Condor blickt nach Brüssel - EU prüft Staatskredit noch immer

Die bisher profitable Condor wartet noch immer auf ein Go aus Brüssel für den Übergangskredit der Bundesregierung. Derweil führt die Condor-Spitze intensive Verhandlungen mit möglichen Investoren. Eine Übersicht.

Boeing 757 der Condor © AirTeamImages.com / Simone Ciaralli

Bei Condor richten sich im Moment viele bange Blicke in Richtung Brüssel. Die Europäische Kommission prüft immer noch, ob die Bundesrepublik Deutschland und das Land Hessen dem klammen Ferienflieger tatsächlich einen Überbrückungskredit von 380 Millionen Euro gewähren dürfen.

Das Geld soll der deutschen Airline-Tochter des untergegangenen britischen Reisekonzerns Thomas Cook die Investorensuche und damit eine möglichst eigenständige Zukunft ermöglichen. Kommt der Kredit nicht, stünde Condor vor einem Berg von Problemen.

Die bislang profitable Airline mit knapp 60 Flugzeugen und 4900 Beschäftigten will in einem sogenannten Schutzschirmverfahren den Winter überleben und wird dabei von dem Insolvenzexperten Lucas Flöther als Sachwalter begleitet. Die Condor-Führung um den früheren Lufthanseaten Ralf Teckentrup hat sich längst auf die Suche nach Investoren begeben. Bis spätestens Ende März muss Insidern zufolge eine Lösung stehen.

Lufthansa hat ihre Offerte nie offiziell zurückgezogen

Bei Null müssten die Gespräche aber nicht beginnen, hat der Condor-Chef bereits erläutert. Schließlich hatte Thomas Cook seine Airlines bereits im Februar zum Verkauf gestellt, letztlich aber keinen zufriedenstellenden Preis erzielen können. "Wir hatten in der Zeit schon intensive Kontakte", versichert Teckentrup.

Unter anderem mit der Lufthansa, die sich nun aber bedeckt hält. Schon aus kartellrechtlichen Gründen scheint es unwahrscheinlich, dass der Kranich seine einstige Ferienflugtochter wieder komplett zurück ins Nest holen darf. Ihre Offerte für die Condor hat die Hansa jedenfalls offiziell nie zurückgezogen.

Eine Zerschlagung der Condor etwa in Lang- und Kurzstrecke ist im Schutzschirmverfahren nicht ausgeschlossen, aber sicherlich nicht das erste Ziel von Management und Sachwalter.

Reiseveranstalter buchen kräftig bei Condor

Die nach der Thomas-Cook-Pleite verbliebenen deutschen Reiseveranstalter halten wenig bis gar nichts von einer weiteren Lufthansa-dominierten Fluggesellschaft neben dem Billigflieger Eurowings, der bislang in scharfer Konkurrenz zu Condor seine Verbindungen angeboten hat.

In dieser Wettbewerbslogik haben Veranstalter wie die DER Touristik, Schauinsland, Alltours und die FTI-Gruppe einen Minderheitseinstieg bei einer neuen Condor zumindest nicht ausgeschlossen. Für den anstehenden Winter und den kommenden Sommer hätten die Partner bereits zahlreiche Plätze gebucht, berichtet der Condor-Vertrieb.

© AirTeaImages.com, Edwin Chai Lesen Sie auch: Das sind die Condor-Flughäfen in Deutschland Überblick

Häufig als Condor-Interessent genannt wird der US-Finanzinvestor Indigo, der weltweit Anteile an vier Billigfliegern einschließlich der ungarischen Wizz Air hält. Als Großkunde kann Indigo neue Flugzeuge sehr günstig kaufen oder mieten und genießt zudem wegen seiner Finanzkraft hohes Vertrauen bei den Banken. Das ist für die Condor wichtig, weil sie eine vergleichsweise alte Flotte betreibt und zudem Leasingverträge der verblichenen Mutter Thomas Cook übernehmen muss.

Tui hofft auf Ende von Überkapazitäten und erwägt Langstrecke

Wie vor zwei Jahren nach der Insolvenz von Air Berlin könnten auch im Rennen um Condor kleinere heimische Investoren an den Start gehen. So hat sich der Nürnberger Luftfahrtunternehmer Hans Rudolf Wöhrl bereits ins Spiel gebracht, der einst die Fluglinien DBA und LTU an Air Berlin verkauft hatte.

Der weltgrößte Reisekonzern Tui hofft indes, dass das Überangebot an Flügen im Zuge der Thomas-Cook-Pleite schrumpft. "Es muss irgendwann eine Marktbereinigung stattfinden. Nach dem Ausscheiden von Air Berlin ist das nicht passiert", sagt Tui-Chef Fritz Joussen. An einer Übernahme haben die Hannoveraner kein Interesse angemeldet, gleichzeitig aber intern ein neues Langstreckenangebot der eigenen Airline Tuifly ins Spiel gebracht.

Ryanair-Chef Michael O'Leary hat einem Einstieg bei Condor eine klare Absage erteilt. Man habe kein Interesse daran, weitere Airlines zu kaufen, sagte der Chef von Europas größtem Billigflieger wenige Tage nach der Thomas-Cook-Pleite. Er gehe davon aus, dass die Lufthansa die Kontrolle bei Condor übernimmt. Falls die Kranichlinie auf Geheiß der Wettbewerbshüter Teile des Condor-Geschäfts abgeben müsse, könne er sich aber vorstellen, dass Ryanair solche Teile erwirbt.

© Condor, Lesen Sie auch: Warum Condor weiter fliegt und Germania nicht

Von: dk, dpa

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