Hintergrund Warum die Condor-Spitze so optimistisch ist

Die Zahlen stimmen, die Atmosphäre auch. Bei einem Pressegespräch versprüht Condor-Chef Teckentrup Zuversicht für den anstehenden Verkaufsprozess. Und wird dabei von entscheidender Stelle unterstützt.

Die derzeitige Condor-Geschäftsführung: CEO Ralf Teckentrup, Detlef Specovius von der Kanzlei Schultze & Braun, Finanzchef Christoph Debus und der vorläufige Sachwalter Lucas Flöther. © airliners.de / Dennis Kazooba

Bei Condor ist die Zuversicht zurück. Während draußen die trübe Wintersaison dafür sorgt, dass man die Flugzeuge am Flughafen Frankfurt nur hört, aber nicht sieht, gibt drinnen, im Headquarter des Ferienfliegers in den Gateway Gardens, die Condor-Spitze bei einem Pressegespräch einen optimistischen Ausblick auf die kommenden Monate. Und schaut zufrieden zurück auf die turbulenten Wochen nach der Pleite der britischen Konzernmutter Thomas Cook.

Condor-Chef Ralf Teckentrup sieht sein Unternehmen für die anstehende Übernahme durch einen neuen Eigentümer gut gerüstet. Die Unternehmensspitze um Teckentrup und den neuen alten Finanzchef Christoph Debus sowie Christian Schmitt, der die Operations verantwortet, möchte im Frühjahr mit der Bekanntgabe neuer Eigentümer das sechsmonatige Schutzschirmverfahren beenden. Vorausgesetzt der Gläubigerausschuss und Sachwalter Lucas Flöther stimmen einem neuen Eigentümer für die traditionsreiche Ferienfluggesellschaft zu.

Dass dies gelingen wird, daran ließ die Manager-Runde, zu der auch Detlef Specovius, Geschäftsführer und Generalbevollmächtigter von Condor während des Schutzschirmverfahrens gehörte, keinen Zweifel. Bisher entwickelten sich die Dinge in Anbetracht der kritischen Lage nach der Pleite der Konzernmutter Thomas Cook überaus positiv. "Ich bin – mit Blick auf die Zahlen und die Gespräche die geführt werden – davon überzeugt, dass Condor stärker als je zuvor aus dem Verfahren hervorgehen wird," so Teckentrup.

Eine Lösung soll schon im Januar im Grundsatz stehen

Condor befindet sich mitten in der Investorensuche für einen neuen Eigentümer. Diese soll spätestens mit dem regulären Ende des Schutzschirmverfahrens erfolgreich beendet werden. Dann muss auch der Überbrückungskredit von Bundesregierung und dem Land Hessen in Höhe von 380 Millionen Euro zurückgezahlt werden. "Wir erwarten Anfang, Mitte Dezember unverbindliche Angebote und eine Lösung im Januar," sagt die Condor-Spitze. Dann müssten noch Genehmigungen von allerlei Wettbewerbsbehörden eingeholt werden, im Frühjahr könne der Eigentümerwechsel dann vollzogen werden. Es handele sich um einen zeitlich anspruchsvollen Plan, der aber zu schaffen sei.

Allerdings wollten sich die Airliner-Manager nicht darauf festlegen, dass Condor als Ganzes von einem neuen Eigentümer übernommen wird. Eine Aufteilung, beispielsweise in das Kurz- und das Langstreckengeschäft sei durchaus ein Möglichkeit, wenn man sich die Interesse strategischer Investoren in Europa vor Augen führe. Die Condor-Spitze arbeite jedoch für eine Übernahme als Ganzes und habe dafür gute Argumente. Man sei eine gesunde Airline und hebe sich schon dadurch von Konkurrenten ähnlicher Größe ab.

In sechzehn Jahren fünfzehnmal Gewinn gemacht

Mit einem Umsatz von 1,673 Milliarden Euro (+ sechs Prozent), einem Ebit (Vorsteuergewinn) von 57 Millionen Euro (+ 32 Prozent), 9,4 Millionen Passagieren (+ sieben Prozent) und einer Auslastung von rund 90 Prozent habe Condor bei den entscheidenden Kennziffern weiter zugelegt, so Teckentrup. „Unser Set-Up ist für die nächsten Jahre sehr tragfähig, das vermitteln wir möglichen Interessenten.“ Condor habe in den letzten sechzehn Jahren fünfzehnmal Gewinn gemacht, einzige Ausnahme sei das Jahr der Türkeikrise gewesen.

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Außerdem biete das Schutzschirmverfahren erheblich Kostensenkungspotenziale, welche Condor noch attraktiver machten, wie das Management betont. So erlaube das Verfahren die Neuverhandlung sämtlicher Verträge mit Dienstleistern und Zulieferern. Man gehe derzeit jeden Vertrag durch und habe so beispielsweise einen Mietvertrag über Büroräume für 160 Condor-Leute in Oberursel, die nah an der Zentrale der deutschen Thomas Cook gearbeitet haben, kündigen können. Die Stückkosten könnten durch die Neuverhandlungen mittelfristig um drei bis vier Prozent fallen. Auch in puncto Treibstoff- und Dollar-Hedging habe man die Ausfälle der von Thomas Cook geschlossenen Verträge bereits weitgehend kompensiert und sei für den Winter abgesichert.

Der Blick bei Condor ist auf die Zukunft gerichtet, wie das Management immer wieder betonte. Der Optimismus führte dabei auch zu auf den ersten Blick erstaunlichen Argumentationsmustern. Angesprochen auf die häufig als zu alt bezeichnete Flotte der Condor sagte Teckentrup, dass man an dieser Stelle das Wertsteigerungspotenzial der Airline durch einen Austausch der Flugzeuge bedenken müsse. Condor schreibe trotz älterer Flugzeuge stabile Gewinne, die mit moderneren Flugzeugen noch einmal deutlich steigen dürften.

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Zudem möchte der Ferienflieger laut Teckentrup Kosten in der Verwaltung einsparen, da mit dem Ausscheiden aus dem Thomas-Cook-Konzern einige Aufgaben wegfallen würden, die Condor bisher für andere Airlines der Gruppe übernommen hatte. Auch seien die Personalkosten sehr gut planbar – die Arbeitnehmerseite habe sich in den kritischen Wochen nach der Pleite in Großbritannien ausgesprochen flexibel gezeigt, die Tarifverträge würden derzeit auf breiter Front neu verhandelt.

Ausfall von Thomas Cook bei den Buchungen weitgehend kompensiert

Die Buchungslage ist ebenso wieder auf Vorkrisen-Niveau. Zwar war Thomas Cook mit fünfzehn Prozent der Condor-Kapazitäten der größte Kunde, den Wegfall habe man in Zusammenarbeit mit Reisebüros und -veranstaltern jedoch vollständig wettgemacht, so Teckentrup. Der Überbrückungskredit der Bundesregierung sei trotzdem nötig gewesen, da die Wintersaison für touristisch geprägte Airlines immer schwächer ist als der Sommer. Das Geld für den Winter wird im Sommer verdient. Da die Insolvenz von Thomas Cook auf das Ende der Sommersaison fiel und damit die Condor-Gelder Teil der Insolvenzmasse von Thomas Cook wurden, fehlten diese für die typischerweise liquiditätsschwächere Buchungsperiode im Winter. Der Kredit überbrückt diese Saison – und stellt alle Flüge sicher. „Bei uns ist auch direkt nach der Insolvenz von Thomas Cook kein einziger Flug ausgefallen,“ so Teckentrup.

Sachwalter Flöther sieht gute Chance auf Erhalt der Airline als Ganzes

Die vielleicht beste Nachricht für Condor: Auch Sachwalter Lucas Flöther, der die Interessen der Gläubiger im derzeitigen Vorstand vertritt und dem eine entscheidende Rolle bei den anstehenden Verkaufsverhandlungen zufällt, ist zuversichtlich. Condor sei geradezu ein Musterbeispiel für Sinn und Zweck des eher selten genutzten Schutzschirmverfahrens, das Condor kurz nach der Insolvenzverkündung von Thomas Cook weitgehend von der taumelnden Mutter und ihrem exorbitanten Schuldenstand von rund zwei Milliarden Euro trennte. „Condor ist unverschuldet in diese Situation gekommen“, so Flöther. Eine für sich gesunde Airline, deren Ergebnisse weit von einer Pleite entfernt seien und die deshalb zum deutschen Schutzschirmverfahren passe „wie die Faust aufs Auge.“

Seit Beginn des Verfahrens befindet sich Condor wieder in Eigenregie – formal im Eigentum einer Treuhandgesellschaft nach deutschem Recht und unter Aufsicht von Flöther und einem Gläubigerausschuss, der letztlich auch über den Zuschlag für neue Eigentümer entscheiden muss. Am 1.12. beginnt dann die heiße Phase, das sogenannte Schutzschirm-Hauptverfahren, das vom Amtsgericht Frankfurt eröffnet werden muss. Grundlage dafür soll ein Gutachten von Flöther werden. Der Schutzschirm sorgt dafür, dass Condor sich von ihrem bisherigen Mutterkonzerns Thomas Cook trennt und Haftungsrisiken von Gläubigern aus einer Mithaftung mit dem Konzern ausschließt. Gäubiger werden ab dem 1.12. im Schutzschirmhauptverfahren von Sachwalter Flöther kontaktiert.

Dann laufen auch die dreimonatigen Krisen-Zuschüsse der Bundesagentur für Arbeit aus und Condor übernimmt Gehaltszahlungen wieder selbst. Ebenso soll Ende Dezember ein umfassender Restrukturierungsplan vorgelegt werden. Bis Anfang Dezember können potenzielle Interessenten unverbindlich „Non-Binding-Offers“ abgeben, bevor es in die konkreten Verkaufsverhandlungen geht. Ein unterschriebener Deal ist jedoch erst für das Frühjahr zu erwarten, da vor einer Übernahme die Genehmigung der Wettbewerbsbehörden abgewartet werden müssen.

Währenddessen können Gläubiger ihre Forderungen an Condor einreichen. Sie werden durch die Einnahmen des geplanten Verkaufs bedient. Von der Mithaftung für die Schulden von Thomas Cook ist Condor durch das Schutzschirmverfahren befreit. Diese würden nach dem Ende des Verfahrens auch vollständig aus den Passiva der Bilanz entfernt, so Finanzchef Debus. Condor könne dann einen befreiten Neuanfang angehen.

Panikmodus im Oktober

Auf einen solchen sind nun alle Augen gerichtet in den Gateway Gardens, die übrigens immer mehr Gestalt annehmen, die offenen Baustellen werden weniger. Doch die letzten zwei Monate dürften für das Unternehmen traumatisch gewesen sein. "Das war ein absoluter Ausnahmezustand,“ so Teckentrup. Man habe jedoch jede einzelnen Situation entschärfen können. "Hier war nachts um drei so viel los wie vor einem halben Jahr nachmittags um drei. Ich kann mich nur bei allen unseren Mitarbeitern, den Gewerkschaften, unseren Geschäftspartnern und der Politik für die große Bereitschaft bedanken, der Condor über die schwierige Zeit hinwegzuhelfen.“

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Nichtsdestrotz verbleibt das Unternehmen bis zu einer Übernahme in einer prekären Situation. Zwar ist die Liquidität gesichert, aber klar ist, soll Condor als Fluggesellschaft so bleiben wie sie ist, muss sich dafür ein passender Investor finden. Eine Aufteilung ist weiter möglich. Ein Umstand der für Teckentrup "die Absurdität" der Situation verdeutlicht. Eine profitable Airline, die ihr Ergebnis weiter verbessert und die Kosten senkt, ist auf Gedeih und Verderb externen Kräften ausgeliefert, die Geld sehen wollen. Die Pluspunkte: Stakeholder und Politik wollen den Fortbestand der Condor und die mittelfristige operative Zukunft scheint gesichert. Das Schutzschirmverfahren schützt vor dem Zugriff der Thomas-Cook-Gläubiger und der Sachwalter Flöther geht von einem Erfolg aus. Für Teckentrup ist klar: "Wenn überhaupt ein Schutzschirmverfahren, dann so wie wir."

Keine Sorgen wegen Langstreckenplänen von Tuifly

Und die Konkurrenz? Angesprochen auf die neuesten Pläne der Tuifly, im kommenden Jahr touristische Langstreckenflüge ab Deutschland anzubieten, geben sich die Condor-Leute betont gelassen. Man habe hervorragende Kostenstrukturen, die andere erstmal erreichen müssten. "Mit einem Langstreckenflugzeug kann man auch schnell mal 10 oder 15 Millionen Euro im Jahr verlieren" gibt Teckentrup zu Protokoll. Wenn sich einige Strecken für Condor nicht mehr lohnen sollten, gebe viele interessante Ziele, die Condor derzeit nicht bediene, auf die man aber ausweichen könne: "Mir ist es egal, wo unsere Flugzeuge hinfliegen, solange sie Geld verdienen."

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Von: dk

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