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Branchenplayer Corendon etabliert sich als Germania-Ersatz in Deutschland

Die bis vor Kurzem hierzulande noch weitgehend unbekannte Corendon fliegt plötzlich Urlauber von Flughäfen in ganz Deutschland. Die Airline nutzt die Lücken der Germania-Pleite. Ein Porträt.

737-800 der Corendon Airlines Europe © Flughafen Erfurt / Max Reymann
Eine Boeing 737-800 der Corendon Europe am Flughafen München. © Flughafen München GmbH
Corendon Airline und der Flughafen Rostock-Laage feiern den Start in die Flugsaison. © Flughafen Rostock-Laage
Die Corendon-Crew feiert zusammen mit Vertretern des Flughafens den Start in Münster/Osnabrück. © Flughafen Münster/Osnabrück
Corendon Airlines Europe fliegt in diesem Sommer von Düsseldorf nach Banjul. © Flughafen Düsseldorf

Mit Corendon hat sich auf dem deutschen Markt in den letzten Monaten ein neuer Player als feste Größe etabliert. Waren deren Flugzeuge noch im vergangenen Jahr äußerst selten in Deutschland unterwegs, so fliegen die Maschinen mittlerweile fast alle deutschen Flughäfen an, wenn auch teilweise mit eher dünnen Frequenzen.

Die drei unter derselben Marke operierenden Charter-Fluggesellschaften des gleichnamigen türkisch-niederländischen Touristikkonzerns füllen dabei zahlreiche Lücken, die die insolvente Germania Anfang des Jahres an deutschen Airports hinterlassen hat.

So bedient Corendon im Sommer etliche Urlaubs-Destinationen ab Bremen, Münster-Osnabrück, Erfurt und Dresden. Aber auch andere Regionalflüghäfen wie Friedrichshafen, Paderborn, Rostock und Memmingen stehen auf der Liste der insgesamt 19 deutschen Abflughäfen der drei Corendon-Airlines.

Mit rund einem Drittel der angebotenen Kapazitäten führt Köln/Bonn die Liste der größten Corendon-Ziele in Deutschland deutlich vor Leipzig mit etwa 15 Prozent an. Nürnberg, München und Düsseldorf sind weitere wichtige Flughäfen für die Airline.

Als Ziele dominieren klassische Warmwasser-Destinationen rund ums Mittelmeer und die Heimatbasis Antalya. Corendon bedient aber ab Deutschland auch ein durchaus exotisches Ziel. So lässt der Reiseveranstalter FTI Urlauber nonstop nach Banjul in Gambia fliegen, unter anderem aus Düsseldorf, Leipzig/Halle und Frankfurt.

Flugzeuge bleiben im Winter in Deutschland stationiert

Für den Winter stehen bei Corendon ebenfalls Ziele in der Türkei, Griechenland, Ägypten, auf den Balearen und den Kanarischen Inseln im Flugplan. Nach Angaben der Airline werden in der dunklen Jahreszeit Verbindungen von und zu 16 Flughäfen in Deutschland und vom Wiener Airport angeboten.

Laut CEO Yıldıray Karaer, der auch Mitgründer von Corendon ist, werden in dieser Wintersaison außerdem erstmals Flugzeuge in Köln/Bonn, Münster/Osnabrück und Nürnberg stationiert.

Dreimal Corendon

Eigentlich besteht die Gesellschaft aus drei Unternehmen: der zuerst gegründeten und in Istanbul Sabiha Gökcen (SAW) ansässigen Corendon Airlines, der Corendon Airlines Europe und der Corendon Dutch Airlines. Alle drei Gesellschaften sind auf das Urlaubsgeschäft mit Charterflügen spezialisiert und fliegen im Auftrag großer Reiseveranstalter.

Die in der Türkei angesiedelte Corendon Airlines darf aber wegen der Luftfahrtabkommen zwischen EU und Türkei von der europäischen Staatengemeinschaft aus keine anderen Ziele innerhalb der EU bedienen. Deshalb dominieren bei ihr Verbindungen von ganz Europa aus zur Heimatbasis Antalya.

Um auch auf dem großen innereuropäischen Touristik-Markt mitmischen zu können, wurden daher die Töchter in der EU gegründet. 2011 ging die Corendon Dutch Airlines mit Basis in Amsterdam an den Start, 2017 folgte die Corendon Airlines Europe mit Basis Malta. Die Holland-Sparte wurde aber kürzlich an den schwedischen Investor Triton verkauft.

Die Aufteilung der Airlines ist dabei so gegliedert, dass die Europe mit offizieller Basis in Malta zum Großteil deutsche Städte mit Warmwasserzielen am Mittelmeer verbindet. Unter den größten Destinationen finden sich Heraklion auf Kreta, Rhodos und Tel Aviv. Die Corendon Dutch tut im Prinzip das Gleiche, nur aus Holland heraus, also mit dem Ausgangspunkt Amsterdam.

Insgesamt bedient die Airline-Gruppe nach eigenen Angaben 145 Airports in 45 Ländern und transportiert rund 2,5 Millionen Passagiere pro Jahr.

Flottenstruktur

Ein Airbus A320 (MSN 81) der Global Aviation Operations, der im Wet Lease für Corendon fliegt. Foto: © AirTeamImages.com, Jan Severijns

Nach Informationen von CH-Aviation betreiben alle drei Corendon-Airlines zusammen 19 Boeing-Flugzeuge, die alle geleast sind. Den Fluggesellschaften gehört also nicht eine einzige Maschine selbst.

Corendon Dutch Airlines betreibt drei Boeing 737-800 und drei weitere der Schwester Corendon Airlines. Corendon Airlines Europe fliegt mit vier eigenen Boeing 737-800 und zwei weiteren der Schwester Corendon Airlines. Daneben hebt noch ein Airbus A320 von Orange2Fly im Wet Lease für die Fluggesellschaft ab.

Die eigentliche Corendon Airlines hat nach Informationen von CH-Aviation zwölf 737-800 in ihrer Flotte, wovon die fünf oben genannten Maschinen an die Schwestern verleast sind. Gleichzeitig fliegen sieben Flugzeuge im Wet Lease für die Airline: Fünf Airbus A320 von Global Aviation Operations, einen A320 von Orange2Fly und eine Boeing 737-800 von Go2Sky. In Summe sind also 14 Flugzeuge für die türkische Corendon Airlines unterwegs.

Die Flotte hätte eigentlich bereits mit neuen Maschinen der Boeing-737-Max-Familie wachsen sollen, was aber wegen des Grounding der Baureihe seit Frühjahr 2019 nicht geklappt hat. Corendon gehört nun zu den Betreibern, die von Boeing Entschädigung für den Ausfall fordern.

Die Corendon-Gruppe

Boeing 747 vor einem Corendon-Hotel nahe des Flughafens Amsterdam. Foto: © AirTeamImages.com, TT

Die Corendon Gruppe besteht aus weit mehr als den Fluggesellschaften. Die Corendon International Travel Group hat ihren Hauptsitz als Corendon International Travel B.V. im niederländischen Lijnden und vertreibt unter der Marke Corendon Vliegvakanties Pauschalreisen.

Corendon Touristic ist dabei der Incoming Partner in der Türkei. Corendon Hotels & Resorts betreibt zudem zahlreiche Hotels, vor allem in der Türkei, aber auch in Spanien, der Karibik und in Amsterdam.

Für ein Hotel in Amsterdam hat Corendon sogar eine Boeing 747 angeschafft. Der ehemalige KLM-Jumbo fliegt zwar nicht mehr und war auch nie für Corendon unterwegs, trägt aber die rot-weiße Livery des Konzerns. So macht er seit Anfang 2019 Werbung für ein Hotel der Muttergesellschaft am Flughafen Amsterdam-Schiphol.

Von: hr

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