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Corona-Abstrichstationen am Flughafen Stockholm-Arlanda © TT News Agency/AP/dpa / Claudio Bresciani

Mit der Serie zur Corona-Lage ordnet airliners.de seit April 2020 regelmäßig die Sars-Cov-2-Situation speziell für die deutsche Luftfahrtbranche ein. Welche Märkte sind besonders betroffen, welche Entwicklungen stimmen zuversichtlich? Im Februar bleibt das Thema Corona-Varianten für die Luftfahrt wichtig. Vor allem, weil die Datenlage weltweit äußerst schlecht ist und viele Länder Angst vor den Auswirkungen haben. Dementsprechend wird dieser Lagebericht sich erstmals weniger auf die Inzidenz konzentrieren

Der Februar ist wieder ein schwieriger Corona-Monat. Denn der Fokus muss nicht mehr nur auf die reinen Inzidenz-Zahlen gerichtet werden, sondern auch auf die Variantenverbreitung. Das war zwar schon vorher ein Thema, doch die Auswirkungen waren gering. Im Sommer etwa verbreiteten sich im Europa die Varianten 20A.EU1 aus Spanien und 20A.EU2 aus Frankreich auch in Deutschland. Viel Beachtung fand das nicht, auch airliners.de erwähnte dies nur kurz im Lagebericht vom November 2020. Besondere Auswirkungen durch die Mutationen dieser Varianten gab es weder auf die Weitergabe einer Infektion noch auf Krankheitsverläufe oder gar Impfstoffe. Sie waren aber interessant, weil sich darüber Verbreitungswege nachvollziehen ließen.

Diesbezüglich sehr lesenswert für die Reisebranche ist auch das Epidemiologischen Bulletin 8/2021 des Robert Koch Instituts. Auf 13 Seiten behandelt das RKI die reiseassozierten Fälle. Für die Reisebranche eigentlich wichtige Informationen. Denn der normale Urlaub mit Maßnahmen beim Sightseeing ist kein allzu großes Problem. Schwierig ist hingegen der Familienverkehr mit entsprechenden Besuchen im Ausland. Dieser findet auch in den Ferien statt, bringt allerdings zahlreiche Infektionen zurück.

Eigentlich beinhaltet der Bericht viele positive Einordnungen für die Reisebranche, wenn nur nach Inzidenz gegangen wird. Das hat sich nun schlagartig geändert. Unter Berücksichtigung der bedenklichen Varianten (Variants of Concern, VOC) sind es keine guten Nachrichten, denn die Varianten unterscheiden nicht zwischen bestimmten Reisetypen und an der Grenze lässt sich nicht feststellen, ob eine Reise Party-Charakter hat, von harmlosem Sightseeing bestimmt wird oder der Besuch bei der Familie ist. Es reicht im Zweifel eine Person, die dann für lokale Übertragungen sorgt. Als Folge werden die Länder noch vorsichtiger.

Deutschland kommt nicht unter eine Sieben-Tage-Inzidenz von 50

Mit den aktuellen Maßnahmen gelang es seit Anfang des Jahres die Inzidenzen recht deutlich zu reduzieren. Das war ein Glücksfall, denn so sind mehr Kapazitäten für die schwerer zu bekämpfenden Varianten vorhanden. Gemeint sind damit jene aus England (501Y.V1 alias B.1.1.7), aus Südafrika (501Y.V2 alias B.1.351) und Brasilien (501Y-V3 alias P.1 als Abkömmling von B.1.1.28). Allen gemeinsam ist eine allgemeine höhere Gefahr sich anzustecken oder auch wieder anzustecken, was vor allem für die V2- und V3-Varianten gilt. Aber dazu später mehr.

Trotzdem ist die Sieben-Tage-Inzidenz je 100.000 Einwohner im Schnitt in Deutschland immer noch über 50 und in Thüringen derzeit sogar noch über 100. Nach der deutlichen Reduktion, die die Wirksamkeit der Maßnahmen eigentlich belegen, kam es noch während dieser Maßnahmen zu einer Tal-Bildung und damit einem gewissen Stillstand. Aus dem Risikostatus für andere Länder kommt Deutschland deswegen erst einmal nicht heraus, was wiederum für Reisen ab Deutschland zu einem Problem führt.

Warum das der Fall ist, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Der Verdacht liegt aber nahe, dass, basierend auf Erfahrungen anderer Länder, die Mutationen einen gewissen Anteil haben, sie lassen sich schwerer Eindämmen. Um das herauszufinden braucht es aber mindestens PCR-Tests, die auch auf Varianten - oder präziser: bestimmte Mutationen der Varianten - hin prüfen. Noch besser ist die Sequenzierung entsprechender positiver Proben. Deutschland hat allerdings nur geringe Kapazitäten, was diese Möglichkeiten angeht. Wie fast die gesamte Welt.

Bessere Daten zu Varianten kommen bald

Allerdings dürfte sich das Bild in den nächsten Wochen bessern. Zum einen ist die Phase 1 des deutschen Sequenzierungshubs (Desh) https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/DESH/DESH.html vom Robert Koch Institut (RKI) in Betrieb gegangen, die Sequenzierungsdaten besser zentral und vor allem repräsentativ erfassen will. Erschwerend kommt hier allerdings ein zusätzlicher Meldeverzug hinzu. Bis zu zehn Tage können zwischen einem positiven PCR-Test und einer Übermittlung der Vollgenomsequenzierung an das RKI vergehen, vorausgesetzt PCR-Labor und sequenzierendes Labor sind identisch.

Coronavirus-Inzidenz auf 14-Tage-Basis. Datenstand: 25. Februar 2021. © ECDC

Zum anderen gibt es aber auch Anstrengungen einzelner Bundesländer. Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg sagte auf Nachfrage von airliners.de am 18. Februar, dass das Bundesland noch zehn bis 14 Tage brauchen würde, um alle täglich anfallenden positiven PCR-Tests sequenzieren zu können. Die sinkende Inzidenz hilft dem Programm. Spätestens Anfang März sollten also sehr gute, repräsentative Daten zu Varianten in dem Bundesland vorliegen. Statistiken, wie hoch der Sequenzierungsanteil ist, werden in den Lageberichten nicht genannt. Damit alle positiven PCR-Tests sequenziert werden können, muss die Inzidenz allerdings niedrig bleiben. Laut Ministerium liegt die Laborkapazität bei über 8000 Sequenzierungen pro Woche. Derzeit ist das ausreichend, da weniger als 1000 Fälle pro Tag gemeldet werden. Sehr stark darf die Inzidenz also nicht steigen.

Bisher wird neben der Sequenzierung auch mit sogenannten Target-PCR-Tests gearbeitet, die auf Schlüsselmutationen prüfen. Damit lässt sich zwar nicht die exakte Variante bestimmen, wohl aber bedenkliche Varianten im Allgemeinen erkennen, da diese unabhängig voneinander bestimmte, gleiche Mutationen entwickelt haben.

Allerdings betonen Baden-Württemberg wie auch das RKI immer noch, dass die aktuellen Zahlen zu Varianten stark verzerrt sind, da gerade in der Anfangszeit gezielt nach Infektionen mit Reiseassoziation gesucht wurde. Die Vorberichte, etwa vom RKI (17. Februar, PDF) und der Lagebericht Baden-Württembergs (23. Februar, PDF) deuten auf ein Problem hin. Die Zahlen müssen jedoch mit Vorsicht interpretiert werden.

Varianten müssten getrennt betrachtet werden

Zu beachten ist, dass es starke Hinweise auf zwei gegenläufige Entwicklungen gibt. Die früheren Varianten, in manchen Publikationen auch "Wildtypen" genannt, sinken. Die neuen Varianten hingegen steigen. Vor allem bei 501Y.V1, ist das auch über absolute Zahlen teilweise zu beobachten. Die Relationen sind allerdings - wenn überhaupt - nur grob einschätzbar.

Aufgrund der regionalen Unterschiede lässt sich leider durch die Arbeit in Baden-Württemberg nicht auf andere Bundesländer einfach schließen. Diese haben zum Teil erhebliche Schwierigkeiten, das Thema zu bearbeiten. Der Lagebericht der Hauptstadt beinhaltet das Thema gar nicht und aktuelle Pressemitteilungen zur Thematik sind airliners.de ebenfalls nicht bekannt. Stattdessen übernimmt die lokale Presse diese Aufgabe mit gezielten Nachfragen.

Dieser fällt allerdings die statistische Einordnung sehr schwer. So soll der Anteil der Variante 501Y.V1 bereits vor ein bis zwei Wochen bei 25 Prozent gelegen haben. Wird vorausgesetzt, dass die Inzidenz sinkt und die Variante schwerer eindämmbar ist, muss der relative Anteil zwangsläufig steigen. Eine absolute Steigerung lässt sich daraus aber nicht schließen. Diese statistisch sehr wichtige Betrachtung fällt oft weg im schnelllebigen Nachrichtengeschäft.

Weitere Daten (PDF) liefert zusätzlich der Verein Alm, dessen Labore maßgeblich für die PCR-Testungen in Deutschland verantwortlich sind. Hier liegt der Anteil bundesweit bereits bei fast 30 Prozent für die V1-Variante. Die V2-Variante kann sich gar nicht durchsetzen und die V3-Variante, die der Alm-Verein B.1.1.28 benennt, findet sich noch nicht in den Statistiken. Die Daten dürften von hoher Qualität sein, doch Genaues zur Erhebung fehlt noch.

Besorgniserregende Entwicklungen in Dänemark und England zeigen die Richtung

Um hier Analogien ziehen zu können, lohnt ein Blick auf die Sequenzierungs-Musterländer Dänemark und das Vereinigte Königreich. Hier lässt sich der Anteil Sars-Cov-2-Viren mit bedenklichen Mutationen sehr gut nachverfolgen. Sobald in Deutschland die Datenqualität steigt, lässt sich daraus zumindest ableiten, ob die aktuellen Maßnahmen gegen die V1-Variante wirken könnten, das sieht allerdings nicht besonders gut aus.

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