Condor-Schicksal entscheidet sich am Wochenende

Plötzlich steht die Rettung von Thomas Cook wieder auf der Kippe. Bis Montag entscheiden die Banken über das Fortbestehen des britischen Reisekonzerns. Das betrifft auch die Airline-Sparte inklusive Condor.

Mittelstreckenflugzeuge des Thomas-Cook-Konzerns. © AirTeamImages.com / Timo Breidenstein

In den entscheidenden Gesprächen zur Rettung des Reisveranstalters Thomas Cook hat ein Banken-Konsortium um die Royal Bank of Scotland in letzter Minute gefordert, dass ein zusätzliches Finanzloch von 200 Millionen Pfund gestopft werden muss. Erst dann werde man den Rettungsplänen, die auch eine weitgehende Abspaltung der Thomas Cook Airlines vom Mutterkonzern vorsehen, zustimmen. Entsprechende Berichte britischer Medien bestätigte ein Unternehmenssprecher gegenüber airliners.de.

Der Aktienkurs des Unternehmens fiel nach Bekanntwerden der Bankenforderung um 21 Prozent auf ein neues Allzeit-Tief von 3,5 englischen Pence.

Noch ist offen, wo das zusätzliche Geld herkommen soll. Die BBC zitiert Quellen im Unternehmen, wonach die kommenden 24 Stunden entscheidend seien. Bisher sind für die Rettung des traditionsreichen Touristik-Konzerns 900 Millionen Pfund durch die chinesische Investment-Gesellschaft Fosun und diejenigen Gläubiger zugesagt, die ursprünglich Anfang Oktober die Airlines, zu denen auch die deutsche Condor gehört, mehrheitlich übernehmen sollten. Ob es dazu noch kommt, scheint nun zumindest fragwürdig.

Fehlende Ausfallversicherungen könnten zum Stolperstein werden

Das fehlende Geld könnte eine Ereigniskette in Gang setzen, die zu einer Unterbrechung der Geschäftstätigkeit von Thomas Cook inklusive der Airlines führt. Eine Situation, von der sich das Unternehmen wohl nur schwerlich erholen könnte.

Konkret geht es vor allem um sogenannte Reisesicherungsscheine der britischen Luftfahrtbehörde CAA, eine Art Ausfallpolice für Anzahlungen durch Kunden von Reiseveranstaltern, die für Thomas Cook zum 1.10 neu ausgestellt werden müssen. Die Befürchtung ist nun, dass die Behörde die neuen Policen verweigert, solange der Sanierungsdeal aufgrund des fehlenden Geldes nicht abgeschlossen wird. Dann wäre es Thomas Cook juristisch nicht mehr erlaubt, dass Kern-Geschäft als Tour-Operator fortzuführen. In der Folge würden auch die Fluggesellschaften gegroundet werden.

Dazu passt eine Meldung des britischen "Guardian", dass das britische Verkehrsministerium und die CAA Vorbereitungen getroffen hätten, um im Fall der Fälle rund 150.000 gestrandete Thomas-Cook-Passagiere nach Großbritannien zurückzubringen. Der Plan firmiere unter dem Namen "Operation Matterhorn" und würde rund 680 Millionen Euro kosten. Ähnliche Pläne für deutsche Thomas-Cook-Urlauber sind nicht bekannt.

Amerikanische Hedge-Fonds wetten auf Pleite

Laut Unternehmenskreisen sei ein solches Szenario der Quasi-Insolvenz jedoch der Worst-Case, man gehe weiter davon aus, dass der weitgehend ausverhandelte Deal zur Rettung des Unternehmens in der kommenden Woche abgeschlossen werden könne.

Bereits vor einigen Tagen ließ eine Meldung, wonach Thomas Cook in den USA Gläubigerschutz nach Chapter 15 beantragt hatte, die Branche aufhorchen. Kapitel 15 des US-Konkursrechts schützt ausländische Unternehmen vor Klagen von US-Gläubigern, während sie in einem anderen Land (hier Großbritannien) umstrukturieren. Zwar erklärte das Unternehmen umgehend, dass es sich dabei um eine juristische Verpflichtung handele, die nichts über die kurzfristige Zahlungsfähigkeit von Thomas Cook aussage. Dem Vernehmen nach wurde der Schritt zum Gläubigerschutz jedoch nötig, weil amerikanische Hedge-Fonds im großen Stil auf einen Konkurs von Thomas Cook gewettet haben.

Sollte es dazu in den nächsten Tagen kommen, könnte auch die Situation für Condor brenzlig werden. Zwar ist die deutsche Airline, wie auch die deutsche Reiseveranstalter-Filiale "Thomas Cook Deutschland", laut Unternehmenskreisen profitabel, doch als derzeit noch hundertprozentige Tochter des Konzerns würde sie zur Konkursmasse mit unabsehbaren Folgen für Marke und Mitarbeiter werden.

© Condor, Lesen Sie auch: Fosun beschleunigt Thomas-Cook-Deal - Condor-Mehrheit geht an Banken

Von: dk

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