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So werde ich Pilot Der Weg über eine Airline

Der klassische Weg ins Cockpit eines Verkehrsflugzeugs führt direkt über eine Airline. Die Vorteile für Bewerber liegen auf der Hand: In der Regel übernehmen die Fluggesellschaften zumindest einen Teil der Ausbildungskosten. Zudem winkt für die Absolventen oft sofort ein Arbeitsplatz.

Piloten im Cockpit eines Airbus A321 © dpa / Roland Weihrauch

Allerdings verpflichten sich Absolventen im Gegenzug in der Regel, mehrere Jahre lang für die Fluggesellschaft zu fliegen. Mit der Einführung der neuen MPL-Lizenz durchlaufen die Absolventen zudem eine speziell auf die jeweilige Fluggesellschaft abgestimmte Ausbildung.

Voraussetzungen

  • Alter: 18 bis 29 Jahre (Lufthansa)/19 bis 35 Jahre (Air Berlin)
  • Sehvermögen: +/- 3 Dioptrien
  • Allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife (Lufthansa)/Fachhochschulreife (Air Berlin)
  • Sehr gute Deutsch- und Englischkenntnisse in Wort und Schrift
  • Fliegerärtliche Untersuchung Medical Klasse 1

Ausbildungsablauf

Im Gegensatz zur modularen Ausbildung über eine private Flugschule ist der Weg über eine Fluggesellschaft schulähnlich strukturiert. Die Flugschüler werden direkt von der Airline bzw. einer Flugschule im Auftrag der Fluggesellschaft betreut. Anders als in der Privatausbildung ist das Type Rating in die Ausbildung integriert.

Die Ausbildungsinhalte richten sich generell nach den gesetzlichen Vorgaben (vgl. Tabelle Weg über Flugschule), sind im Detail aber schon auf die ausbildende Fluggesellschaft abgestimmt. Anders als bei der privaten modularen Ausbildung erwerben die Flugschüler in der Regel auch nicht alle Zwischenlizenzen wie beim schrittweise privat organisierten Weg zum ATPL.

Fluggesellschaften wie Lufthansa oder Air Berlin führen heute zudem die neuen MPL-( Multi Crew Pilot Licence) Schulungen durch. Dabei ist der Lehrplan in wesentlichen Teilen bereits speziell auf die Bedürfnisse eines späteren Airlinepiloten und im Detail bereits auf die ausbildende Fluggesellschaft abgestimmt.

MPL-Inhaber erwerben im Laufe der Ausbildung auch keine Zwischenlizenzen wie den PPL oder CPL. Anders als bei einem ATPL ist zudem der Wechsel des Arbeitgebers nicht ohne Umschulungen möglich.

ATPL-Ausbildung MPL-Ausbildung
Durchgehende Ausbildung
Basisausbildung Basisausbildung (MPL Core Phase)
Theorie Theorie
Grundausbildung Sichtflug
Praxis Praxis
Grundausbildung Instrumentenflug
Theorie & Praxis Theorie & Praxis
Einführung IFR Einführung Multicrew (MPL Basic Phase)
Praxis Praxis FNPT II, MCC
Verkehrspiloten Theorie
Theorie & Praxis Theorie & Praxis
  Initial Conversion Course
Theorie & Praxis
Erwerb des ATPL
18-24 Monate
60.000 - 120.000 EUR

In der Regel wird die Ausbildung von der Fluggesellschaft vorfinanziert. Ein Teil der Summe wird komplett von der Airline getragen und ein Eigenanteil vom Flugschüler. Allerdings verpflichten sich Absolventen im Gegenzug in der Regel, mehrere Jahre lang für die Fluggesellschaft zu fliegen.

Der Eignungstest

Die Eignungstests für künftige Piloten der Lufthansa, Lufthansa CityLine, Austrian Airlines, Eurowings, TUIfly sowie für etliche ausländische Airlines werden vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Hamburg („DLR-Test“) durchgeführt. Air Berlin lässt seine Bewerber bei Interpersonal ebenfalls in Hamburg testen. Andere Fluggesellschaften oder auch die Bundeswehr haben eigene Tests entwickelt.

In der Regel müssen Bewerber einen generellen Eignungstest sowie eine Firmenqualifikation (Einstellungstest) durchlaufen. Abschließend erfolgt ein Einzelgespräch. Die Einstellungstests können nicht wiederholt werden.

Beim generellen Eignungstest werden unter anderem die Geschicklichkeit und Reaktionsschnelligkeit überprüft sowie das mathematische, physikalisch-technische und allgemeine Wissen sowie die Englischkenntnisse getestet. Zusätzlich gibt es noch Tests, bei denen die Fähigkeit zur Mehrfachbelastung überprüft wird.

Nach erfolgreich bestandenem Eignungstest ist der nächste Schritt die Firmenqualifikation. Hierbei werden beispielsweise Konfliktfähigkeit und das Verhalten in Einzel- und Gruppendiskussionen sowie die Teamfähigkeit der Bewerber getestet. Des Weiteren werden bei der DLR beispielsweise Auffassungsgabe, Geschicklichkeit sowie die Belastbarkeit im Zuge eines Simulatorfluges geprüft.

Vorbereitungskurse

Die Eignungs- und Einstellungstests haben den Ruf, extrem anspruchsvoll zu sein. Angeblich sollen nur rund fünf Prozent der Bewerber die Auswahltests bestehen. Die Fluggesellschaften betonen dagegen immer wieder, keine „Überflieger“ zu suchen. Was zählt, ist ein allgemein gutes Abschneiden, weniger eine schon fast unnatürliche Perfektion in allen Bereichen.

Es gilt als unbestritten, dass wesentliche Bereiche der Eignungstests mit gezieltem Training gut präpariert werden können. Sowohl das DLR als auch Interpersonal bieten daher für ihre Probanden jeweils kostenlose Computer-Programme zur Testvorbereitung an.

Da der Eignungstest und die Firmenqualifikation dennoch die größten Hürden für einen erfolgreichen Einstieg bei einer großen Airline sind, hat sich um die Vorbereitung auf diese Assessment-Center eine eigene „Vorbereitungs-Industrie“ entwickelt.

Größere und kleinere Schulungsanbieter bieten für meist hohe Gebühren Vorbereitungskurse schwankender Qualität an. Meist bieten die Vorbereitungskurse neben zahlreichen Variationen von Rechenaufgaben, Übungen und Tests in der Regel auch nicht viel mehr außer dem guten Gefühl, „alles mögliche“ getan zu haben.

Es kursieren Zahlen im Internet, wonach sich von den erfolgreichen fünf Prozent der Bewerber rund zwei Drittel über Schulungsanbieter vorbereitet hat. Die Anbieter werten dies als Erfolg, allerdings gibt es keine Zahlen, wie hoch der Prozentsatz der „professionell vorbereiteten Durchfaller“ ist bzw. wie viele ambitionierte Bewerber nach den Vorbereitungskursen gar nicht erst zu den Einstellungstests gehen.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang aber auch der Hinweis, dass Piloten in ihrem Leben ständig Neues lernen müssen. Die Tests dienen daher nicht nur den Airlines als Maßstab. Wer mit der Vorbereitung auf die Tests große Schwierigkeiten hat, sollte vielleicht doch einen anderen Beruf anstreben und besser kein Vermögen in Vorbereitung, Lizenzen und deren Aufrechterhaltung investieren.

Sofern Sie sich also für einen Vorbereitungskurs entscheiden, achten Sie bitte bei der Auswahl auch auf Ihren „gesunden Menschenverstand“.Verlassen Sie sich auch nicht auf Anbieter, die ein Bestehen von Eignungstests garantieren. Diese Garantien sind in der Regel an das Bestehen umfangreicher interner Tests gebunden, die viel teure Schulungszeit verschlingen.

Mehr zum Thema Pilotenausbildung:

Der Weg über eine private Flugschule bietet Flexibilität bei der Ausbildung und bei den Möglichkeiten im späteren Arbeitsleben. Neben durchgehend organisierten Ausbildungsgängen bestehen auch Möglichkeiten für Quereinsteiger. Mehr zum Weg über eine Flugschule.

Die Bundeswehr ist der günstigste, aber gleichzeitig auch der wohl anspruchsvollste Weg zur Pilotenlizenz. Erst nach der Dienstverpflichtung ist ein ziviles Arbeitsleben bei einer Fluggesellschaft möglich. Mehr zum Thema Pilotenausbildung bei der Bundeswehr.

Die möglichen Verdienstaussichten als Pilot bei diversen Fluggesellschaften haben wir im Artikel Das verdienen Lufthansa-Piloten - Bestverdiener im Cockpit genauer betrachtet.

Von: airliners.de, <a href="http://www.cockpit4u.com">Cockpit4U</a>

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