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Den Weg fest im Blick verfliegt das Ziel

Das war die Woche die war: Nicht nur die Politik schreitet auf bekannten Wegen in Rückschritten voran, beobachtet unser Kolumnist Andrew Charlton. Nur wie zielführend ist das, wenn im Corona-Sturm niemand mehr reist?

Taxiway-Markierungen am Flughafen (Symbolbild). © Adobe Stock / Chalabala

Rückschritte bringen uns nicht durch den Sturm. Das hat die vergangene Woche mal wieder eindrücklich bewiesen. Denn wohin führen Reisen ins Nirgendwo? Richtig: Sie sind ziellos und rückwärtsgewandt. Egal on im Flugzeug, auf dem Kreuzfahrtschiff oder bei der EU-Kommission in Brüssel.

DWDWDW ("Das War Die Woche Die War")
5. bis 9. Oktober 2020

Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass es in der Luftfahrt genau zwei Arten von Anbietern gibt, die von der Corona-Pandemie profitieren: die Frachtfluggesellschaften und diejenigen Unternehmen, die Flugzeuge in Frachter umbauen. Im Allgemeinen war ja bisher der einzige Grund, warum Passagierfluggesellschaften Fracht befördern, der, dass die Flugzeuge zylindrisch sind. Wäre der ansonsten ungenutzte Bauch nicht da, gäbe es auch keine Fracht-Container, die Flughäfen verstopfen. Aber das ist jetzt anders.

Jetzt kann man zuschauen, wie immer mehr Passagierfluggesellschaften ihre Flugzeuge umbauen und in Netze investieren, damit die Fracht sogar auf Sitzen Platz nehmen kann. Es wird interessant sein zu beobachten, ob es die ehemaligen Passagierfluggesellschaften wirklich ernst meinen mit der Fracht, denn es wird langsam ernst. Aber wer ernsthaft im Frachtgeschäft tätig sein will, muss auch wie eine Frachtfluggesellschaft denken. Und das heißt: Alte Zöpfe abschneiden.

Am Montag veröffentlichte die Global Express Association - die DHL, FedEx und UPS vertritt - einen Aufruf zu einer echten Revolution. Sie wollen ihre Fracht endlich direkt dorthin bringen dürfen, wo die Kunden sie haben wollen. Sie fordern eine Deregulierung, die anerkennt, dass Luftfracht nicht mehr den vorsintflutlichen "Freiheiten der Luft" unterworfen werden sollte, die die Luftfahrt seit 1944 in Chicago gefangen genommen, inhaftiert und eingeschränkt haben. Die Fracht-Airlines wollen eine Reise mit Ziel.

Über den Autor

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Andrew Charlton ist der Geschäftsführer von Aviation Advocacy, einer auf den Luftverkehr fokussierten Strategie- und Regierungsberatung mit Sitz in der Schweiz. Andrew ist zudem Herausgeber des "Aviation Intelligence Reporter", der einen zunehmend einflussreichen und unerschütterlich unabhängigen Blick auf die Luftfahrt bietet, immer durchdacht und nie einseitig.

Aber freuen Sie sich nicht zu früh. Nur für den Fall, dass Sie jetzt dachten, wir würden uns im Luftverkehr langsam, aber sicher doch in Richtung Zukunft orientieren... Dem ist nicht so. Die europäische Verkehrskommissarin Adina Vălean hat nämlich am Dienstag kristallklar gemacht, wo ihr Ziel liegt: Nämlich im Bermuda-Jahr 1946. Schnallen Sie sich also an, denn es wird hässlich - und das nicht nur, weil wir über den Brexit sprechen.

Mit großen Rückschritten zurück in die Zukunft

Kommissarin Vălean hat nämlich verkündet, dass die EU-Kommission beabsichtigt, die bestehenden "Ownership and Control"-Regularien für die Branche trotz Corona weiterhin mit Nachdruck durchzusetzen. Das Ziel ist also nicht nur 1946. Wie es scheint, sollen wir dieses Ziel mit echten Rückschritten erreichen. Klar, das war jetzt eine stürmische Zurschaustellung von Anti-Brexit-Prahlerei. Aber wohin führt diese Reise?

Warum, frage ich, sind wir im Jahr 2020 - einem Jahr wie keinem anderen - weiter wild entschlossen, die Kapitalaufnahme von Fluggesellschaften künstlich auf dem Markt ihrer Gründung zu begrenzen? Warum darf nicht die Qualität Geschäftsplans darüber entscheiden, ob eine Airline Kapital erhält oder nicht? Das ist Wahnsinn.

Von: Andrew Charlton Jetzt Gastautor werden

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