnberg soll so unter zwei Stunden machbar sein - Aber auch Fernreisen zwischen München und Köln in weniger als vier Stunden.

Außerdem ist von Bonn aus eine weitere Sprinter-Verbindung über Köln und dann ohne Zwischenhalt nach Berlin geplant - dreimal täglich; Reisezeit insgesamt: Vier Stunden 25 Minuten. Die DB will also nicht nur als klimafreundlicher Lufthansa-Zubringer fungieren, sondern auch insgesamt zunehmend Inlandsflüge ersetzen.

München ist nicht vernünftig angebunden

Einige innerdeutsche Flüge von oder nach Frankfurt will die Lufthansa auch nach vollständiger Überwindung der Corona-Krise nicht wieder ins Programm nehmen. "Kleinere Flugzeuge, weniger Frequenzen, das wird einige Destinationen in Deutschland künftig betreffen", weil hier die Bahn eine gute Alternative sei, sagte Hohmeister.

Auch für ihr zweites Drehkreuz München arbeite die Lufthansa an entsprechenden Angeboten mit der Bahn. Doch die Anbindung ist nicht so gut wie in Frankfurt. "München ist auf unserer Agenda. Nur im Moment können wir noch keine kurzfristige Lösung dafür anbieten", sagte Hohmeister. Laut Bahn-Vorstand Berthold Huber ist die Anbindung Münchens aber noch nicht einmal im Bundesverkehrswegeplan enthalten.

Die Lufthansa hat in der Vergangenheit Ultrakurzflüge wie Nürnberg-München oder Nürnberg-Frankfurt mit dem Argument verteidigt, dass man Umsteigern keine langen Bahnreisezeiten zumuten könne und sie zudem nicht an andere Drehkreuze und damit an andere Fluggesellschaften verlieren wolle. Schließlich können Passagiere, die den kompletten Reiseweg mit dem Flugzeug zurücklegen wollen, immer auch über ausländische Drehkreuze wie Paris, Amsterdam oder Istanbul fliegen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte in der vergangenen Woche bei der Bilanzvorlage darauf hingewiesen, dass beim französischen Verbot von Inlandsflügen Umsteigeverkehre stets ausgenommen sind.

Der Umweltverband BUND begrüßte die engere Kooperation der beiden Verkehrsträger. "Das Heben von bestehenden Potenzialen zur Vermeidung von Kurzstreckenflügen ist überfällig. Jetzt müssen gezielte Investitionen in die Beseitigung von Engstellen, den Ausbau von Bahnknotenpunkten, den Bau von Überholgleisen und den Anschluss des Flughafens München getätigt werden", forderte BUND-Mobilitätsexperte Jens Hilgenberg. Bis 2030 müssten Kurzstreckenflüge einschließlich der Zubringer komplett auf die Schiene verlagert werden.

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