Beruf & Karriere Das "F" im Flughafenausweis gibt es erst nach bestandener Prüfung

Wer auf dem Vorfeld ein Fahrzeug lenken will, muss eine Fahrerausbildung absolvieren. Wichtigste Regel: Rollende Flugzeuge haben immer Vorfahrt. Doch es gibt noch mehr zu beachten.

Fachausbilder Jens Peters bei einer Orientierungsfahrt auf dem Vorfeld. © Ines Schaub

Das Warten, Betanken und die Abfertigung von Flugzeugen sorgt für viel Verkehr am Boden. Dafür nutzen beispielsweise Techniker, Ramp Agents und Ladecrews einen Pkw. Passagiere werden mit dem Bus befördert, Gepäckförderbänder und Flugzeugtreppen müssen bewegt werden.

Das Besondere am Vorfeld ist, dass es Flugzeugen einen geschützten Raum am Boden bietet. Wer ihnen zu nahe kommt, wenn sie geschleppt werden, ihre Triebwerke laufen oder sie eigenständig rollen, begibt sich in mitunter tödliche Gefahr. Schäden an Flugzeugen, die durch Kollisionen mit Fahrzeugen entstehen, ziehen Verspätungen, möglicherweise lange Ausfallzeiten des Flugzeugs und somit immense Kosten nach sich. Wer auf dem Vorfeld ein Fahrzeug lenken will, muss deshalb eine Fahrerausbildung absolvieren.

Ausbildung auf Deutsch oder Englisch möglich

Wie sich die Mitarbeiter mit einem Fahrzeug inmitten von Flugzeugen richtig verhalten, lernen sie am Flughafen Frankfurt bei Jens Peters im "Grundlehrgang Vorfeldführerschein". Die Bezeichnung "Führerschein" ist irreführend, denn die Erlaubnis, auf öffentlichem Verkehrsgrund zu fahren, bringen die Teilnehmer ja bereits mit. Deshalb wehrt Peters sich auch, als Fahrlehrer bezeichnet zu werden: "Ich bin Fachausbilder und zugelassen zum Schulen auf Betriebsgelände." Davon ist das Vorfeld eine Sonderform.

Für maximal vier Teilnehmer pro Ausbilder stehen zunächst zwei Blöcke Theorie auf dem Lehrplan. Grundlage sind auch auf dem Vorfeld die Regeln der Straßenverkehrsordung (StVo), neu hingegen sind nun die sogenannten Verkehrs- und Zulassungsregeln (VZR). Sie beinhalten auf dem Flughafen beispielsweise die unterschiedlichen Straßen und ihre Markierungen, Befeuerungen, Geschwindigkeitsbeschränkungen, Verkehrszeichen und Sicherheitsabstände. Unterrichtssprache ist wahlweise Deutsch oder Englisch, denn auch Mitarbeiter ausländischer Airlines oder von Fremdfirmen müssen sich auf dem Vorfeld regelkonform und sicher bewegen können. Um mit dem praktischen Teil der Ausbildung fortfahren zu dürfen, müssen die Teilnehmer einen schriftlichen Test bestehen.

Nach der Mittagspause fährt Peters schon mal den Wagen vor. Das ist ein weißer Kleinbus, zugelassen für acht Personen und auch auf der Beifahrerseite mit einem Kupplungs-, Gas- und Bremspedal ausgestattet. Im wahrsten Sinne des Wortes erfahren die Teilnehmer nun in der Praxis, was sie während des Vormittags in der Theorie gelernt haben. Zunächst setzt sich Peters ans Steuer, fährt die Fahrstraßen und einige Fahrkorridore des Vorfelds ab, zeigt und erklärt. Auf den ersten Blick wirkt das Fahren, Abbremsen oder Abbiegen der verschiedenen Fahr- und Förderzeuge dort ebenso chaotisch wie auf einer Ameisenstraße, doch ebenso systematisch und reibungslos funktioniert es auch.

Wichtigstes Verkehrszeichen: Stopp bei Rollverkehr

Ein sechseckiges rotes Schild besagt "Stopp bei Rollverkehr". Von links rollt eine A321 heran, weshalb Peters an der ebenfalls roten Linie anhält. Um seine Parkposition zu erreichen, folgt der Kapitän mit den Bugrädern einer gelben Leitlinie für Rollverkehr, die beinahe eine 90-Grad-Kurve beschreibt. Immer wieder muss er mit den Triebwerken dosiert Schub geben, während ihn am Boden ein Follow-Me-Mitarbeiter mit so schnellen Bewegungen einwinkt, dass die Leuchtstäbe in seinen Händen gelbe Streifen ziehen.

"Wer ein rollendes Flugzeug zum Bremsen zwingt, begeht eine Rollbehinderung", erklärt Peters. Die kann zur Folge haben, dass dem Fahrer vorläufig der Vorfeldführerschein entzogen wird und er an einer Nachschulung teilnehmen muss. Als die Bugräder mit Bremsklötzen gesichert werden, fährt Peters wieder an. Das hätte er bereits viel früher gedurft, aber auch er kann sich der Faszination auf dem Beton, wie er das Vorfeld liebevoll nennt, nach seinen vielen Berufsjahren am Flughafen nicht entziehen.

45 Minuten fährt Peters, dann darf der erste Teilnehmer übernehmen. Mindestens 30 Minuten wird er oder sie geprüft, kleinere Fehler sind sogar erlaubt und werden in der Gruppe besprochen. Ist der letzte, der an die Reihe kommt, dann schon ein Nervenbündel? "Nein", entgegnet Peters und lacht, "der braucht ja die Fehler der anderen nicht auch noch zu machen."

Wer den Vorfeldführerschein besteht, darf ein "F" auf dem Flughafenausweis tragen und ist berechtigt, einen Pkw bis zu 3,5 Tonnen zu fahren. In Frankfurt sind das insgesamt rund 27.000 Mitarbeiter. Busfahrer, oder solche, die Förderzeuge wie Flugzeugtreppen oder Gepäckbänder steuern, werden dafür anschließend von ihren Dienststellen geschult. Doch auch die Fahrerausbildung hat noch weitere Angebote, den "Rollfeldführerschein" zum Beispiel oder "Fahren mit Blaulicht". In diesem Kurs werden die Teilnehmer lernen, dass ein rollendes Flugzeug auch bei einem Einsatz mit Blaulicht Vorfahrt hat.

Von: Ines Schaub für airliners.de

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