airliners.de Logo

Forderungen nach besserer Bezahlung Debatte um Security-Personal

In der Debatte um verstärkte Sicherheitsmaßnahmen an den Flughäfen haben Politiker und Gewerkschaften bessere Bezahlung sowie höhere Qualifikationen für Security-Mitarbeiter angemahnt. Hierzulande werden diese Aufgabe meist von privaten Sicherheitsfirmen übernommen.

Sicherheitsschleuse am Flughafen Frankfurt/Main © dpa

Im Zuge der seit dem Anschlagsversuch von Detroit neu entbrannten Sicherheitsdebatte richtet sich die Aufmerksamkeit auch auf das Personal, das an den Flughäfen die Passagiere und das Gepäck kontrolliert.

Es müsse genau betrachtet werden, ob es an Flughäfen genügend Sicherheitspersonal gebe und wie gut dieses ausgebildet sei, sagte Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) der "Südwest Presse" (Donnerstagsausgabe).

Auch der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), fortert ein zusätzliches Sensibilitäts- und Moraltraining für Sicherheitsleute an Flughäfen. "Wir brauchen eine ethische Schulung des Personals", sagte er der Tageszeitung "Die Welt". Zugleich sprach er sich dafür aus, Mitarbeiter besser zu entlohnen, um die Qualität der Kontrollen zu verbessern.

Gewerkschaften protestieren gegen niedriges Lohnniveau

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) begrüßte die Vorstöße für eine bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen. "Das ist lobenswert. Das sind neue Töne", sagte der für den Bereich der Bundespolizei und damit auch für Flughäfen zuständige GdP-Vertreter Josef Scheuring der Nachrichtenagentur AFP.

Da sich in der Anbieter-Konkurrenz bei den regelmäßigen öffentlichen Ausschreibungen billige Dienstleister durchsetzten, habe dies zu einem Absinken der Löhne geführt. Seit Jahren weise seine Gewerkschaft darauf hin, dass hochmotiviertes und qualifiziertes Personal eine entscheidende Rolle bei der Terrorabwehr spiele.

Das Einkommen der Kontrolleure tendiere heute meist in Richtung Mindestlohn und betrage oft lediglich um die 1000 Euro netto im Monat. Dies sei zu wenig. "Da bleibt irgendwann die Qualität und die Motivation auf der Strecke", meint Scheuring. "Mit Technik allein kriegen sie das nicht hin." Wegen der immer niedrigeren Bezahlung lebten viele private Sicherheitsleute heute aber "in Existenznot".

Privatisierung der Passagier- und Gepäckkontrollen

In Deutschland wurden die Aufgaben des Sicherheitspersonals an Flughäfen seit den neunziger Jahren schrittweise privatisiert. Nach Angaben der Gewerkschaft der Polizei (GdP) sind heutzutage von den bundesweit etwa 10.000 Arbeitsplätzen in diesem Bereich inzwischen nur noch etwa tausend mit Beamten der Bundespolizei besetzt.

Die Privatisierung der Passagier- und Gepäckkontrollen an den Flughäfen wurde 1993 von der damaligen Bundesregierung aus Union und FDP eingeleitet. Aber nur freiwerdende sowie neu geschaffene Stellen wurden in den folgenden Jahren ausgeschrieben und schrittweise an Firmen vergeben. In deutschen Terminals arbeiten deshalb bis heute private Sicherheitsleute und Bundespolizisten nebeneinander.

An den Auftragsausschreibungen können grundsätzlich alle Sicherheitsfirmen teilnehmen, die die allgemeinen branchenspezifischen Zulassungskriterien der Behörden erfüllen. Für deren Einhaltung sind prinzipiell die Länder zuständig. Will ein Unternehmen - wie im Fall der Flughafenkontrollen - Bundesaufgaben wahrnehmen, ist zusätzlich allerdings auch der Bund beteiligt.

Luftsicherheitsassistent - Nur "geeignete Personen"

Zudem müssen die jeweiligen Angestellten der Unternehmen, die bei den Kontrollen eingesetzt werden sollen, über bestimmte Qualifikationen verfügen. Nach Paragraph 5 des Luftsicherheitsgesetzes kommt die Übertragung von derart sensiblen öffentlichen Aufgaben nur an "geeignete Personen" in Frage.

Wer als "Luftsicherheitsassistent" in der Passagier- und Gepäckabfertigung arbeiten will, muss sich in einem Lehrgang mit Rechtsfragen, Waffenkunde, dem Auswerten von Röntgenbildern und dem Umgang mit Fluggästen befassen. Die mehrwöchige Qualifikation wird entweder von großen Firmen selbst oder von Berufsausbildungsakademien angeboten und endet mit einer amtlichen Prüfung bei der Bundespolizei, deren Ablauf geheim ist.

Zudem müssen sich Bewerber einer Zuverlässigkeitsprüfung unterziehen, um einen kriminellen Hintergrund auszuschließen. Neben einer Identitätsüberprüfung sind die Behörden auch befugt, bei Polizei, Verfassungsschutz oder Geheimdiensten nachzufragen.

Von: AFP

Lesen Sie jetzt

Als die Welt bis 2020 noch ein Dorf war

Gastbeitrag Corona verändert die Weltwirtschaft grundlegend. Wird man in zehn Jahren feststellen, dass der Luftverkehr, wie wir ihn bislang kennen, nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems war? Diese "Rückwärts-Prognose" der Frankfurt University of Applied Sciences hat viele interessiert.

Lesen Sie mehr über

Rahmenbedingungen Fluggesellschaften Flughäfen Politik Luftsicherheit Management Dienstleister Industrie Personal