Condor kann den Schutzschirm bald verlassen

Condor nähert sich einem erfolgreichen Abschluss des Schutzschirmverfahrens, in dem sich der Ferienflieger seit Anfang Oktober befindet. Noch müssen aber einige Stellen der Übernahme durch die polnische PGL zustimmen.

Condor-CEO Ralf Teckentrup und Lot-CEO Rafal Milczarski. © Chris Christes

Für Condor könnte sich die Thomas-Cook-Pleite als kleiner Glücksfall erweisen. Diesen Eindruck erweckt jedenfalls Condor-Chef Ralf Teckentrup am Donnerstag in Frankfurt bei der Vorstellung des Zeitplans, der aus dem Schutzschirm und in die Arme der neuen polnischen Mutter führen soll.

Man rechne für Ende März mit der Wiedererlangung der vollen Eigenverantwortung ohne Aufsicht durch Dritte, sagte Teckentrup und beschrieb die Situation der Airline mit einem seit der Insolvenz der ehemaligen Mutter Thomas Cook im Management gern genutzten Mantra: "Condor kommt stärker aus dem Schutzschirmverfahren, als es reingegangen ist."

Ein Szenario, das im Herbst noch mehr wie eine Hoffnung klang, das mittlerweile aber durchaus wahrscheinlich scheint. Nach Zustimmung des Bundeskartellamts bereitet sich der Ferienflieger Condor auf eine neue Ära im Verbund mit der polnischen Luftfahrt-Holding PGL vor. "Die Verträge mit PGL sind in trockenen Tüchern," führte Teckentrup aus. Sie würden in Kraft treten, sobald Condor eine Reihe von "Closing-Bedingungen" erfüllt habe. Dazu gehörten neben dem Abschluss des Schutzschirmverfahrens vor allem die Zustimmung von Kartell-Behörde verschiedener europäischer Länder. Die wichtigste Genehmigung, die der deutschen Wettbewerbsaufsicht, liegt seit dieser Woche vor.

© Chris Christes, Lesen Sie auch: Bundeskartellamt erlaubt Condor-Übernahme durch PGL

Es seien noch einige administrative Dinge zu klären, bis man "spätestens Mitte April" aus dem Verfahren raus sei, so Teckentrup. Das passe auch genau mit den Rückzahlungsbedingungen für den vom deutschen Staat verbürgten KfW-Überbrückungskredit zusammen, dessen Volumen man sehr wahrscheinlich nicht voll ausreizen werde. Man habe bisher weniger Geld gebraucht als gedacht, da sich das Kern-Geschäft in den letzten Monaten überaus positiv entwickelt habe.

Nachdem die Lot-Mutter PGL im Januar den Zuschlag für Condor erhalten hatte und bindende Investment-Agreements vorliegen, wird es an dem neuen Airline-Verbund sein, den Kredit über 380 Millionen Euro nebst Zinsen zurück zu zahlen. Dazu zahlt Lot einen Kaufpreis, zu dessen Höhe sich weder die deutsche noch die polnische Seite äußern möchten. Von dem Geld sollen die rund 30.000 eingetragenen Condor Gläubiger, viele davon mit Kleinstbeträgen, über eine vereinbarte Quote anteilig ausgezahlt werden.

In der vergangenen Woche legte Condor beim zuständigen Gericht den sogenannten "Schutzschirmplan" vor. In diesem muss das Unternehmen einen nachvollziehbaren Restrukturierungsplan vorlegen, der von einer Mehrheit der unterschiedlichen Gläubiger-Gruppen gebilligt werden muss. Die Annahme des 75-seitigen Plans durch das Gericht in der eingereichten Form werten Teckentrup und der zuständige Sachwalter Lucas Flöther dabei als gutes Zeichen.

Noch fehlt allerdings die Zustimmung der Condor-Gläubiger. Deren Forderungen sollen bei einem Prüftermin Anfang März durch Flöther verbindlich aufgenommen werden, bevor die Gläubiger bei einem "Erörterungs- und Abstimmungstermin" Mitte März über den vorgelegten Plan abstimmen sollen.

Die Zustimmung der Gläubiger zur Sanierung ist für Teckentrup eher Formsache

Teckentrup sieht darin aber kein Problem: "Wir rechnen mit einer mehrheitlichen Zustimmung der sieben Gläubigergruppen zu dem Schutzschirmplan. Es ist schließlich materiell sinnlos, dagegen zu stimmen, dass man eine Quote erhält." Würden die Gläubiger dem Plan nicht zu stimmen, würden sie komplett leer ausgehen. Zuletzt hatte der Pesnionssicherungsverein PSV seine Zustimmung zu dem Plan jedoch in Frage gestellt. Darauf angesprochen gab sich Teckentrup jedoch unbeeindruckt. Er glaube an die wirtschaftliche Vernunft aller Beteiligten.

Für die Zeit nach dem Schutzschirmverfahren hat Teckentrup bereits Pläne zum Ausbau des Angebots unter der etablierten Marke. Bisher seien rund 75 Prozent des Winterflugplans buchbar. Der Rest soll in den kommenden Monaten festgezurrt werden. "Wir prüfen für den Winter 20/21 neue Ziele in Asien. Dann werden wir auch bei der Mittelstreckenflotte drei zusätzliche Flugzeuge einsetzen. Das bedeutet eine Steigerung von 12 bis 15 Prozent." Auch auf der Langstrecke könnten im kommenden Winter weitere Maschinen zur Flotte stoßen.

Bereits ab diesem Sommer will Condor ein Flugzeug in Berlin-Schönefeld stationieren und an Wochenenden ab Hannover und Stuttgart kleinere Embraer-Jets der neuen Airline-Schwester LOT einsetzen.

In den nächsten "zwei bis drei Wochen" will man sich in der Condor-Spitze zudem entscheiden, ob man wie Tuifly im nächsten Winter Langstreckenziele ab Düsseldorf bedient. "Düsseldorf ist ein attraktiver Markt, natürlich beschäftigen wir uns damit." Wenn andere dort Geld verdienen könnten, könne Condor das erst recht, so die selbstbewusste Ansage.

© AirTeamImages.com, Ralf Meyermann Lesen Sie auch: Condor will Tuifly ab Düsseldorf auf der Langstrecke angreifen

Die gegenwärtige operative Situation für Condor stellte das Management als "viel besser als erwartet" dar. Man hätte insgesamt überzeugende Buchungszahlen, auch für die neuen Angebote der Business Class auf Kontinentalflügen und des Tarifs "Economy Best" auf der Langstrecke. Der Sitzladefaktor der Flotte liege bei über 90 Prozent.

Die volle Integration in und Abstimmung auf die Lot-Strukturen erwartet Teckentrup erst für den Sommer 2021. Derzeit gebe es weder detaillierte Verhandlungen noch Einsicht für Condor in die Geschäftspläne und -modelle der neuen polnischen Eigentümer. Diese wären auch illegal, bevor die Übernahme in einigen Monaten rechtsverbindlich abgeschlossen ist. "Bis dahin müssen sich Condor und Lot wie zwei Wettbewerber am Markt verhalten, was wir auch tun."

Von: dk

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