Interview "Ende Herbst wird es voraussichtlich einen genauen BER-Eröffnungstermin geben"

BER-Chef Lütke Daldrup spricht im airliners.de-Interview über den aktuellen Stand der geplanten BER-Eröffnung sowie die Probleme bei der Verteilung der Airlines am neuen Flughafen und zieht Bilanz zum aktuellen Sommer.

Berlins Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup im Gespräch. © Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

In etwas über einem Jahr soll der neue Berliner Flughafen eröffnen. airliners.de hat mit Berlins Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup über den aktuellen Stand am BER gesprochen. So laufen die Tüv-Prüfungen im Mainpier Mitte nun an. Einen konkreten Eröffnungstermin will der Airportchef nun Ende Herbst bekanntgeben. Zudem zieht Lütke Daldrup eine positive Sommerbilanz und erläutert konkrete Maßnahmen, die einen Verspätungssommer wie im vergangenen Jahr verhinderten.

airliners.de: Fluggesellschaften brauchen Planungssicherheit. Wann müssen Sie die Airlines spätestens über das konkrete Eröffnungsdatum informieren?
Engelbert Lütke Daldrup: Wir arbeiten bereits seit Monaten intensiv mit den Airlines zusammen. Deren Planungssicherheit ist gegeben. Der konkrete Eröffnungstermin wird das Ergebnis der umfangreichen Vorbereitungs- und Umzugsplanungen sein, die jetzt gerade auf Hochtouren laufen. Zum Ende des Herbstes wird es voraussichtlich einen genauen Eröffnungstermin geben.

Wie weit sind Sie mit der Aufteilung der Airlines auf den BER?
Die ist nahezu abgeschlossen. Ende September wird die Alllokation Thema im Aufsichtsrat sein. Die Geschäftsführung wird dort die Verteilung aller Airlines auf die Terminals vorlegen.

Nach unseren Informationen regt sich bei den Airlines Unmut über die Verteilung, insbesondere bei denen, die ins alte SXF-Terminal sollen. Stimmt es, dass die Airline Allokation ohne vorherige Beteiligung der Airlines durchgeführt wurde?
Wir sind mit allen Airlines im Gespräch und suchen nach der bestmöglichen Lösung für alle, unter Beachtung unserer transparenten und diskriminierungsfreien Allokationskriterien. Am Ende geht es uns um optimale Prozesse und möglichst reibungslose Abläufe der Operation. Dabei sind alle drei Terminals, T1 und T2 im Midfield und T5 in Schönefeld, zu berücksichtigen. Die Wünsche der Airlines sind dabei ein wichtiges Kriterium – aber eben längst nicht das einzige.

Wie groß werden die Unterschiede zwischen den Entgelten am BER-Terminal und denen am altem SXF-Terminal sein?
Die Entgelt-Unterschiede zwischen dem BER und dem alten SXF-Terminal werden nicht gravierend sein. Wir aktualisieren dazu gerade die bestehende Entgeltordnung. Details dazu werden noch in diesem Monat vorgestellt.

Der TÜV Rheinland prüft derzeit die Brandschutz- und Sicherheitsanlagen im neuen Terminal T1. Wie viele Tests sind denn schon beendet?
Insgesamt werden bei den sogenannten Wirk-Prinzip-Prüfungen rund 300 Szenarien geprüft. Dabei kommen wir gut voran. Über die Hälfte sind bereits positiv getestet. Einige schwierige Tests wie der zur Sicherstellung der Stromversorgung des Gebäudes im Falle eines Blackouts sind auch schon gut gelaufen. Für eine qualifizierte Bilanz ist es aber noch zu früh.

Welche Gebäudeteile hat der Tüv bereits getestet?
Die Prüfungen am Main Pier Süd und am Main Pier Nord sind abgeschlossen. Jetzt geht es mit dem Main Pier Mitte weiter.

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Engelbert Lütke Daldrup (62) war etwa 25 Jahre lang Verwaltungsbeamter in Berlin und Leipzig, bevor Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) ihn im März als Geschäftsführer der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH durchsetzte. Zuletzt hatte Lütke Daldrup als Staatssekretär im Roten Rathaus Müllers Flughafenpolitik koordiniert. Der verheiratete Westfale ist von Hause aus nicht Maschinenbauer wie seine Vorgänger Hartmut Mehdorn und Karsten Mühlenfeld, sondern gelernter Stadtplaner.

Aktuell kämpfen Sie noch mit den alten Flughäfen Tegel und Schönefeld. Den Ansturm während der Sommerferien haben die Berliner Flughäfen in diesem Jahr offensichtlich besser bewältigt als im vergangenen Jahr. Was hat den Ausschlag gegeben?
Wir haben unsere Schlüsse aus dem Sommer im letzten Jahr gezogen und waren gut vorbereitet. Allein während der Sommerferien wurden in Schönefeld und Tegel rund fünf Millionen Passagiere abgefertigt. Wir haben sie alle ohne größere Probleme gut in den Urlaub gebracht, auch an den vielen heißen Tagen. Alle Beteiligten, sowohl von der Flughafengesellschaft als auch von den Airlines und ihren Dienstleistern, haben sehr gut zusammengearbeitet.

Welche konkreten Maßnahmen hat die Flughafengesellschaft ergriffen, um Flugausfälle und Verspätungen zu vermeiden?
Wir haben insbesondere die Bodenverkehrsdienstleister mit zusätzlichen Mitarbeitern und zusätzlicher Technik unterstützt. Das betraf vor allem den Flughafen Tegel, der im Schnitt mit täglich 74.300 Passagieren den größten Ansturm bewältigen musste. Wir haben einen zusätzlichen Dienstleister verpflichtet, der besonders in den Nachmittags- und Abendstunden, in denen erfahrungsgemäß viel los ist, mit Personal und Technik aushalf. So erhielten wir Unterstützung bei der Annahme und dem Einweisen von Flugzeugen, beim Anstellen von Fluggasttreppen oder bei der Gepäckausgabe und haben auf diese Weise den einen oder anderen Engpass beseitigt, bevor er zu einem Problem für die Abläufe werden konnte.

Wie haben die Airlines den Flughafen unterstützt?
Große Ferienflieger wie Easyjet und Ryanair hatten Reserveflugzeuge vor Ort, einschließlich der dazugehörigen Crews, die sofort verfügbar waren. So mussten Passagiere nicht stundenlang warten, wenn eine Maschine ausfiel oder sich wesentlich verspätete. Außerdem waren die Check-ins stets früh besetzt.

Es gab dennoch Fälle, in denen Passagiere sehr lange auf ihr Gepäck warten mussten, weil zum Beispiel Loader fehlten. Kann die FBB den Airlines nicht Vorgaben für mehr Personal und technische Ausrüstung machen, damit die Abfertigung nicht leidet?
Trotz aller Bemühungen werden sich Verzögerungen unter den gegebenen Bedingungen nicht immer vermeiden lassen. Wir sind regelmäßig mit den Bodenverkehrsdienstleistern im Gespräch, um die Qualität bei der Abfertigung zu verbessern. Die Ergebnisse werden kontinuierlich überprüft, ausgewertet und veröffentlicht. Dabei geht es etwa um das rechtzeitige Andocken von Fluggasttreppen, die rechtzeitige Be- und Entladung oder den korrekten Umgang mit dem Gepäck.

Wie pünktlich waren die Maschinen während der Ferien?
Etwa 35 Prozent der Flüge starteten ab Berlin verspätet. Das war nicht gut, aber sicher auch nicht schlechter als an den anderen großen deutschen Flughäfen. Inzwischen haben wir aufgeholt, und 80 Prozent unserer Flüge sind pünktlich. Das ist ein guter Wert.

Welche Gründe gab es für die Verspätungen?
Die Flughäfen Schönefeld und Tegel haben während der Ferien an Spitzentagen mehr als 130.000 Passagiere abgefertigt. Allein in Tegel starteten und landeten im Juli fast 2,26 Millionen Passagiere, 5,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Mehr Fluggäste bedeuten auch mehr Andrang an den Sicherheitskontrollen und vollere Terminals. Da kann die Abfertigung länger dauern.
Hinzu kommt, dass es am Himmel sehr voll ist. Der Sommerflugplan bedeutet Hochsaison für die Branche. Der Luftraum ist ein Engpass, die Kapazitäten sind erschöpft. Zudem fehlen noch für viele Jahre Fluglotsen im deutschen Flugraum, die Deutsche Flugsicherung kommt mit der Ausbildung von Nachwuchs kaum nach. Das wirkt sich aus. Maschinen kommen mit Verspätung an und können diese im Laufe eines Tages dann nicht mehr aufholen. Flugpläne geraten durcheinander. Und denken Sie an die Unwetter in diesen Sommer. Bei Gewitter dürfen Flugzeuge nicht be- oder entladen werden, da kommt der Flugbetrieb zum Erliegen. Solche Verzögerungen sind nicht zu planen.

© Lufthansa Group, Lesen Sie auch: Lufthansa nimmt Gepäckaufgabe-Automaten in Berlin-Tegel in Betrieb

Die nächste Reisewelle naht. Anfang Oktober beginnen die Herbstferien. Welche Maßnahmen planen Sie da?
Wir werden bis Ende Oktober weiterhin so verfahren wie im Sommer. Da sind die Ferien mit abgedeckt. Wegen zahlreicher Messen und Events wie der Ifa und dem Berlin-Marathon wird es bereits im September wieder deutlich voller.

Viele Fluggesellschaften setzen inzwischen auf "Self-Bag-Drop". Das heißt, Fluggäste können eigenständig ihr Gepäck aufgeben und einchecken. Wie viele solcher Möglichkeiten gibt es inzwischen in Tegel und Schönefeld?
Bisher gibt es 35 Self-Service-Kioske und 17 Gepäckautomaten an den Berliner Flughäfen, die von Easyjet-Passagieren genutzt werden können. Davon stehen 17 Self-Service-Kioske und neun Gepäckaufgabeautomaten in Tegel, 18 Self-Service-Kioske und acht Gepäckaufgabeautomaten in Schönefeld. Zudem betreibt die Lufthansa Self-Service-Kioske im Terminal B in Tegel. Auch diese Angebote haben wesentlich mit dazu beigetragen, dass es im Sommer besser lief. Mit weiteren Fluggesellschaften führen wir Gespräche.

Von: br

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