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Germanwings-Copilot stellte bereits auf Hinflug Kollisionskurs ein

Die französischen Flugunfallermittler haben den Zwischenbericht zum Germanwings-Absturz vorgelegt. Der Bericht bestätigt die bisherigen Erkenntnisse und zeigt, dass der Copilot die Maschine bereits auf dem Hinflug kurzzeitig auf Kollisionskurs programmierte.

Blick in das Cockpit des verunglückten Airbus A320 mit der Kennung D-AIPX der Fluggesellschaft Germanwings. Das Bild entstand am 22. März 2015 auf dem Flughafen in Düsseldorf nach einem der letzten Flüge vor dem Absturz der Maschine in Frankreich. © dpa / Marius Palmen
Helfer bergen Wrackteile des abgestürzten Germanwings-Flugzeugs. © dpa / EPA/Yves Malenfer/DICOM/Ministere Interieur
Kondolenzbuch für die Opfer des Germanwings-Absturzes © dpa / Christian Charisius
Einsatzkräfte bergen ein Wrackteil der abgestürzten Germanwings-Maschine. © EPA / Claude Paris
Ein von der französischen Untersuchungsbehörde BEA zur Verfügung gestelltes Foto des Flugdatenrekorders der am 24.03.2015 abgestürzten Germanwings-Maschine. © BEA / Bureau d'Enquêtes et d'Analyses
Stimmenrekorder der abgestürzten A320 der Germanwings © Bureau d'Enquêtes et d'Analyses (BEA)
Stimmenrekorder der abgestürzten A320 der Germanwings © Bureau d'Enquêtes et d'Analyses (BEA)

Die Flugunfalluntersuchungen zum Germanwings-Absturz bestätigen eine bewusste Handlung des Copiloten. "Man kann schließen, dass er handlungsfähig war und dass alle seine Handlungen den gleichen Sinn hatten, nämlich das Flugzeug auf den Boden stürzen zu lassen", sagte der Direktor der französischen Flugunfallermittlungsbehörde BEA Rémi Jouty am Mittwoch bei der Vorstellung des ersten Zwischenberichts zm Germanwings-Flug 4U9525 in Le Bourget bei Paris. Damit bestätigten nun auch die Unfallermittler offiziell die bereits bekannten Erkenntnisse der französischen Staatsanwaltschaft zum Absturz des Germanwings-Airbus in den französischen Alpen.

Bereits auf Hinflug kurzzeitig Kollisionskurs eingegeben

Neue Erkenntnisse liefert der Bericht der Ermittler vor allem zum vorherigen Flug der Maschine. Als der Kapitän bereits auf dem Hinflug nach Barcelona kurzzeitig nicht im Cockpit war, regelte der Copilot den Angaben nach die Zielflughöhe im Autopiloten wiederholt für einige Sekunden auf 100 Fuß. Der 27-jährige korrigierte seine Eingaben dann aber, bevor er dem Kapitän den Zutritt zum Cockpit gewährte.

Die Eingaben der zu niedrigen Zielflughöhen seien während eines von der Flugsicherung angeordneten Sinkflugs geschehen, so dass für Lotsen und Crew keine ungewöhnlichen Flugbewegungen zu beobachten gewesen seien, teilten die Ermittler mit. Die Daten der Flugschreiber waren sowohl für den Unglücksflug von Barcelona nach Düsseldorf als auch für die letzten 50 Minuten des Hinflugs ausgewertet und synchronisiert worden.

Flughöhe (blau) und im Autopiloten eingestellte Zielflughöhe (türkis) während rund vier Minuten auf dem Hinflug. Foto: © BEA

Unglücksflug bewusst zum Absturz gesteuert

Ganz ähnlich agierte der Copilot dann, als er auf den Rückflug allein im Cockpit war. Dem Zwischenbericht zufolge stellte der 27-jährige den Autopiloten erneut auf 100 Fuß Zielhöhe. Dieses Mal korrigierte er jedoch die Eingabe nicht mehr. Lediglich die Zielgeschwindigkeit im Autopilotensystem wurde den Aufzeichnungen zufolge mehrfach nachgeregelt. In dieser Konfiguration sei das Flugzeug bis zum Absturz geflogen.

Trotz Aufforderungen über das Türverriegelungssystem, die Wechselsprechanlage sowie mehrfaches Klopfen und Rufen gewährte er zudem keinen Zugang mehr zum Cockpit. Kurz vor dem Aufprall sei dann das Steuer auf der Copilotenseite noch leicht bewegt worden. Der Eingriff war den Angaben zufolge jedoch nicht stark genug, um den Autopiloten außer Kraft zu setzen.

Tauglichkeitszeugnis zweimal nicht erneuert

Wie es im BEA-Zwischenbericht weiter heißt, hatte der Copilot einen Hinweis auf medizinische Untersuchungen in seiner Fluglizenz. Die Pilotenlizenz beinhaltete einen sogenannten SIC-Eintrag ("Specific medical examinations"). Dies bedeute, dass der Fliegerarzt vor einer regelmäßigen Beurteilung der Flugtauglichkeit die Behörde kontaktieren müsse.

In dem Bericht heißt es zudem, dass das Flugmedizinische Zentrum der Lufthansa das Tauglichkeitszeugnis des Mannes wegen seiner mit Medikamenten behandelten Depression im Jahr 2009 zweimal nicht erneuert habe. Im selben Jahr habe er dann ein neues Tauglichkeitszeugnis erhalten. Dies zeige, dass der Fall des Mannes damals aufmerksamer untersucht worden sei, sagte Jouty. Das medizinische Problem sei bekannt gewesen. Es sei untersucht worden, und es sei eine Entscheidung getroffen worden.

Zum Flugzeug selbst wurden keine sicherheitsrelevanten Fehlfunktionen festgestellt. Die Unfalluntersuchungen beschäftigen sich nun vor allem mit Ermittlungen zu den Rechtsgrundlagen, die es psychologisch gestörten Besatzungsmitgliedern ermöglichen, ihre Lizenz aufrecht zu halten. Zudem werden die technischen Verfahren zur Cockpitsicherheit genauer betrachtet. Ziel der Unfallermittler ist es, Vorschläge zu erarbeiten, wie ein ähnlicher Zwischenfall zukünftig zu verhindern ist.

© dpa, Ministere d l'interieur/Yves Malenfer Lesen Sie auch: Abgestürzte Germanwings-Maschine: Bergung der Wrackteile ist beendet

Der Airbus der Lufthansa-Tochter zerschellte am 24. März auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen. Alle 150 Menschen an Bord starben. Alle Meldungen zum Germanwings-Unglücksflug 4U9525.

Von: airliners.de, dpa

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