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Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Noch am 17. Juli 2014, dem Tag des Abschusses von MH17 über der Ostukraine, überflogen auch drei Flugzeuge der Lufthansa dieses Gebiet - eines davon angeblich nur 20 Minuten vor Malaysia Airlines. Die Lufthansa sagte, dass sie bis zu diesem Tag keine Informationen über eine veränderte Sicherheitslage gehabt hätte. Ansonsten hätte die Airline dieses Gebiet nicht überflogen.

Jetzt haben verschiedene Medien mit Verweis auf vertrauliche Unterlagen des Auswärtigen Amtes berichtet, dass der Bundesnachrichtendienst bereits vor dem 17. Juli der Bundesregierung in den Lageberichten gemeldet habe, dass es "über der Ukraine in den umkämpften Gebieten keine Luftsicherheit mehr gibt". Aber am Ende warnte niemand die Fluggesellschaften vor der drohenden Gefahr.

© dpa, Robert Ghement Lesen Sie auch: MH17: Bundesregierung wusste angeblich von Abschussgefahr über Ukraine

Es ist unglaublich, wie eklatant das Bundesverkehrsministerium hier gegen seine elementare Pflicht verstoßen hat. Man erinnert sich, dies ist das gleiche Ministerium, wenn auch damals unter anderem Minister, das wegen der Aschewolke des Eyjafjallajökull in 2010 unnötigerweise ein nationales Flugverbot ausgesprochen hatte. Zur Entschuldigung wurde damals argumentiert: "Was wäre los, wenn auch nur ein einziger Passagier zum Beispiel auf dem Flug nach Mallorca deshalb abstürzen würde?"

"Roulette" über der Ostukraine lässt mich frösteln

Aber jetzt war das Leben von Hunderten Flugpassagieren einer Art "Roulette" - so hat es ein Anwalt der Malaysia-Airlines-Opfer formuliert - über der Ostukraine ausgesetzt. Ich bekomme jetzt noch Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie knapp hier Glück und Unglück zufällig nahe beieinander lagen. Nicht näher benannte Insider behaupten, dass die Ukraine die notwendige Sperrung des Luftraumes nicht vornehmen wollte, weil es hier um Gelder für Überflugrechte in Millionenhöhe ging. Aber das dürfte doch wohl für unseren Maut-Minister Alexander Dobrindt (CSU) keine Argumentation gewesen sein.

Auch dem Auswärtigen Am, das pflichtgemäß deutsche Touristen und Geschäftsreisende warnt, wenn es irgendwo auf einem Marktplatz in Südamerika gefährlich werden könnte, lagen diese Informationen vor. Warum kam von dort keine Warnung? Hatten hier, für unseren regelmäßigen Kiew-Reisenden und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) außenpolitische Interessen Vorrang? Es war schon in der Vergangenheit selten nachvollziehbar, wie das Auswärtige Amt Außenpolitik gegen Sicherheit von Reisenden abwägt.

Andere waren besser informiert als die Lufthansa

Da einige andere Fluggesellschaften - unter anderem auch Air Berlin - an diesem Tag, ganz im Gegensatz zur Lufthansa, ihre Flugroute bereits geändert hatten, stellt sich hier die Frage, woher diese ihre besseren Informationen hatten.

Auf Einladung des Verkehrsministeriums untersucht zurzeit eine Luftfahrt-Expertengruppe, wie man die Sicherheit im Luftverkehr generell verbessern kann. Modifizierungen an der Cockpittür, Zwei-Personen-Regelung im Cockpit und vieles mehr stehen zur Beratung an. Um am Ende erfolgreich zu sein, sollte man dringend auch das Verhalten des Verkehrsministeriums in die Sicherheitsüberlegungen einbeziehen. Denn was können alle Maßnahmen am und im Flugzeug bewirken, wenn das Ministerium so eklatant gegen seine Informationspflichten verstößt?

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, TUI-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt