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Cochstedt ist jetzt Nationales Erprobungszentrum für Unbemannte Luftfahrtsysteme

Der ehemalige Regionalflughafen Cochstedt ist ab sofort Standort des Nationalen Erprobungszentrums für Unbemannte Luftfahrtsysteme. Für die Drohnen-Tests am Platz ist sogar die Wiederinbetriebnahme als Verkehrsflughafen in kleinerem Umfang geplant.

Tower des Na­tio­na­len Er­pro­bungs­zen­trums für Un­be­mann­te Luft­fahrt­sys­te­me der DLR in Cochstedt. © DLR

In Cochstedt in Sachsen-Anhalt hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) jetzt das Nationale Erprobungszentrum für Unbemannte Luftfahrtsysteme offiziell eröffnet. Auf dem ehemaligen Regionalflughafen soll künftig erprobt werden, wie Drohnen in der Luft autonom interagieren und wie die unbemannten Fluggeräte im städtischen Raum eingesetzt werden können.

Gerade die Urban Air Mobility stellt Wissenschaft, Wirtschaft und Politik derzeit noch vor zahlreiche neue Aufgaben und verlangt nach Lösungen. Dabei stehen besonders die Erprobung von Demonstratoren, Antrieben und Energiespeichern, die Einbindung von UAS in den zivilen Luftraum, die Zertifizierung und Zulassung sowie die Akzeptanz insbesondere hinsichtlich Lärm, Sicherheit und Umwelteinflüssen besonders im Fokus der Forschung.

Das Nationale Erprobungszentrum für unbemannte Luftfahrtsysteme soll neben dem DLR auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Uni Magdeburg und privaten Unternehmen für ihre Drohnen-Forschung zur Verfügung stehen.

Aus Zulassungsgründen ist es notwendig, dass neue unbemannte Luftfahrtsysteme unter realen Bedingungen in einer kontrollierten Umgebung erprobt und qualifiziert werden. Dazu will das DLR am neuen Standort realistische Bedingungen nachstellen. Für erste Projekte finden laut DLR bereits Testkampagnen in Cochstedt statt. So wird es beispielsweise im Sommer 2021 umfangreiche Abschlussversuche des DLR-Projekts City-ATM geben. Bei den Tests gehe es darum, wie der Flugverkehr mit Drohnen und Lufttaxis im bisher unkontrollierten Luftraum über Städten gesteuert werden kann. Um wirklich handlungsfähig zu sein, ist die Wiederinbetriebnahme des Verkehrsflughafens im kleineren Umfang voraussichtlich ab 1. August 2021 geplant.

"Europaweit einmalige Einrichtung"

An der virtuellen Eröffnung nahmen am Mittwoch neben DRL-Chefin Anke Kaysser-Pyzalla unter anderen Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sowie der Luftfahrt-Koordinator der Bundesregierung, Thomas Jarzombek, teil.

Mit der Eröffnung des Nationalen Erprobungszentrums gehe eine europaweit einmalige Einrichtung dieser Art an den Start, erläutert Kaysser-Pyzalla. Das DLR werde an dem neuen Institut die Fähigkeiten und Kompetenzen auf dem Gebiet unbemannter Luftfahrtsysteme konzentrieren. "Technologieentwicklung, Zertifizierung und die Arbeit an neuen Regelwerken bestimmen die Zusammenarbeit mit unseren Partnern aus der Industrie und von Behörden. Wissenschaft und Forschung bilden damit die Grundlage für neue Luftfahrttechnologien."

Der Flughafen sei lange Jahre ein Sorgenkind für Sachsen-Anhalt gewesen, weil eine dauerhafte Nutzung als Regionalflughafen nicht umgesetzt werden konnte, sagte Haseloff . Dennoch sei letztendlich etwas Gutes daraus entwachsen. "Ich bin froh, dass ich den damaligen Finanzminister vom Rückbau abhalten können."

Armin Willingmann (SPD), Wirtschafts und Wissenschaftsminister von Sachsen-Anhalt sagte, Cochstedt sein ein "Big Player" in der Wissenschaft. "Wir versprechen uns im Umfeld die Ansiedlung von Startups und weiteren Unternehmen rund um das neue Drohnen-Erprobungszentrum". 90 Prozent der Investitionen habe der Bund übernommen, Sachsen-Anhalt fördere den Rest - rund 1,5 Millionen Euro pro Jahr. Das sei zunächst für die kommenden zehn Jahre vereinbart.

Mit dem Start des Drohnen-Erprobungszentrums beginnt für den zuletzt 2016 in die Insolvenz geschlitterten und 2019 vom DLR übernommenen Flughafen im Salzlandkreis ein neues Kapitel. In den einstigen Militärflughafen flossen seit den 1990er Jahren mehr als 50 Millionen Euro. Das Projekt kam aber nie richtig in Schwung. Schon im Jahr 2002 ging der Flughafen pleite, vier Jahre später war er wieder am Start. Im Jahr 2010 wurde das Gelände an einen dänischen Investor verkauft und zwischenzeitlich von Billigfliegern genutzt. Doch die Verluste blieben. Im Jahr 2016 meldete das Unternehmen Insolvenz an.

Von: dh, dpa

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