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Analyse Diese Flugverbindungen gibt es noch

Nach der Corona-Abschottung in weiten Teilen der Welt halten Airlines ihre Flotten am Boden. Dennoch gibt es weiterhin Flüge. Eine Momentaufnahme zu den noch verbliebenen Verbindungen an ausgewählten deutschen Flughäfen.

Flugbesatzungsmitglieder tragen Mundschutz. © dpa / Kin Cheung/AP

Im Zuge des Corona-Nachfragerückgangs halten Fluggesellschaften weltweit ihre Flugzeuge am Boden. Verschärfte Einreisebeschränkungen, erweiterte Quarantäne-Bestimmungen und teils der Wegfall des Versicherungsschutzes aufgrund der allgemeinen Reisewarnungen verhindern, dass Passagiere fliegen.

An Langstreckenflüge ist daher kaum noch zu denken. Aber die Beschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie gelten selbst für Flüge innerhalb der EU. Brussels Airlines, Air Baltic, Luxair und Austrian haben ihren Betrieb sogar komplett eingestellt, um nur einige zu nennen. Laut Eurocontrol war der Flugverkehr in Europa am 25. März mit rund 5800 kontrollierten Flügen um 79 Prozent geringer als im Vorjahr.

 

Situation an deutschen Flughäfen

Dennoch gibt es nach wie vor Flugverbindungen an deutschen Flughäfen. Zumindest innerdeutsch können die Menschen weiterhin reisen, auch mit dem Flugzeug. Sogar manche Grenzüberschreitung im EU-Binnenmarktraum ist noch möglich, sofern wie vom Bundesinnenministerium gefordert, ein dringlicher Reisegrund genannt werden kann.

Die Anzahl der Flüge im Kurzstreckenbetrieb ist aber gering. Im deutschsprachigen Raum halten vor allem Swiss und Lufthansa den Betrieb aufrecht. Manche Städteverbindungen sind allerdings soweit zusammengestrichen, dass ein geschäftlicher Tagestrip kaum noch möglich ist.

Die folgenden Angaben sind eine Momentaufnahme ausgewählter Flughäfen des 26. und 27. März und können sich jederzeit kurzfristig ändern. Die Änderungen im Zuge der Corona-Krise sind mitunter so kurzfristig, dass selbst offizielle Datenbanken, die von vielen Anbietern und Reise-Apps verwendet werden, eigentlich gestrichene Flüge noch als abflugbereit anzeigen.

Verkehr an den Drehkreuzen

An Deutschlands Drehkreuzen Frankfurt am Main und München findet noch ein für die Zeit erklecklicher Flugverkehr statt. Es gibt noch zahlreiche Verbindungen, wenn auch nicht mit der sonst gewohnten Frequenz. Zudem existiert an diesen Drehkreuzen auch noch ein minimaler Interkontinental-Verkehr von und nach Deutschland. Auch die anderen europäischen Drehkreuze sind über die beiden deutschen Drehkreuze weiterhin fast vollständig erreichbar.

In Frankfurt wird durch die Lufthansa etwa ein gewisser Hub-Minimalverkehr aufrecht erhalten, allerdings mit teilweise zeitaufwendigen Umsteigezeiten. Flugverbindungen nach Hamburg, München, Wien und Zürich existieren weiter und werden sogar zwei Mal täglich geflogen. Verbindungen innerhalb Deutschlands werden zum Teil weiterhin über Codeshare-Zugverbindungen geboten.

Die Lufthansa selbst verbindet darüber hinaus von Frankfurt aus weiterhin Destinationen wie etwa Amsterdam, Barcelona, Brüssel, Kopenhagen, London, Stockholm und Paris. Weiter entfernte Ziele wie Brasilien, China, Japan, Katar, Kanada, Kuwait, Taiwan und die USA sind aktuell ebenfalls noch erreichbar. In vielen Fällen allerdings über Carrier aus eben jenen Heimatländern. Nur wenige interkontinentale Routen werden noch von der Lufthansa beflogen.

Ein Passagier durchläuft die Sicherheitssleuse am internationalen Flughafen von Salt Lake City. Foto: © dpa, Rick Bowmer/AP

Auch Condor fliegt noch ein Minimalprogramm ab. Neben verschiedenen Rückhol-Flügen geht es ab Frankfurt derzeit beispielsweise noch dreimal wöchentlich nach Palma de Mallorca, zweimal nach Teneriffa sowie je einmal nach Jerez de la Frontera und Grand Canaria. Mit Seattle ist sogar noch eine Langstrecke im Linienflugplan - zweimal pro Woche gibt es die Verbindung mit US-Anschlussflügen über den Partner Alaska Airlines.

In München sieht die Situation ähnlich aus, allerdings mit deutlich weniger Lufthansa im Flugplan. Die europäischen Drehkreuze werden aber in der Tendenz von den jeweiligen Heimatcarriern bedient. Darunter fallen beispielsweise Amsterdam, Athen, Dublin, Helsinki, London, Madrid, Paris und Rom. Die Lufthansa übernimmt allerdings die Anbindung von Brüssel.

Abseits der bereits genannten Verbindungen gibt es noch einzelne Flüge nach Hamburg, Wien und Zürich. Der weitere internationale und interkontinentale Verkehr in München wird derzeit aber nur vom Ausland aus betrieben. Ziele gibt es beispielsweise derzeit noch in Japan, Kanada, Katar, Thailand, Usbekistan und den USA.

Berlin ist noch gut angebunden

Die Deutsche Hauptstadt ist ebenfalls noch recht gut per Flugzeug angebunden. Auch wenn es deutliche Einschränkungen gibt, fliegen in Berlin noch Flugzeuge zu etlichen Destinationen.

Die für die Politik wichtige Verbindung nach Köln/Bonn wird am heutigen Freitag mit zwei Umläufen bedient. Am Donnerstag zeigen die Flughäfen allerdings keine Verbindung an. Es gibt also Verbindungen für Wochenendheimkehrer in beide Richtungen am Nachmittag sowie am Abend.

In Richtung der Drehkreuze Frankfurt und München geht es ab Berlin mit der Lufthansa weiter. Frankfurt wird immerhin drei Mal pro Tag und Richtung angebunden und München noch zwei Mal.

© Adobe Stock, 330804509, OSORIOartist Lesen Sie auch: Die wichtigsten Informationsquellen zum Coronavirus Hintergrund

Die Verbindung Berlin-Stuttgart gehört zu den innerdeutschen Beispielen, bei denen zu Corona-Zeiten ein Tagestrip schwierig wird. Eurowings startet nur noch einmal pro Tag. Üblich sind eigentlich mehr als ein Dutzend Verbindungen pro Tag, die sich auf Eurowings und Easyjet aufteilen. Immerhin kommen Berliner Fluggäste morgens nach Stuttgart und abends auch wieder zurück. Andersherum sind hingegen zwei Hotelübernachtungen einzukalkulieren. Das ist besonders unangenehm, weil die Bahnverbindung von Stuttgart nach Berlin recht zeitaufwendig ist.

Von und nach Zürich sieht es ähnlich aus. Nur am frühen Nachmittag fliegt eine Maschine zwischen den beiden Großstädten. Das verwundert aber nicht, da es eine sehr deutliche Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gibt und Einreisebechränkungen gelten. Wer von Berlin nach Wien will, der hat dagegen derzeit keine Chance mehr auf dem direkten Luftweg, denn auch für Österreich gelten strikte Einreisebeschränkungen.

Dennoch bestehen weiter Anbindungen an wichtige europäische Hubs wie Amsterdam, Helsinki, und London, die von KLM, Finnair und British Airways aufrechterhalten werden. Auch Rom, Kiew und Dublin sind mit den jeweiligen Flagcarriern noch erreichbar.

Und auch Qatar Airways fliegt Berlin weiterhin an und bringt so Urlauber zurück. Der Fluggesellschaft zufolge sind immerhin 72 Prozent der Fluggäste der Airline derzeit Fluggäste, die in das Land ihrer Staatsbürgerschaft zurückkehren. Das bezieht sich auf die Woche bis zum 25. März.

© Vietnam Airlines, Lesen Sie auch: Notflugpläne und temporäre Aussetzungen in der Coronakrise Netz & Strecken

Ab Schönefeld sind ebenfalls noch einige Flugzeuge unterwegs. So bieten beispielsweise Aeroflot, Ryanair und Wizz Air zumindest in der aktuellen Woche noch einzelne Verbindungen an. Damit sind Fluggäste, die nach Moskau, Dublin sowie London respektive Kiev sowie Budapest müssen, abgedeckt. Allerdings hat Ryanair bereits angekündigt, ab kommender Woche alle Flüge einzustellen.

Düsseldorf und Köln/Bonn

In Düsseldorf gibt es ebenfalls noch nennenswerten Verkehr. So fliegt Eurowings München derzeit zwei Mal täglich an. Hamburg wird am heutigen Freitag nur einmal angeboten, während der gestrige Donnerstag zwei Flüge hatte. Auch Verbindungen nach Salzburg, Wien und Zürich werden mit einzelnen Flügen aktuell noch gelistet. Allerdings nicht immer täglich.

Wie auch in Berlin bleibt zudem die Anbindung an viele europäische Drehkreuze bestehen. Dazu gehören unter anderem Amsterdam und London. Eurowings setzt derzeit zudem noch viele Flugzeuge zu spanischen Zielen ein. Es ist hier also aktuell auch noch viel touristischer Rückholer-Verkehr unterwegs. Dublin und Rom sind ebenfalls noch in den Flugplänen. Außerdem flog die japanische ANA in dieser Woche noch den Flughafen Tokyo-Narita an, ab dem 29. März bedient ANA in Deutschland dann aber nur noch Frankfurt.

In Köln/Bonn sieht die Situation hingegen anders aus. Neben der bereits erwähnten Berlin-Verbindung gibt es nur noch eine Verbindung in die bayerische Landeshauptstadt, die von Eurowings durchgeführt wird. Vom internationalen Verkehr ist der Flughafen derzeit hingegen weitestgehend abgeschnitten.

Zwar schickt Eurowings einige Flugzeuge nach Faro, Lissabon und Teneriffa, doch diese Flüge kommen nur mit erheblicher Verzögerung wieder zurück: Touristen-Rückholer, wie sie auch an etlichen anderen deutschen Flughäfen in dieser Woche noch stattgefunden haben.

Ein kurzer Blick auf die geplanten Abflüge am Wochenende zeigt derweil ein ernüchterndes Bild. Die ohnehin geringen Frequenzen werden noch weiter heruntergefahren oder Routen mitunter gar nicht mehr angeboten. Erst am Montag wird das reduzierte Rumpf-Angebot dann wieder aufgenommen.

Schwer abschätzbare Gesamtlage

Noch gibt es also an einigen Flughäfen in Deutschland einen durchaus regen Flugverkehr - aber die Flüge dieser Tage bringen zu einem großen Teil lediglich Heimkehrer zurück. In den kommenden Wochen wird es noch ruhiger.

Trotzdem gibt es natürlich auch weiterhin noch Flugverkehr, auch abseits des Passagier-Linienflugbetriebs. Insbesondere Frachtflugzeuge sind weiter unterwegs, teils sind dies Militär-Maschinen aber auch Passagierflugzeuge werden dieser Tage als Frachter verwendet, ohne Passagiere mitzunehmen. Hinzu kommen die Privatjets der Business Aviation.

© AirTeamImages.com, ACEdwards Lesen Sie auch: In der Corona-Krise zeigt sich, wie unverzichtbar Luftfracht ist

Aufgrund der schwer absehbaren Lage rund um die Verbreitung von Sars-Cov-2 lässt sich derzeit kaum abschätzen, ob nicht noch weitere Flüge gestrichen werden. Kurzfristig erlassene nationale Regeln, wie etwa in den Vereinigten Arabischen Emiraten, können dafür sorgen, dass Destinationen von heute auf morgen komplett aus dem Netz herausgenommen werden.

Eine signifikante Verbesserung des Angebots in den kommenden Wochen kann aufgrund der aktuell weiter steigenden Covid-19-Erkrankungen wohl ausgeschlossen werden. Die bereits genannten Flüge dürften ein guter Hinweis darauf sein, wie der Minimalverkehr bis weit in den am Wochenende beginnenden Sommerflugplan aussehen wird.

Von: Andreas Sebayang

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