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Condor setzt auf Erholung im Sommer und Frachtflüge im Winter

Wirtschaftlich vorerst in ruhigeren Fahrwassern, setzt Condor auf ein starkes Sommergeschäft im kommenden Jahr. Airline-Chef Ralf Teckentrup will es sich selbst und möglichen Investoren beweisen.

Condor-Chef Ralf Teckentrup. © BTW / Svea Pietschmann

Der Ferienflieger Condor will nach seiner Sanierung im kommenden Sommer ein breites Flug-Programm anbieten. "Wir glauben, dass wir ein sehr gesundes Unternehmen sind und müssen das im kommenden Sommer im Markt beweisen", sagte Airline-Chef Ralf Teckentrup in Frankfurt. Der bereits veröffentlichte Flugplan sehe ähnlich aus wie im Vor-Coronajahr 2019. "Die Nachfrage im Sommer 2021 dürfte bei bis zu 75 Prozent der Vorkrisen-Zeit liegen", betonte der Manager. "Damit hat man noch nicht alle Probleme erledigt. Aber das könnte uns ein auskömmliches Wirtschaften ermöglichen." Mit 59 Flugzeugen will der Ferienflieger dann wieder im Passagierverkehr unterwegs sein.

Der touristische Sommerflugplan 2021 müsse wegen der unsicheren Lage voraussichtlich längere Zeit flexibel gehalten werden als in normalen Geschäftsjahren. "Wir haben es mit einem extrem veränderten Buchungsverhalten zu tun." Kunden seien sehr viel weniger bereit, jetzt schon für den kommenden Sommer zu buchen. "Prognosen für 2021 aufgrund der derzeitigen Buchungslage sind in meinen Augen kaum seriös."

Aus seiner Sicht werde die Nachfrage jedoch anziehen, weil Corona-Impfungen und kostengünstige Schnelltests demnächst umfassend zur Verfügung stünden. Gespräche mit Veranstaltern hätten ihm zudem gezeigt, dass die Pauschalreise gerade unter dem Eindruck der Coronakrise bei deutschen Konsumenten ein sehr beliebtes Produkt bleibe.

"Versuchen Krise ohne Entlassungen zu überstehen"

Derzeit sei Condor nur mit einem Angebot von rund zehn Prozent der üblichen Winter-Kapazität unterwegs, sagte Teckentrup. Ein Großteil des Personals ist nach wie vor in Kurzarbeit. Man habe jedoch mit den Arbeitnehmern Vereinbarungen abschließen können, die es bei einer deutlichen Erholung im kommenden Sommer möglich machten, die Krise ohne Entlassungen zu überstehen.

Condor fliegt derzeit mit vier seiner 16 Boing 767 Frachtflüge. Möglicherweise wird die Kapazität dafür im Winter mit zwei weiteren 767 ausgebaut. Auch mit der Möglichkeit eine Rolle bei der kommenden Impfstoffverteilung zu spielen, setze man sich auseinander, so Teckentrup. "Wir machen die Frachtflüge je nach Nachfrage und Bedingungen, bei jedem Flug muss eine Summe übrig bleiben, für die es sich lohnt."

Auf der Langstrecke gibt es im Winter einige Flüge nach Kuba, auf die Malediven und rund um Weihnachten auch wieder in die Dominikanische Republik. Die Nachfrage auf die Kanaren sei aufgrund der Reisebeschränkungen sehr gering, führte der Condor-Chef aus. Das Preisniveau sei dadurch so niedrig, dass viele Flüge garantierten Verlust bedeuteten, weshalb man sich zurückhalte.

Teckentrup bestätigte zudem die Stationierung von zwei A320 in Zürich im kommenden Sommer, die von dort Warmwasserziele in Südeuropa anfliegen. Überlegungen dazu gebe es schon lange, doch die großen Schweizer Reiseveranstalter zeigten wenig Interesse, Kontigente für Pauschalurlauber zu buchen, solange Condor eine Tochter des britischen Reiseveranstalters Thomas Cook war. "Jetzt ist die Situation eine andere, die großen Schweizer Veranstalter brauchen sich keine Sorgen mehr machen, dass sie einen konkurrierenden Tour-Operator stärken, wenn sie bei uns buchen."

Wegen der stark verbesserten Kostenstruktur im Unternehmen und den möglichen umfassenden Reiseerleichterungen ist Teckentrup optimistisch für das kommende Jahr. "Wir haben die Kosten innerhalb von 14 Monaten um zehn Prozent gesenkt und ein sehr solides Fundament." Teckentrup verwies erneut darauf, dass Condor in den vergangenen 17 Jahren nur einmal einen Jahresverlust eingeflogen habe. Hätte man durch die Thomas-Cook-Pleite nicht sämtliche, zuvor aufgebaute Reserven verloren, wäre Condor unter Umständen gar nicht, in jedem Fall jedoch in sehr viel geringerem Ausmaß auf Staatshilfen angewiesen gewesen.

Die frühere Thomas-Cook-Tochter verlässt nach eigenen Angaben am 1. Dezember das ein Jahr zuvor gestartete Schutzschirmverfahren. In diesem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung hat sich das Unternehmen unter Aufsicht eines Sachwalters saniert. Eine bereits fest vereinbarte Übernahme durch die polnische Luftfahrt-Holding PGL war von der Lot-Mutter in letzter Minute abgesagt worden. Condor klagt nun auf Schadenersatz, im Raum steht eine Summe von rund 56 Millionen Euro, die Teckentrup jedoch nur grob bestätigen wollte.

Nach der geplatzten Übernahme ist Condor derzeit mit einem langfristigen Kredit der staatlichen KfW-Bank unterwegs. Juristisch befindet sich die Airline derzeit im Besitz der "SG Luftfahrtgesellschaft" als Treuhänder, die ihre Anteile wiederum an die KfW verpfändet hat.

Eine erneute Investorensuche könne zu einem geeigneten Zeitpunkt in Gang gesetzt werden. Er rechne damit aber nicht in den kommenden zwölf Monaten, sagte der Condor-Chef. "Derzeit ist keine gute Zeit, eine Airline zu verkaufen, erst müssen der Markt und die Condor wieder voll im Schwung sein."

Von: dk

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