Corona-Krise gefährdet Boeings Embraer-Übernahme

Boeing könnte in der Corona-Krise zügig die nötige Liquidität ausgehen, um die Embraer-Übernahme zu stemmen. Der vereinbarte Kaufpreis liegt weit über dem Wert, den die Kapitalmärkte Embraer noch zumessen.

In der Montagelinie von Embraer. © Embraer

Der rasante Wertverlust der Unternehmen und aufziehende Liquiditätsprobleme in der Luftfahrtbranche könnten Folgen für die geplante Übernahme von Embraers Sparte für kommerzielle Luftfahrt durch Boeing haben. Angesichts der jüngsten Ereignisse hätten sich die Chancen weiter erhöht, dass der Deal nicht zustande komme, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters Analysten.

Die Boeing-Aktie hat seit Jahresbeginn um 70 Prozent an Wert verloren. Zum nach wie vor bestehenden weltweiten Grounding um die 737 Max und einen Produktionsstop für das Modell gesellte sich nun die Corona-Krise. Der Konzern dringt auf hohe Staatshilfen, um die eigene Liquidität und die der Zulieferer sicherzustellen.

Die Embraer-Aktie gab seit 2018, als die Übernahme verhandelt wurde, ebenfalls stark nach. Der Marktwert des zum Verkauf stehenden Geschäftsbereichs der Regionalflugzeuge beläuft sich gegenwärtig auf noch 1,3 Milliarden Dollar. Laut Kaufvertrag soll Boeing aber 4,2 Milliarden Dollar für 80 Prozent der Sparte zahlen.

Boeing reagierte mit dem Übernahmeplan für Embraer 2018 auf den Kauf des-C-Series-Programms durch Airbus. Die Europäer haben den modernen 100- bis 150-Sitzer mittlerweile in Airbus A220 umgetauft und wollen die Produktion nach Verkaufserfolgen ausweiten. Durch den Zugriff auf die neuen E2-Jets von Embraer, die 70 bis maximal 150 Sitze bieten, will Boeing dagegenhalten.

Brasilien stimmt Deal zu, EU sperrt sich noch

Zumindest von Seiten der brasilianischen Kartellbehörden ist der Weg für den Deal mittlerweile frei. Die brasilianischen Wettbewerbshüter erteilten laut Medienberichten die endgültige Freigabe für die Übernahme. Die Entscheidung war in Brasilien umstritten.

Doch auch die EU hat erhebliche Bedenken angemeldet. Bei einem Zusammenschluss mit Boeing würde "Embraer als drittgrößter Anbieter im ohnehin schon stark konzentrierten Markt für Verkehrsflugzeuge wegfällt". Man habe daher eine "gründliche Prüfung" eingeleitet. Diese solle sicherstellen, dass der "Preiswettbewerb und die Produktentwicklung" auf dem Markt für Verkehrsflugzeuge durch den Zusammenschluss nicht vermindert werde, erklärte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager.

Eine erste Prüffrist bis zum 20. Februar wurde von der Kommission mittlerweile bis zum 30. April verlängert. In Branchenkreise gilt die Verlängerung auch als Aufforderung an Boeing, die EU-Bedenken durch Zugeständnisse aus dem Weg zu räumen.

© AirTeamImages.com, Dominik Spuller Lesen Sie auch: Embraer denkt über neues Turbopropflugzeug nach - Boeing soll helfen

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Von: dk

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