Cottbus wird Forschungszentrum für synthetische Kraftstoffe

In Cottbus soll an einem neuen Kompetenzzentrum die Herstellung synthetischer Kraft- und Grundstoffe aus elektrischer Energie erforscht werden. Für mehr Klimaschutz im Luftverkehr müssen derartige Verfahren in großem Maßstab wettbewerbsfähig werden.

Wegweise zur BTU Cottbus (Symbolbild) © Adobe Stock Nr. 102406725

Damit die Energiewende gelingt, werden in den kommenden Jahren Brennstoffe gebraucht, die auf Strom basieren. In Cottbus soll für die nachhaltige Erzeugung und Nutzung solcher Stoffe ein Kompetenzzentrum entstehen. Das teilte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) bei einem Besuch in der Brandenburgischen-Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) mit, wo das Zentrum seinen Standort haben soll.

Zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das die Demonstrationsanlage als Forschungszentrum begleiten wird, sollen in Cottbus die Möglichkeiten der Herstellung in großindustriellem Maßstab erforscht werden. Eine solche Anlage sei der nächste logische Schritt Richtung Markteinführung von strombasierten Kraftstoffen, sagte Uwe Riedel vom DLR-Institut für dekarbonisierte Industrieprozesse der Deutschen Presse-Agentur. An der Anlage könne untersucht werden, wie wirtschaftlich die Brennstoffe seien und was sie am Ende pro Liter kosten.

"Das ist eine ganz tolle Nachricht, weil das an unsere Kompetenz, an der wir seit vielen Jahren schon forschen, andockt", sagte BTU-Präsidentin Christiane Hipp der Deutschen Presse-Agentur. Die Universität habe sowieso vorgehabt, in diesen Bereichen neue Professorenstellen einzurichten.

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Strom zu Sprit

Mit den so genannten Power-to-X-Technologien (PtX) sind strombasierte Brenn-, Kraft- und Grundstoffe gemeint. Sie ermöglichen es, Stromüberschüsse, etwa bei einem Überangebot erneuerbarer Energien aus Sonne oder Wind, zu speichern oder im Wärme- oder Verkehrsbereich zu nutzen.

PtX werde in Zukunft international gefragt sein, sagte Schulze. Auf dem Weg in eine klimaneutrale Weltwirtschaft werde es nicht reichen, nur die Stromerzeugung auf erneuerbare Energien umzustellen. Schulze kündigte an, dass auch eine Demonstrationsanlage zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe aufgebaut werden solle. Über deren Standort werde noch beraten. Geplant seien bis zu 80 neue Arbeitsplätze.

Für die Erprobung und Einführung innovativer PtX-Technologien ist eine Zusammenarbeit auf vielen Ebenen von der Erzeugung bis zum Verbrauch notwendig. Führende Vertreter unter anderem von BASF, Rolls Royce, der Lufthansa Group und des DLR bekräftigten in einer Erklärung an die Bundesministerin ihren Beitrag dazu.

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Mit der Entscheidung der Bundesregierung kommt auf diese Weise ein zweites Kompetenzzentrum nach Cottbus. Eine erste vom Bund finanzierte Denkfabrik für Klimaschutz in energieintensiven Industrien soll noch in diesem Jahr in Cottbus eröffnet werden. Für den Aufbau sind 2019 zwei Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt eingeplant. Noch in diesem Jahr sollen einem Sprecher des Ministeriums zufolge zehn Arbeitsplätze entstehen und ab 2020 weitere hinzukommen.

Von: hr, dpa

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