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Condor soll Gewinn in kurzer Zeit mehr als verdoppeln

Die Umsatzrendite von Condor ist zu schwach, um ausreichend attraktiv für Investoren zu sein, die die Airline nicht zerschlagen wollen. Firmenchef Teckentrup ist weiter optimistisch, will aber die Kosten deutlich senken und hat dabei Unterstützung von wichtiger Seite.

Airbus A330-200 (G-VYGK) von Air Tanker, der für Condor unterwegs ist. © AirTeamImages.com / Jonas Evrard

Die Ferienfluggesellschaft Condor befindet sich nach eigenen Angaben seit Anfang Dezember in konkreten Verkaufsverhandlungen mit einer Vielzahl an potenziellen Investoren, die jedoch bisher das Licht der Öffentlichkeit meiden. Die gegenwärtige Condor-Geschäftsführung um CEO Ralf Teckentrup und den Sachwalter im Schutzschirmverfahren, Lucas Flöther, will die Verhandlungen bis Ende Januar zu einem erfolgreichen Abschluss führen und die Airline möglichst als Ganzes erhalten.

Eine wichtige Erkenntnis aus den Gesprächen für das Management: Condor muss mehr Gewinn machen als das im vergangenen Jahr erreichte EBIT von 57 Millionen Euro, um für Investoren ausreichend attraktiv zu sein. "Wir müssen 70 bis 80 Millionen Euro besser werden im Ergebnis. Ein Teil davon muss im laufenden Geschäftsjahr realisiert werden", sagte Teckentrup in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Beim Umsatz sind keine ausreichend großen Sprünge zu erwarten

Durch eine Umsatzsteigerung für mehr Gewinn zu sorgen, dürfte schwierig werden. Schon der Wegfall des Hauptkunden Thomas Cook konnte nur mit großer Mühe wettgemacht werden. Hinzu kommt eine wachsende Konkurrenz auf der touristischen Langstrecke durch Eurowings beziehungsweise einen Nachfolger, den Lufthansa gerüchteweise bald aus der Taufe heben will. Auch Tuifly hat den Einsteig in den Langstreckenmarkt ab Deutschland für kommendes Jahr angekündigt. Von einer Flottenvergrößerung ist auch keine Rede, vielmehr bräuchte es neue Flugzeuge als Ersatz für eine Reihe älterer Maschine, die in den neunziger Jahren gebaut wurden.

Bliebe also nur eine deutliche Steigerung der Umsatzrendite, um mehr Gewinn zu erwirtschaften. Die lag bei einem Umsatz im Geschäftsjahr 2019 von 1,673 Milliarden Euro bei knapp 3,4 Prozent, was laut Teckentrup klar zu wenig sei. "Gesunde Airlines brauchen acht Prozent Ebit-Rendite. Das ist auch eine vernünftige Zielrendite für Condor," so der Geschäftsführer. Diese kann in weiten Teilen nur über eine Kostensenkung erreicht werden. Um drei bis vier Prozent oder bis zu 68 Millionen Euro sollen die Stückkosten sinken für den angestrebten operativen Gewinn von gut 130 Millionen Euro im Jahr.

© AirTeamImages.com, Mathieu Pouliot Lesen Sie auch: Condor-Sanierung in Eigenverwaltung nun offiziell gestartet

Condor will sich dabei die Besonderheiten des deutschen Schutzschirmverfahrens zunutze machen. Dieses sieht für die Airline das Recht vor, jeden Vertrag mit Zulieferern, Dienstleistern und teils auch Mitarbeitern kündigen zu können. Durch Neuverhandlungen und -vergaben soll ein großer Teil der Kosteneinsparungen erreicht werden. Der Rest soll durch eine Verschlankung der Verwaltung und neu verhandelte Tarifverträge zusammenkommen. Bereits im November erläuterte Teckentrup vor Pressevertretern, dass man sich für nahezu alle Tarifverträge in Gesprächen mit den jeweiligen Gewerkschaften befinde und diese sich sehr kooperativ zeigten.

Die Gewerkschaften zeigen sich kooperativ

Für die Flugbegleitergewerkschaft Ufo steht das Überleben von Condor an erster Stelle. "Die Geschäftsführung verlangt von der Belegschaft harte Einschnitte", bestätigte Nicoley Baublies, Berater des Vorstands der Kabinengewerkschaft Ufo, dem Handelsblatt: "Wir sind bereit, Beiträge zu leisten, wenn das die Arbeitsplätze sichert. Darüber sprechen wir gerade mit Condor." Ähnliche Töne sind von der Pilotenvertretung Vereinigung Cockpit (VC) zu hören. Auch Verdi befindet sich in Verhandlungen.

Trotz der Herausforderung, in den nächsten Monaten einen belastbaren Plan zu entwickeln, wie der Gewinn in kurzer Zeit mehr als verdoppelt werden kann, ist Ralf Teckentrup noch immer von der Rettung Condors als Ganzes überzeugt. Im Gegensatz zu anderen verdiene Condor im Tourismus-Fluggeschäft Geld. Die große Stärke sei die Vertriebskraft mit guten Beziehungen zu Reiseveranstaltern und dem Einzelplatzverkauf, auf den 44 Prozent der Sitzplätze entfallen, zitiert Reuters Teckentrup. Laut dem Manager ist es "extrem wahrscheinlich", dass man neue Investoren für Condor finde. "In einem Jahr sitze ich immer noch hier."

© airliners.de, Dennis Kazooba Lesen Sie auch: Warum die Condor-Spitze so optimistisch ist Hintergrund

Von: dk

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