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Interview "Der BER wird eine zentrale Rolle im europäischen Easyjet-Netzwerk spielen"

Easyjet ist der wichtigste Kunde der Berliner Flughafengesellschaft. Nach Anlaufverlusten wird die Basis in der Hauptstadt im Zuge von Corona deutlich verkleinert. Ein Gespräch mit Stephan Erler, Deutschland-Chef von Easyjet zur BER-Eröffnung.

Flugzeuge der Easyjet parken am Flughafen BER. © Flughafen Berlin Brandenburg GmbH / Günter Wicker

Die Eröffnung des neuen Flughafens BER ist für den 31. Oktober geplant. Gegen 14 Uhr sollen Maschinen mit den Chefs der beiden wichtigsten Airline-Kunden Easyjet und Lufthansa gleichzeitig landen. Sie werden dann von einer Berliner Delegation empfangen - die einzige offizielle Feierlichkeit zur rund neun Jahre verzögerten Flughafeneröffnung. Denn viel zu feiern gibt es derzeit nirgends. Wir haben Easyjet-Deutschland-Chef Stephan Erler zu den Plänen in Berlin befragt.

airliners.de: Freuen Sie sich auf die BER-Eröffnung?

Stephan Erler: Oh ja, sehr. Wir sind stolz darauf, als erste Airline vom BER fliegen zu können. Zur offiziellen Eröffnung am 31.10. führen wir einen Parallelflug mit der Lufthansa durch und landen mit einem Airbus A320 Neo erstmalig am Flughafen Berlin Brandenburg "Willy Brandt". Am 1.11. starten wir als erste von allen Airlines um 6:45 Uhr nach London Gatwick.

Welche Rolle wird der neue Hauptstadtflughafen in den Easyjet-Planungen zukünftig spielen?

Deutschland und Berlin sind ein strategisch wichtiger Teil unseres Netzwerks und der neue Hauptstadtflughafen BER wird daher eine zentrale Rolle in unserem europäischen Netzwerk spielen.

Über den Interviewpartner

Stephan Erler ist seit dem 1. März 2019 Deutschland-Chef von Easyjet. Er arbeitete bereits von 2010 bis 2012 für Easyjet und verantwortete damals das deutsche Routenportfolio. Zwischenzeitlich war Erler unter anderem für Air New Zealand tätig.

Seit der Übernahme der Air-Berlin-Angebote hat Easyjet in Berlin aber nur Verluste eingeflogen...

Auch wenn wir bei unseren Investitionen in Berlin Fortschritte verzeichnen können, bleiben die Herausforderungen bestehen, die Berlin bislang daran gehindert haben, innerhalb des Netzwerkes wirtschaftlich mit anderen Basen gleichzuziehen. Covid-19 hat dieses Problem zusätzlich noch verschärft und unsere Maßgabe ist es daher, die wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens und auch Arbeitsplätze langfristig sicherzustellen.

Das heißt also Schrumpfkur in Berlin. Wie viele Mitarbeiter müssen gehen?

Nach einer umfassenden Bewertung der derzeit schwierigen Marktsituation und mit der Maßgabe, profitabel fliegen zu müssen, haben wir im Verlauf des Sommers mit unserer Berliner Personalvertretung (PV) für Kabinenbesatzung und Piloten Konsultationen zur Reduzierung von Flugzeugen und damit zusammenhängenden Arbeitsplätzen aufgenommen. Darüber hinaus sind wir auch mit der Gewerkschaft Verdi in Gesprächen. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns zurzeit nicht weiter äußern dazu können.

© AirTeamImages.com, Matthieu Douhaire Lesen Sie auch: Easyjet halbiert Berliner Basis und streicht innerdeutsche Routen

Wagen Sie denn eine Verkehrsprognose für die kommenden Monate?

Basierend auf den derzeitigen Reisebeschränkungen gehen wir davon aus, dass wir im ersten Quartal unseres Finanzjahres 2021 (Oktober bis Dezember, Anm. d. Redaktion) etwa 25 Prozent der geplanten Kapazität fliegen werden, behalten uns aber die Flexibilität vor, die Kapazität schnell hochzufahren, wenn wir einen Anstieg der Nachfrage sehen und die Frühbucherzahlen für den Sommer 2021 mit denen der Vorjahre übereinstimmen.

In welchen Geschäftssegmenten erwarten Sie denn die schnellste Erholung?

Die Corona-Pandemie ist eine einschneidende Herausforderung, auf die wir zurzeit flexibel mit unserem Flugplan reagieren und diesen entsprechend der Nachfrage ausrichten. Wir gehen davon aus, dass sich der touristische Flugverkehr schneller wieder erholen wird als die Geschäftsreisen. Unabhängig davon sind wir überzeugt, dass es auch in Zukunft viele Gründe für berufliches Reisen geben wird und die Nachfrage wieder steigen wird. Unsere Preise bleiben weiterhin nachfrageorientiert.

Vielen Dank für das Gespräch.

Von: br

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