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Vor-Ort-Bericht Der Bahnhof des BER Terminal 1 hat nicht genug Kapazität für Störungen

Der FEX schaffte teils 25 Minuten Verspätung auf 30 Minuten Fahrzeit und der Airport Express RE7 wurde ohne Vorwarnung zum Terminal 5 umgeleitet. Wie befürchtet zeigten kleine Störungen am Sonntag, wie mangelhaft die Bahninfrastruktur am BER ist.

Ein Flughafen-Express FEX wartet am Bahnhof des BER Terminal 1. Zugzielanzeiger sind vom mittleren Wartebereich aus nicht sichtbar. © airliners.de / Andreas Sebayang

Am offiziellen Eröffnungstag am Samstag wurde der neue Berliner Flughafen-Bahnhof noch über alle Maßen gelobt und gar als Besonderheit in Europa eingeordnet, auch weil er sich direkt unter dem Terminal befindet. Zürich oder auch Amsterdam, um einige wenige zu nennen, bieten aber Ähnliches.

Einmalig ist der Bahnhof nach diesem Sonntag allerdings tatsächlich und das liegt an der mangelhaften Infrastruktur. Welch Herausforderung ein flüssiger Verkehr wird, hat airliners.de bereits zuvor ausführlich analysiert. Es braucht japanische Pünktlichkeit, um diese knappe Infrastruktur zu beherrschen. Am Sonntag überraschte allerdings, dass die Praxis schwieriger sein kann als die Szenarien, die zuvor nur theoretisch durchgespielt wurden. Im Zweifel verpassen Fluggäste ihren Flug, wenn die Bahn in den Fahrplan des Regionalverkehrs eingreifen muss. Das passierte wohlgemerkt an einem Tag ohne Berufsverkehr.

VBB, Lesen Sie auch: ÖPNV am BER: Flughafenexpress-Frühstart und ein neuer Busbahnhof Analyse

Aber der Reihe nach. Alles fing mit der Fahrt vom Zoo Richtung BER Terminal 1/2 an. Geplant war eine Testfahrt mit einem bewusst knapp kalkulierten Zug bei gleichzeitiger Beobachtung der Engstellen, durch die fast alle Züge durch müssen. Das wäre zum einen die zuvor bereits ausführlich behandelte Genshagener Heide im Westen des Flughafens, die für Züge kaum noch Kapazität hat - deswegen fährt der Flughafen Express FEX dort auch nicht lang. Zum anderen ist die Anlage im Osten in Richtung Grünauer Kreuz nach Berlin betroffen.

Kaputte Zugzielanzeiger am Bahnhof Zoo

Die erste Fahrt startete mit einem RE7, der auch gleich mit 20 Minuten Verspätung vom Zoologischen Garten abfuhr. Zudem sind dort seit über einem halben Jahr alle Zugzielanzeiger am Gleis 1 kaputt. "Bitte Ansage beachten", heißt es auf den wenigen, die kein Totalschaden sind. Auf den Gleisen 2 bis 4 funktionieren wenigstens einige Anzeiger.

Der für den Westen der Stadt wichtige Regionalbahnhof fertigt die Flughafenzüge RE7 und RB14 an eben jenem Gleis 1 ab. Ansagen für verspätete Züge gab es an dem Sonntag nicht. Solche Informationen hätten auf den Zugzielanzeigern stehen müssen. Sehr ungünstig für ortsfremde Touristen, die den Bereich um den Zoo oft besuchen und auf einen Zug warten, der vielleicht nicht kommt.

Defekter Zugzielanzeiger am Gleis 1 des Bahnhof Zoo. Hier fahren vor allem Flughafen-Züge ab. Foto: © Privat, Andreas Sebayang

Dass der Schaden nicht zur Flughafeneröffnung behoben wird, verwundert, denn die Zentrale des Verkehrsverbunds Berlin Brandenburg (VBB) liegt gegenüber vom Bahnhof Zoo. Eine noch am Sonntag gestellte Anfrage zu der Gesamtsituation beantwortete die Deutsche Bahn bisher nicht.

Der Flughafenzug wird ohne Vorwarnung zu einem anderen Terminal umgeleitet

Da der RE7 mit sprintstarken Talent 2 betrieben wird, konnte der Triebfahrzeugführer noch einige Zeit einholen. Rund 16 Minuten Verspätung waren es nur noch iin der Nähe des Grünauer Kreuzes kurz vor dem Flughafen. Hier wurde dann allerdings sehr schnell klar, dass der Zug auf einen Gegenzug warten muss, da es einige eingleisige Stellen am Flughafenbahnhof gibt. Doch dazu später mehr. Der Zug fuhr nämlich ungestört weiter. Nur Kenner hatten allerdings das Wissen, die ungewöhnliche Route zu erkennen, während intern die digitalen Anzeigen Terminal 1/2 als nächsten Bahnhof anzeigten.

Werbung für den neuen BER-Flughafenexpress "FEX" der Deutschen Bahn in Berlin. Foto: © airliners.de, David Haße

Während der letzten Phase des Bremsvorgangs wurde dann durchgesagt, dass der nächste Halt Terminal 5 sei. Das sorgte für allerhand verwirrte Gesichter im Zug, zumal das stehende Fahrzeug weiterhin Terminal 1/2 als nächsten Bahnhof anzeigte. Also nur ein Zwischenhalt und in Gegenrichtung wieder raus Richtung Terminal 1/2? Unwahrscheinlich, denn der Triebfahrzeugführer hätte über die gesamte Länge des 3+5-Teilers zurücklaufen müssen. Unklar ist derzeit, ob der Halt am Terminal 5 bei Verspätungen die Regel wird, eine der Fragen, die airliners.de der Deutschen Bahn am Sonntag stellte.

Ehe die Fahrgäste sich orientieren konnten, fuhr der Zug schon wieder ab. Anderen Fahrgästen konnte so schnell nicht geholfen werden. Gut ein Dutzend Fahrgäste hatten keine Chance sich anzupassen oder vorherzusehen, dass die interne Anzeige falsch ist. Wer die Gleispläne kennt, weiß das natürlich. Doch derartige Kenntnisse kann die Deutsche Bahn kaum von Fahrgästen erwarten.

Das Terminal 5 spart der Bahn Zeit

Der nächste Halt war Blankenfelde und der RE7-Gegenzug zum Terminal 1/2 von dort kurz davor weggefahren. Die Fahrgäste beschwerten sich beim Zugpersonal. Das verwies allerdings darauf, dass ja im Bahnhof gesagt wurde, dass der Zug am Terminal 5 stand. Kein Wort dazu, warum nicht wenigstens eine Ansage getätigt wurde, die darauf hinwies, dass der nächste Halt eben nicht Terminal 1/2 ist.

Bei Ankunft in Blankenfelde war dann schnell klar, warum der Zug den neuen Weg fuhr. Er vermied nicht nur potenzielle zusätzliche Verspätungen aufgrund der eingleisigen Abschnitte. Der RE7 sparte auch satte sechs Minuten Fahrzeit ein, indem der recht schnell anfahrbare Bahnhof des Terminal 5 genutzt wurde.

Von: Andreas Sebayang

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