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Ein Logo der Lufthansa zwischen Logos der Air Berlin Mitte Oktober 2017 am Flughafen Berlin-Tegel. © dpa / Ralf Hirschberger

Das Air-Berlin-Aus führt in den kommenden Monaten zu deutlichen Angebotslücken. Der letzte AB-Flug ist für Freitag, 27. Oktober, angesetzt. Dann beginnt der Winterflugplan - ohne Air Berlin.

Bislang gibt es keine Einigung mit Easyjet, die angeblich Interesse an einer Übernahme größerer Teile der innerdeutschen Air-Berlin-Angebote hatte. Das betrifft vor allem innerdeutsche Routen sowie zahlreiche Europa-Verbindungen.

Mit der Einstellung des Flugbetriebs von Air Berlin verschwinden von heute auf morgen rund 250 Flüge aus dem Angebot. So viele hatte die insolvente Fluggesellschaft zuletzt im Durchschnitt noch täglich im Programm. Einige Verbindungen entfallen in der Folge zumindest übergangsweise ersatzlos.

Vor dem Insolvenzantrag am 15. August waren es täglich sogar etwa 450. Ohne kurzfristige Einigung mit Easyjet fehlen somit auch auf einigen der meist beflogenen innerdeutschen Routen große Kapazitäten:

Innerdeutsche Air-Berlin-Routen
Route
Originärpassagiere
(ohne Umsteiger)
in beide Richtungen
Air Berlin
(bisheriger Anteil)
München Berlin
1,6 Mio.
47 %
Hamburg
1,4 Mio.
38 %
Düsseldorf
1,2 Mio.
51 %
Köln/Bonn
0,8 Mio.
45 %
Berlin Köln/Bonn
1,80 Mio.
31 %
Frankfurt
1,1 Mio.
30 %
Stuttgart
1,0 Mio.
55 %
Düsseldorf
1,0 Mio.
56 %
Nürnberg
0,20 Mio.
41 %
Saarbrücken
0,11 Mio.
100 %
Karlsruhe
0,09 Mio.
100 %
Hamburg Düsseldorf
0,50 Mio.
48 %
Düsseldorf Nürnberg
0,20 Mio.
50 %
Stuttgart
0,10 Mio.
100 %
Westerland
0,07 Mio.
100 %

Originärpassagiere gesamt pro Jahr und bisheriger Marktanteil von Air Berlin (angenäherte Werte). Berechnungen: Kuhne

Hinzu kommen die Lücken auf europäischen Air-Berlin-Verbindungen, etwa nach Österreich oder in die Schweiz. Mit dem Ende von Air Berlin entstehen so zum Teil dramatische Kapazitätsengpässe oder sogar komplett wegfallende Verbindungen aus den Flugplänen an deutschen Flughäfen.

"Das kann niemand kompensieren, auch die Lufthansa nicht, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Mittwoch bei der Präsentation der Quartalsergebnisse. Ab Samstag würden von den einst rund 140 Air-Berlin-Maschinen "80 bis 90 am Boden" bleiben. Der Flugverkehr werde in den kommenden Monaten dennoch deutlich "ruckeln", sagte Spohr.

Der Lufthansa-Konzern hatte bereits angekündigt, auf etlichen Strecken von und nach Berlin und Düsseldorf größere Flugzeuge einzusetzen, um die Nachfrage zu befriedigen. Um möglichst wenige Umsteiger an neue Konkurrenten zu verlieren setzt die Lufthansa Group dabei vor allem auf genügende Kapazitäten auf den Strecken zu ihren Drehkreuzen in Frankfurt, München, Wien und Zürich.

Lufthansa hält Niki und LGW in der Luft

Nicht von der Streichungen betroffen sind derweil einzig die unter Air-Berlin-Vermarktung und -Branding operierten Strecken der Ferienflugtochter Niki. Lufthansa will die österreichische Airline übernehmen, die auch schon bislang unter dem eigenen Flugcode HG operiert.

Für die Übergangsphase bis zur Genehmigung des Deals hat sich Lufthansa verflichtet, Niki in der Luft zu halten. Danach sehen die Planungen vor, dass die Marke verschwindet und Niki unter dem Dach der Eurowings operiert.

Flugausfälle und Verspätungen sind derweil aber auch bei der Lufthansa-Billigflugtochter selbst zu erwarten. Air Berlin war zuletzt mit rund 30 Flugzeugen für Eurowings im Einsatz. Diese Flugzeuge bleiben aber ab Samstag am Boden, da Lufthansa keine Air-Berlin-Crews direkt übernommen hat.

© dpa, Lesen Sie auch: Spohrs Pläne für Air Berlin

Zwar will Lufthansa nun unter anderem die übernommenen LGW-Regionalflugzeuge für diese Eurowings-Flüge einsetzen, allerdings sind die Dash-8-Maschinen viel kleiner als die A320, die zuvor im Air-Berlin-Wet-Lease für den Lufthansa-Billigflieger zum Einsatz kamen.

Lufthansa mietet externe Kapazitäten für Eurowings

Zusätzlich mietet Lufthansa daher externe Kapazitäten an. So wird Sunexpress Deutschland zwei weitere Boeing 737 für Eurowings einsetzen. Laut Flugplandaten hat Lufthansa zudem mehrere A319-Flugzeuge von Czech Airlines für die Wintersaison gechartert. Auch Flugzeuge der schweizer Privatair und der Lufthansa-Group-eigenen Brussels Airlines sollen aushelfen.

Neben den Ausfällen im Kurz- und Mittelstreckenbereich sind bereits alle Air-Berlin-Langstreckenflüge ersatzlos entfallen. Die Lücken schließen sich bereits langsam wieder. So legt Lufthansa kurzfristig neue Langstrecken-Verbindungen in Berlin und Düsseldorf auf.

© Air Berlin, Lesen Sie auch: Der Versuch eines Air-Berlin-Zwischenfazits Apropos (21)

Auch andere Airlines stoßen in die Lücken, die Air Berlin hinterlassen wird. So fliegt etwa Germania deutlich mehr in Berlin und auch Tuifly hat kurzfristig ein größeres Berlin-Programm aufgelegt. Luxair übernimmt derweil Saarbrücken-Berlin. Dennoch ist mit einer Normalisierung im Angebot erst zum Sommer 2018 zu rechnen. Die Slots werden auf der kommenden Slotkonferenz der IATA im November neu verteilt.

Viele Air-Berlin-Kunden gehen leer aus

Den Air-Berlin-Kunden kann die Neuaufteilung des Marktes allerdings egal sein. Ihre Tickets werden nicht von der Konkurrenz akzeptiert. Betroffen sind vor allem alle Kunden, die ihr Ticket vor dem 15. August gekauft haben, dem Tag der Air-Berlin-Insolvenzeinreichung. Sie sehen ihr Geld mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht wieder.

Für später gekaufte Tickets gibt es mehr Hoffnung auf Erstattung. Air Berlin hatte Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet, damit landeten alle während der Insolvenz gekauften Tickets bei einer Stornierung des Flugs in einem anderen Topf.

Wie die "Wirtschaftswoche" unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtete, will das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg in der kommenden Woche das Insolvenzverfahren eröffnen. Geplant ist demnach Mittwoch, der 1. November. Dann können Forderungen eingereicht werden.

© dpa, Peter Kneffel Lesen Sie auch: Lufthansa will Air-Berlin-Tickets nicht akzeptieren

Doch Passagiere haben Rechte: Nach der EU-Fluggastrechteverordnung stehen ihnen je nach Flugstrecke 250, 400 oder 600 Euro zu, wenn ihr Flug kurzfristig gestrichen wird oder sich stark verspätet. Deutliche Änderungen der Flugzeit kommen in vielen Fällen rechtlich einer Annullierung gleich. Entschädigungsanspruch haben auch Passagiere, die gegen ihren Willen nicht befördert werden.

Es gibt aber Einschränkungen: Nicht zahlen muss die Airline, wenn sie größere Änderungen bei den Flugzeiten mindestens 14 Tage im Voraus angekündigt hat. Es kommt hier darauf an, wann die Fluggesellschaft den Passagier über den Ausfall informiert. Darüber hinaus entfällt der Anspruch auf Ausgleichszahlungen auch, wenn außergewöhnliche Umstände zu einem Flugausfall führen.

Bei einer Annullierung oder Nichtbeförderung muss die Airline grundsätzlich eine Ersatzbeförderung anbieten oder die Kosten für das Flugticket erstatten. Das gilt in jedem Fall.

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