Ausblick Das bringt das neue Luftfahrtjahr

Der Brexit, das Performance-Versprechen von Eurowings und die neue Regeln für Drohnen werden im neuen Jahr die Luftfahrtbranche bewegen - aber nicht nur. An dieser Stelle geben wir einen Überblick, welche Änderungen 2019 auf die Branche zukommen.

© Fotos: Fotolia/tanaonte; AirTeamImages.com/Daniel Nicholson; Airbus [M]

EU-Austritt

Unabhängig davon, wie Großbritannien aus der EU ausscheidet, wird der Brexit Ende März für den Luftverkehr in Europa eine Zäsur. Denn für Flüge zwischen der Insel und den EU-27-Staaten braucht es neue gesetzliche Regelungen. Und auch können britische Airlines nicht mehr auf die zwischen EU und Drittstaaten ausgehandelten Verkehrsrechte zurückgreifen.

Schon jetzt steht London in engen Verhandlungen über eigene Verkehrsabkommen - mit den USA ist bereits ein "Open Sky" vereinbart worden und auch mit der Schweiz sollen die intensiven Gespräche bald zu einem Abschluss kommen. Mit Brüssel müssen ebenfalls Verhandlungen darüber geführt werden; eigentlich war dafür eine 21-monatige Übergangsfrist vorgesehen.

Begleitet ist dies von der Zusage, dass man den Luftverkehr zwischen Großbritannien und der EU nach dem Brexit aufrecht erhalten will. So steht es zumindest in dem Abkommen, dass Regierungschefin Theresa May in Brüssel aushandelte. Im britischen Parlament scheint sie dafür jedoch bislang keine Mehrheit zu sehen - Mitte Januar soll abgestimmt werden.

Gleichzeitig droht ein No-Deal-Brexit auch an einem anderen Punkt kompliziert zu werden: Ownership und Control. Die EU-Kommission hat laut Verhandlungsteilnehmern mehrfach klargestellt, dass dieser Grundsatz für die Besitzverhältnisse bei EU-Airlines nicht verhandelbar ist. Demnach müssen Fluggesellschaften in der EU mehrheitlich von EU-Unternehmen bestimmt werden.

Easyjet beispielsweise hat eine österreichische Tochter (Easyjet Europe) gegründet und inzwischen 130 Flugzeuge zu dieser transferieren lassen. Auch sollen innereuropäische Flüge ab dem kommenden Jahr unter dem Namen dieser stattfinden. Auch bei Ryanair, der deutschen Thomas-Cook-Tochter Condor und Tuifly laufen Vorbereitungen, nach einem Brexit als EU-Airline zu gelten.


Personalien

Detlef Kayser Mit Beginn des neuen Jahres erweitert Lufthansa ihren Vorstand um einen sechsten Posten. Der frühere McKinsey-Berater Detlef Kayser verantwortet das neu geschaffene Ressort "Airline Resources & Operations Standards". Er soll einheitliche Normen und Standards für die Flugbetriebe der Netzwerk-Airlines und Eurowings entwickeln.

Guillaume FauryAirbus-Chef Tom Enders verlässt im Frühjahr den Industrie-Konzern. Ihm soll der Chef der Flugzeugsparte, Guillaume Faury, folgen. Das Okay der Hauptversammlung im April dürfte eine reine Formsache sein. Denn die Aufteilung der Airbus-Vorstandsposten geschieht aus historischen Gründen immer paritätisch zwischen Deutschland und Frankreich.

Michael Kerkloh Der Flughafen München sucht indes einen neuen Chef. Denn Michael Kerkloh geht Ende 2019 in den Ruhestand. Er führt den Airport seit 2002. In seine Amtszeit fallen unter anderem die Eröffnung des zusammen mit Lufthansa geführten Terminals 2 2003 und die Inbetriebnahme des Satellitengebäudes 2016.

Eurowings-Performance

Beweisen müssen wird sich im neuen Jahr Eurowings. Denn wenn der Sommerflugplan Ende März startet, wächst das Programm der Lufthansa-Billigplattform erneut. Zwar laut Flugplandaten im Vergleich zum Sommer 2018 "nur" um wenige Prozent, doch Airline-Chef Thorsten Dirks gab bereits die Marschrichtung vor: "Ein Chaos wie 2018 darf sich nicht wiederholen."

Um das Chaos aus Verspätungen und Ausfällen weitestgehend zu minimieren, hat Eurowings nach unseren Recherchen ein umfangreiches Programm aufgelegt. "Scope" soll mit zwölf Maßnahmen in vier operativen Bereichen für Entlastungen im Flugplan sorgen. Beispielsweise sollen Umläufe "entzerrt" und mehr Reserveflugzeuge bereitstehen.

Allein in den ersten neun Monaten fielen in der gesamten Lufthansa Group 18.000 Flüge aus - ein Großteil davon bei Eurowings. Nach Berechnungen von "EU Claim" für airliners.de stieg der Anteil der Problemflüge (mehr als drei Stunden verspätet oder ausgefallen) von 1,2 2017 auf 3,0 Prozent 2018. Insgesamt ergab sich für die 15 wichtigsten auf dem deutschen Markt agierenden Airlines im vergangenen Sommer eine Quote von 2,3 Prozent - 2017 waren es noch 1,4 Prozent.

Allerdings zeigen die Zahlen auch, dass längst nicht nur Eurowings betroffen war:

Prozentualer Anteil von Problemflügen
Austrian Azur Air Condor Easyjet Eurowings Germania Lauda Motion Lufthansa Ryanair Small Planet Sun Express Sundair Swiss Tuifly Wizz Air
März* 1.9 8 3 0.9 1.3 2.7 0 1 2.2 4 0 0 1.2 1.5 0.8
April 2.2 5 1 0.6 2 0.9 5.6 1.8 1 6.9 2.9 2.9 1.4 0.6 0.5
Mai 2.1 3.3 5.6 1.4 4 2.9 13.2 2.6 3 10.1 1.7 0 1.6 4.3 0.6
Juni 3 5.8 5.3 2.1 4.8 1.4 8.7 2.8 4 5.8 2.7 2 2.3 4.2 0.6
Juli 5.1 15.3 1.5 1.5 2.9 0.9 8.5 2 3.4 2.7 1.3 0 3 6.6 1.3
August 2.7 8.6 1.8 1.4 2.7 0.6 5.6 1.7 3.8 3.2 1.3 3.3 4.4 3.5 0.8
September 3.7 5 1 1.1 2.6 0.9 3.3 1.8 3.1 2.3 3.5 1 4 0.9 0.4
Oktober** 1.6 1 0.7 1.9 0.7 1.1 1.7 0.9 2.2 2.9 0.8 0.7 0.8 0.3

* = 25. - 31. März 2018; ** = 1. - 21. Oktober 2018. Quelle: EU Claim, eigene Berechnung

Daher berief das Bundesverkehrsministerium Anfang Oktober einen Luftfahrtgipfel ein. Dort verständigten sich alle "Systempartner der Wertschöpfungskette Flug" (Airlines, Airports, Flugsicherung, Politik) auf 24 Einzelmaßnahmen zur Verbesserung der Operations. Ende März 2019 soll auf einem Nachfolgetreffen evaluiert werden, welche Maßnahmen Wirkung gezeigt haben und welche nicht.

Wachstumsprognose

Der Flughafenverband ADV erwartet für 2019 im Passagiergeschäft in Deutschland einen Zuwachs von 2,7 Prozent. Seit 2013 lag das jährliche Plus laut Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel bei im Schnitt mehr als vier Prozent. Im innerdeutschen Verkehr liege das Wachstum bei 1,0 Prozent; im Europaverkehr bei 5,1 Prozent und im interkontinentalen Bereich bei 2,8 Prozent. Für das Volumen der Luftfracht wird ein Plus von 2,3 Prozent prognostiziert. Werte für die einzelnen Flughäfen möchte die ADV auf Anfrage nicht veröffentlichen.

Drohnen-Regulierung

In Deutschland müssen sich Drohnenbesitzer nach wie vor an die Verordnung der Bundesregierung halten - so wie in anderen Staaten auch. Sprich die Gesetze gelten jeweils nur für Deutschland, Frankreich oder Österreich. Das soll harmonisiert werden. Zu Beginn des Jahres will die Kommission EU-weit einheitliche Regelung zur Zertifizierung und zum Betrieb von kleinen sowie mittleren Drohnen vorlegen.

Dabei sollen die neuen Regelungen aus Brüssel nicht die nationalen Vorschriften ablösen - vielmehr bilden die EU-Regeln das Fundament und die einzelnen Staaten ergänzen das Reglement. Zeitgleich wird die europäische Flugsicherheitsbehörde Easa anfangen, entsprechende Regelungen für große Drohnen und des Drohnenverkehrs im Luftraum zu entwickeln.

Kompakt

  • Zwar ist der inzwischen achte Eröffnungstermin des neuen Hauptstadtflughafens BER nicht für 2019 terminiert, allerdings wird sich im Sommer entscheiden, ob "Oktober 2020" zu halten ist. Dann soll der zu eröffnende Teil baufertig sein und die abschließende "Wirk-Prinzip-Prüfung" steht an. Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup sagte jüngst im Interview mit airliners.de, dass zu Beginn die Kapazitäten des Hauptterminals (T1) und die des bereits bestehenden Terminals am Flughafen Schönefeld (dann T5 des BER) ausreichen würden.
  • 2020 geht es in die dritte von der EU gesteuerte Regulierungsperiode der Flugsicherung. Im Frühjahr muss die Deutsche Flugsicherung dafür einen Gebührenvorschlag vorlegen. Beobachter erwarten eine deutliche Anhebung der Sätze, da die nach der Privatisierung vom Bund gegebene Eigenkapitalzuführung des Bundes dann aufgebraucht ist.
  • Auf Tarifseite lag 2018 vor allem Ryanair im Fokus. Piloten (VC) und Flugbegleiter (Verdi) konnten dem Billigflieger Zugeständnisse abringen. Begleitet wurde dies auf politischer Ebene von einer Gesetzesänderung, die vermutlich 2019 viel in Bewegung setzen wird: Paragraf 117 des Betriebsverfassungsgesetzes ist reformiert. Demnach darf fliegendes Personal bei einer Airline ab Mai 2019 auch einen Betriebsrat gründen, wenn die Geschäftsführung sich dem bislang verweigerte. Dies betrifft nicht nur Ryanair - auch wenn der Name der Gesetzesinitiative dies vermuten lässt: "Lex Ryanair" hat auch die Lufthansa-Töchter Aerologic und Sun Express sowie Germania im Blick.
  • Im Regierungsvertrag einigte sich die Große Koalition auf eine Reform der Luftsicherheitskontrollen. Aktuell evaluiert das Bundesinnenministerium, inwiefern die Passagierkontrollen verbessert werden können. Ein Vorschlag sieht vor, dass das Ministerium zusammen mit der Bundespolizei die Hoheit über den Bereich behält, den einzelnen Flughäfen aber mehr Verantwortung gibt.
  • Mit Jahresbeginn löst die neue Bilanzierungsvorschrift IFRS 16 vier bestehende Rechnungslegungsvorschriften ab. Damit verändert sich die bilanzielle Erfassung von Leases. Ungeachtet der Frage, ob es Finance- oder Operating-Leases sind, werden diese nun erfasst. Im Fall der inzwischen insolventen Air Berlin hätte das zum Beispiel geheißen, dass sie nach den neuen Richtlinien statt rund 1,5 Milliarden zuletzt sieben Milliarden Euro an Verbindlichkeiten hätte ausweisen müssen. Die meisten Airlines bilanzieren bereits nach IFRS 16. Änderungen werden laut Beobachtern bei Condor und Tuifly erwartet - hier könnten Verbindlichkeiten und somit auch das Gesamtvolumen der Bilanz steigen. Dennoch sind Operating-Leases aufgrund ihrer Flexibilität weiterhin attraktiv für viele Fluggesellschaften.
  • Bei der DFS in Karlsruhe startet im Frühjahr das Projekt "sektorloses ATM": Fluglotsen sollen nicht wie bisher nur für einen fest definierten Teil des Luftraums (Sektor) verantwortlich sein. Vielmehr könnte ein Lotse mehrere Flugzeuge gleichzeitig durch den kompletten deutschen Luftraum führen. Da dies technisch sehr komplex ist, wird dafür ein eigener Arbeitsplatz eingerichtet.
  • Anfang Februar feiert die zivile Luftfahrt in Deutschland runden Geburtstag. 1919 begründete die Deutsche Luftreederei (ein Vorläufer der Lufthansa) den regelmäßigen Post- und Passagierverkehr zwischen Berlin und Weimar. Nach einem Test startete am 6. Februar auf eben jener Strecke der erste planmäßige Linienflug in Deutschland - zunächst wurden Post und Zeitungen transportiert.

Von: cs, dh

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