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DB, ÖBB, SBB und SNCF planen großes gemeinsames Europa-Nachtzugnetz

Der Luftverkehr bekommt in den nächsten Jahren mehr Konkurrenz durch Nachtzüge. Auch die Deutsche Bahn ist wieder dabei. Zu den neuen Verbindungen gehört die Anbindung von Berlin nach Westen und weitere Ziele über den Nachtkreuzknoten Zürich.

Nachtzug der Österreichischen Bundesbahnen © ÖBB

Die vier Chefs der großen Bahnunternehmen in Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz haben eine gemeinsame Absichtserklärung unterschrieben, um den Nachtzug wieder verstärkt auf die Schiene zu bringen. Zunächst wollen DB, SNCF, ÖBB und SBB mit vier neuen Nachtzuglinien starten.

Das Konzept fällt unter den sogenannten "TransEuropExpress 2.0" (TEE). Vorgesehen ist ein gemeinsamer Betrieb durch die vier Bahnunternehmen. Ein gemeinsamer Vertrieb der Nachtzug-Tickets soll den Zugang erleichtern. Ziel ist es, einen Teil des Luftverkehrs auf die Schiene zu verlagern. Eine starke Unterstützung durch die Politik ist den Partnern dabei gewiss.

Den Anfang machen Ende 2021 zum Fahrplanwechsel zwei Nachtlinien, die auch durch Deutschland führen. Zum einen wird Zürich an Amsterdam angebunden, eine Ergänzung des bereits nächste Woche startenden Amsterdam-Zuges von Wien und Innsbruck. Unterwegshalte sind unter anderem Frankfurt am Main und Freiburg.

Der zweite geplante Zug ist eine Nachtverbindung nach Paris von Wien über Strasbourg aus. Auch diese startet im Dezember 2021. Durch die Verbindung bekommt auch München eine Nachtzugverbindung in die französische Hauptstadt.

Ende 2023 von Berlin nach Paris und Brüssel

Ein Jahr später wird Zürich einen direkten Nachtzug nach Rom über Mailand bekommen. Die Strecke nach Rom ist allerdings nicht Teil der Absichtserklärung, wir aber dennoch in der Pressemitteilung der Deutschen Bahn genannt.

Tee-Nachtzugnetz von DB, ÖBB, SBB und SNCF © Deutsche Bahn, ÖBB, SBB, SNCF

Ab Dezember 2023 ist dann eine große Erweiterung für Berlin geplant. Es wird über Nacht möglich sein, nach Paris oder Brüssel zu fahren. Damit wären für die Hauptstadt zwei weitere wichtige Luftverkehrsdrehkreuze per Nachtzug erreichbar. Bisher beschränkt sich das Angebot auf Zürich und Wien. Erst Ende 2024 wird schließlich von Zürich auch der Anschluss nach Barcelona möglich sein. Damit wird das Nachtzugnetz deutlich ausgebaut.

Das Engagement der Deutschen Bahn, aber auch der SNCF ist durchaus bemerkenswert. Die Deutsche Bahn hatte den Nachtzug vor einigen Jahren erst eingestellt und lobte nun das Konzept als zukunftsweisend. Gleichzeitig verteidigte der Bahnchef Richard Lutz die Entscheidung, damals die Nachtzüge aufgrund nicht vorhandener Wirtschaftlichkeit einzustellen und verwies auch Nacht-ICE-Züge, die die Deutsche Bahn noch betreibt.

Seit der Einstellung nutzen die ÖBB viele der Zuggarnituren der DB mit neuer Folierung. Die SNCF hingegen betreibt innerhalb Frankreichs noch einige Nachtzüge (Intercités de Nuit) ab Paris. Die Nachtzüge haben allerdings auch in Frankreich an Bedeutung verloren. Unabhängig von den angekündigten TEE-Nachtzugverbindungen will Frankreich auch innerhalb des Landes weitere Nachtzugverbindungen 2021 und 2022 starten.

In dem Plan werden die SBB mit ihrem Bahnhof Zürich so etwas wie ein Nachtdrehkreuz in Europa. Das war allerdings bereits bekannt. Mitte September wurden bereits grobe Pläne bekannt, dass etwa von Zürich aus Barcelona per Nachtzug erreicht werden soll, was mit der heutigen Mitteilung beschlossene Sache ist.

ÖBB haben 33 neue Nightjet-Garnituren bestellt

Informationen zum Wagenmaterial gibt es noch nicht. Es ist allerdings schon länger bekannt, dass sich die SBB nach potenziellen Wagen umschauen, auch auf dem Gebrauchtmarkt. Die ÖBB sind diesbezüglich weiter und werden bald äußerst modernes Rollmaterial ausgeliefert bekommen.

Leonore Gewessler, Bundesministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie in Österreich, betonte bei der Vorstellung noch einmal, dass für neue Nachtzüge insgesamt 500 Millionen Euro ausgegeben werden. 13 Züge sind derzeit im Bau. Der ÖBB-Chef Andreas Matthä sagte zudem, dass weitere 20 Züge danach folgen werden. Problematisch an Nachtgarnituren ist, dass diese eher auf Bestellung gefertigt werden als andere Zuggattungen, für die es ein größeres Angebot gibt.

Nachtzugverbindungen finden

Den richtigen Nachtzug zu finden, ist im Bahnverkehr dementsprechend nicht so einfach, da einige Züge nur saisonal fahren und etwa über Ferienveranstalter vermarktet werden. Andere sind zwar Linienverkehr, doch auch hier ist es schwer, diese Verbindungen zu erkennen. Einen Überblick über das aktuelle Nachtzugnetz in Europa, auch abseits der großen Bahnunternehmen, findet sich auf night-trains.com vom Architekten und Kartographen Jug Cerovic.

Trotz der Ankündigung sollte aber nicht unterschätzt werden, dass durch Europa noch einige andere Nachtzüge unterwegs sind, was vielen nicht bekannt sein dürfte. Selbst auf großen Bahnhöfen fehlen gut sichtbare Hinweise zu Nachtzugverbindungen üblicherweise.

Von: Andreas Sebayang

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