Hintergrund Das ist die neueste IAG-Tochter Air Europa

Die Iberia-Mutter IAG übernimmt die spanische Air Europa. Beide Fluggesellschaften weisen bei Basen und Zielen starke Parallelen auf. Schon bald soll die Neuakquisition eng in IAG-Abläufe eingebunden werden.

Ein Airbus A330 der Air Europa. © AirTeamImages.com / Simone Ciaralli

Die International Airlines Group (IAG) hat bei Air Europa zugeschlagen. Für eine Milliarde Euro übernimmt der Airline-Konzern über seine Tochter Iberia den ebenfalls spanischen Carrier. Die Transaktion soll im zweiten Halbjahr 2020 abgeschlossen werden. Damit will der Konzern laut Mitteilung den Hub Madrid zu einem echten Konkurrenten für die anderen europäischen Drehkreuze machen und wieder führend auf den Routen nach Südamerika und in die Karibik werden.

Der Deal bietet laut IAG erhebliche Synergie-Potenziale bei Kosten und Umsatz. Der Konzern hat bereits jetzt erheblichen Einfluss auf dem spanischen Markt, da ihm neben Flag- und Netzwerk-Carrier Iberia auch der Billigflieger Vueling gehört. Air Europa soll nun unter der Ägide von Iberia in deren Drehkreuz-Strukturen in Madrid eingebunden werden.

Auf dem deutschen Markt bedient Air Europa die Ziele Düsseldorf, München und Frankfurt von ihrem Drehkreuz Madrid aus. Pro Woche werden auf diesen Routen derzeit knapp 7000 Sitze angeboten. Weltweit fliegt Europa auf 69 Routen und ist neben dem europäischen Verkehr vor allem auf transatlantische Verbindungen spezialisiert. IAGs Iberia ist traditionell stark auf den Verbindungen nach Südamerika, British Airways ist sehr stark nach Nordamerika vertreten.

Unter den zehn größten Air-Europa-Strecken nach Sitzkilometern sind neun Süd- und Mittelamerika-Verbindungen. Bei Iberia sieht es sehr ähnlich aus. Acht Südamerika-Routen sind unter den größten Strecken nach Sitzkilometern, die anderen beiden sind Nordamerika-Verbindungen. Insofern schafft sich der Konzern durch die Übernahme einen Konkurrenten vom Hals und kann sein Angebot auf diesen Strecken noch verstärken.

Air Europa ist profitabel

Air Europas Umsatz ist in den vergangenen drei Jahren jeweils um acht bis zwölf Prozent gewachsen und lag zuletzt bei etwas mehr als zwei Milliarden Euro. Dabei macht die Fluggesellschaft einen Profit von 100 Millionen Euro. Vergangenes Jahr beförderten die Spanier bei einer Auslastung von 83 Prozent rund 11,8 Millionen Passagiere.

Momenten gehört Air Europa der Skyteam-Allianz an. Damit befindet sie sich in einer Airline-Vereinigung mit den IAG-Konkurrenten Air France und KLM. Die beiden IAG-Main-Carrier, Iberia und British Airways, sind beide in der Oneworld-Allianz organisiert. Insofern ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass Air Europa bald auch in diese Vereinigung wechselt. Einfachere durchgehende Buchungen und eine Vereinheitlichung von Prämienprogrammen könnten hier positive Aspekte sein.

IAG hat zwar für ihre neue Fluggesellschaft noch nichts zur künftigen Allianz-Mitgliedschaft verlauten lassen. Es wurde aber bereits angekündigt, dass Air Europa in die Strukturen der gemeinsamen Prämien-Währung namens "Avios" integriert wird. Außerdem soll die Airline in alle Codeshares für Umsteige-Verbindungen eingebunden und Umsteigezeiten unter den Airlines optimiert werden.

Ähnlichkeiten bei Routen und Basen mit Iberia

Der Hauptsitz von Air Europa befindet sich auf Mallorca. Die Baleareninsel spielt jedoch nur eine untergeordnete Rolle in der Strategie von Air Europa. Von der Basis in Madrid wird nach Daten von "CH-Aviation" mit rund 115.000 Sitzen oder 40 Prozent nämlich der größte Teil der wöchentlichen Kapazitäten angeboten. Mallorca folgt mit weniger als zehn Prozent. Daneben ist die Airline laut "CH-Aviation" auch auf den beiden Flughäfen Teneriffas mit einer Basis vertreten.

Auch bei den Basen gibt es wieder sehr große Überschneidungen zum künftigen Ex-Konkurrenten Iberia. Der spanische Flag-Carrier bietet knapp 300.000 Sitze oder gut 45 Prozent seiner Sitze ab der Hauptstadt an.

Viele Langstreckenflugzeuge in der Flotte

Die Flotte von Air Europa ist im Vergleich mit Iberia mehr auf Langstreckenverbindungen ausgelegt. Insgesamt verfügt die Gesellschaft über eine Flotte von 66 Flugzeugen. Nach Daten von "CH-Aviation" sind diese aufgeteilt auf die eigentliche Airline selbst, einige Wet-Leases und die Regionaltochter Aeronova. Air Europa besitzt kein einziges Flugzeug, denn sämtliche Maschinen sind geleast.

Flottenstruktur Air Europa
Flugzeuge Anzahl
Air Europa
Boeing 737-800 18
Boeing 787-8 8
Boeing 787-9 5
Airbus A330-200 9
Airbus A330-300 2
ATR72-200 (Wet Lease) 1
ATR72-500 (Wet Lease) 4
Aeronova
Embraer 195 11
ATR 72-500 6
Boeing 737 2
Die Teil-Flotten der Air Europa Quelle: CH-Aviation

Die Kernmarke kommt auf eine Flottenstärke von 42 Maschinen, wovon mit 18 Boeing 737-800 weniger als die Hälfte der Flugzeuge für Kurz- und Mittelstrecken ausgelegt ist. Air Europa hat darüber hinaus 24 Langstreckenjets von Airbus und Boeing im Bestand. Zu acht 787-8 und fünf weiteren 787-9 kommen neun A330-200 und zwei A330-200.

Zu den eigenen Flugzeugen stehen Air Europa außerdem für den Kurzstreckeneinsatz noch fünf Turboprops der ebenfalls spanischen Swift Air im Wet Lease zur Verfügung: vier ATR72-500 und eine ATR72-200. Die Regionaltochter Aeronova hat laut "CH-Aviation" insgesamt 19 Maschinen in der Flotte, davon elf Embraer E190, sechs ATR72-500 sowie zwei Boeing 737-800.

Im Vergleich zu Air Europa, die eine eher für große Entfernungen ausgelegte Flotte betreibt, operiert Iberia nur etwas mehr als ein Drittel Langstreckenmaschinen. Insgesamt sind neben den 46 Long-Haul-Fliegern auch noch einmal 67 Flugzeuge aus der Airbus A320-Familie in der Iberia-Flotte.

© Lufthansa Group, Lesen Sie auch: Billig-Töchter sichern Airline-Gruppen Marktführerschaft in den Heimatmärkten Analyse

Von: hr

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