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© Fotos: BMVI, privat; Montage: airliners.de

Wie gebannt schaute die Branche auf den vergangenen Freitag: Gipfeltreffen Luftverkehr - oder wie es die federführenden Akteure nennen: "Fortschrittstreiber Luftfahrt: Ein Schwerpunkt der deutschen Verkehrspolitik."

Und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) machte gleich viel Druck. "Ich werde nicht akzeptieren", betonte Scheuer, "dass es nochmals zu einer derartigen Anhäufung von technischen Problemen, Verspätungen und Abfertigungsproblemen kommt." Puh, die Eintrittswahrscheinlichkeit dieser kräftigen Aussage dürfte irgendwo zwischen Pofallas "Die NSA-Spähaffäre ist beendet" und Merkels "Wir schaffen das" liegen.

Scheuer legte dann noch nach: "Wir können Luftverkehr und wollen das unter Beweis stellen." Dazu könnte man noch spotten: "Wir können auch Flughäfen bauen …" Aber dass wir Luftverkehr "können“, hat doch auch niemand bezweifelt. Wir "können", aber leider haben wir es dieses Jahr nicht gut genug gemacht.

Andys Phrasengipfel

Also der Gipfel tagte, und hat das Ergebnis unter dieser Headline zusammengefasst: Gemeinsame Erklärung zum hochrangigen (wie selbstverliebt ist denn dieser Ausdruck) Treffen: "Fortschrittstreiber Luftfahrt: Ein Schwerpunkt der deutschen Verkehrspolitik."

Aber zu Ehren Scheuers muss man sagen, dass er der erste Verkehrsminister seit einem Jahrzehnt ist, der sich zur Luftfahrt bekennt. Nur leider ist die Abschlusserklärung eine Ansammlung heißer Luft. Selbstverständliches und auf absehbare Zeit nicht Umsetzbares wird durcheinandergewirbelt.

© BMVI, Lesen Sie auch: Das sind die Reaktionen auf die Beschlüsse des Gipfels

Konkreter wäre gewesen, die Airlines hätten erklärt: "Wir wollten nach der Insolvenz von Air Berlin zu schnell zu viele Slots 'fressen'. Da das nicht so schnell ging wie wir wollten, haben wir kräftig getrickst, zu Lasten unserer Kunden. Großes Indianer Ehrenwort, machen wir nie wieder."

Dienstleistungen ausgelagert

Und danach alle zusammen: "Grundsätzlicher Webfehler im modernen Flugverkehr ist ja, dass überall, wo es für die Kunden wichtig ist, Subunternehmen eingesetzt werden. Sowohl bei Check-In die Dienstleister im Auftrag der Airlines, wie auch bei der Sicherheitskontrolle Dienstleister im Auftrag der Bundespolizei." Diese Dienstleister bekommen wenig Geld von ihren Auftraggebern, versuchen aber trotzdem eigene Gewinnziele zu erreichen. Würde man das in Angriff nehmen, hätte man sich einen Großteil der Punkte auf der Erklärung sparen können.

Um die Analyse im Einzelnen abzukürzen, hier die Best-of-Liste in der Erklärung:

  • "Bei den Fluglotsen sollen durch freiwillige Überstundenregelung zusätzliche Kapazität geschaffen werden." Das klingt aber verdächtig nach Bundesgesundheitsminister Spahn, der kürzlich gesagt hat, wenn die Menschen in der Pflege nur drei bis vier Stunden mehr arbeiten würden, wäre ein Teil des Personalproblems gelöst.
  • "Das Flughafenpersonal und das der Bodenverkehrsdienstleister wird in Spitzenzeiten verstärkt, durch 'anreizbasierte' Dienstplangestaltung." Ich erinnere mich, dass der Dienstleister Kötter in Düsseldorf schon mal überrascht war, dass so plötzlich Mehrverkehr durch Ferienbeginn war ... Andererseits könnte jeder Bodenverkehrsdienstleister schon heute organisieren, wenn ein Flug nachts mit vier Stunden Verspätung ankommt, dass man Busse und/oder Hotelzimmer braucht. Aber wer vergütet den zusätzlichen Einsatz?
  • "Bei den Sicherheitskontrollen werden - wo erforderlich - zusätzliche Flächen bereitgestellt." Ich habe noch nie gesehen, dass es an Platz für zusätzliche Sicherheitskontrollen fehlt, sondern nur, dass einige Kontrollstellen nicht besetzt sind. Vollkommen unabhängig wie lange die Warteschlange ist.
  • "Wir setzen auf Innovationsstrategie bei der Passagier-Kontrolltechnik." Worthülse. Ich wundere mich, dass die Teilnehmer hier ernst geblieben sind.
  • "Die Bundesregierung wird sich weiterhin dafür einsetzen, Kurzstrecken und Zubringerflüge auf die Schienen zu verlagern." Und wie bitte schön? Ein Minimum von konkret wäre hilfreich, sonst kann man diesen Satz nicht ernstnehmen. Abgesehen von "auf die Schiene verlagern"? Von einem Problemverkehrsträger auf einen anderen?
  • Ganz übel ist der Abschnitt Fluggesellschaften. Mein erster Gedanke: "Die Sendung mit der Maus" erklärt Flugverkehr. Mein zweiter Gedanke: Wie erklärt Lufthansa-Boss Spohr seinen Mitarbeitern, dass hier der große Fortschritt im Flugverkehr niedergeschrieben ist.
    • Beispiel: "Zeitkritische Flüge werden von den Fluggesellschaften stärker überwacht, verspätete Flüge werden 'nach Möglichkeit' schneller durchgeführt und der Turnaround am Flughafen beschleunigt."
    • Noch so ein Beispiel: "Verspätungsanfällige Flüge werden durch kurz- und langfristigen Abgleich des Flugplans mit den Ist-Werten ermittelt, um dann gegebenenfalls einen Teil der Flugrotation herauszulösen und die Übernahme des Flugs durch ein anderes Flugzeug zu ermöglichen."
  • Und da bin ich gespannt wie lange dieser Vorschlag hält: "Fluggesellschaften prüfen und nutzen die Möglichkeit, für den Verzicht auf Entladung von unbeabsichtigt unbegleitetem Gepäck um Verspätung wegen Entladung zu vermeiden." Merke - und mehr möchte ich aus Sicherheitssicht nicht dazu sagen: Überall, wo durch unterschiedliche "Interpretation" betrogen werden kann, wird es einen geben, der das macht.

Als besonderer Spaßvogel erwies sich dabei Hamburgs Regierender Bürgermeister Peter Tschentscher, der nach dem Treffen fast kokettierend sagte, "es werde jetzt nicht so sein, dass wir ab morgen keine Verspätungen mehr haben". Entschuldigung, kein vernünftiger Mensch wird diese Forderung stellen.

Letzte Bemerkung: Wenn Herr Scheuer den Vorschlag eines Folgetreffens für März 2019 ankündigt, dann lege ich mir das schon mal auf Wiedervorlage. Ich schätze die dann folgende Erklärung wird sehr ähnlich aussehen …

Schade, liebe "hochrangige" Gipfelteilnehmer: Chance vertan.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

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