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Die Born-Ansage (120) Condor, die letzten Gallier im Thomas Cook-Konzern

Der Ferienflieger hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Mal wurde er zwangsverheiratet und dann seines Namens beraubt und mehrfach zum Kauf angeboten, schreibt unser Kolumnist Karl Born und fragt: El Condor pasa?

Montage: airliners.de © AirTeamImages.com, Privat

Vor mehr als 175 Jahren gründete Thomas Cook in Großbritannien sein touristisches Reich. Die Idee, die seinem Reich zugrunde lag, war größer als sein Reich selbst und machte bald weltweit Schule. Dementsprechend wurde auch nach und nach das TC-Reich größer, Skandinavien und Deutschland kamen beispielsweise hinzu.

Condor wurde vor mehr als 60 Jahren gegründet. Bei allem Spirit, der dieser Gesellschaft schon immer eigen war, mit ihren Gesellschaftern hatte sie selten Glück. Lufthansa liierte sie zwangsweise mit Neckermann. Die zwei passten nie wirklich zusammen. Aber das ist bei Zwangsheiraten leider öfters so.

Abhängige haben wenig Mitspracherecht

Dass Condor irgendwann später in Thomas Cook aufging, war auch keine gewollte Entscheidung. Aber wenn man abhängig ist, wird man nicht gefragt.

Einer der vielen temporären Stammesfürsten von Thomas Cook, Stefan Pichler, nahm dann 2002 Condor auch noch den Namen weg. Das war die höchste Form der Erniedrigung. Da erwachte aber erstmals die voll Widerstandskraft von Condor. Nicht mit uns! Zwei Jahre brauchte Thomas Cook bis "Condor wieder Condor hieß". Ein teurer Marketing Flop.

2008 ein neuer Anlauf von Thomas Cook, Condor "los zu werden". "Asset light" hieß inzwischen eines von vielen Schlagwörtern, die bei den "Cookies" schnell auf- und genauso schnell wieder verblühten. In Wirklichkeit war man schon damals mit dem Geld klamm und wollte für Condor viel Geld kassieren. Zuviel.

Aber jetzt wurde es wirklich ernst, todernst könnte man sagen. Plötzlich, aber letztlich nicht unerwartet, stand er, der Tod, vor der Tür von Thomas Cook. Ganz Thomas Cook ist vorm Untergang bedroht. Ganz Thomas Cook?

Ganz Thomas Cook? Nein!

Nicht ganz, die alte Story der Gallier, die als Letzte Widerstand leisteten, x-mal im Verlauf der weiteren Geschichte zitiert, lebt auf. Die Gallier heißen jetzt Condorianer und das gallische Dorf liegt in Kelsterbach und sie wollen nicht mit dem Thomas Cook-Reich untergehen.

El Condor pasa? Noch ist das Ende nicht erzählt. Aber es wird ein harter Kampf werden.

Asterix, Obelix, Miraculix, wie immer auch Euer Klarname heißt, ihr habt noch eine Chance.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de Jetzt Gastautor werden

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