Chinesischer Investor will Thomas Cook - ohne Fluggesellschaften

Eine Zerschlagung des Reiseveranstalters Thomas Cook wird wahrscheinlicher. Der chinesische Mischkonzern Fosun bringt sich in Stellung für eine Übernahme - aber ohne die Fluggesellschaften Condor und Co.

Reisebüro von Thomas Cook. Zum Konzern gehört auch die Fluggesellschaft Condor. © Thomas Cook

Thomas Cook befindet sich mit seinem größten Einzelaktionär, dem chinesischen Mischkonzern Fosun International, in Verhandlungen über den Verkauf des gesamten Reiseveranstaltungsgeschäfts. Das bestätigte das Unternehmen am Montag in einer Mitteilung. Dazu würden die Hotelimmobilien, die Tour-Operations und sämtliche Konzern-Aktivitäten bis auf die Fluggesellschaften gehören.

Noch sei zwar nicht sicher, dass es zu einem formellen Kauf-Angebot kommt, man prüfe die Avancen von Fosun jedoch gewissenhaft, so der britische Reiseveranstalter. Fosun hätte "bis in jüngste Zeit" Aktien von Thomas Cook gekauft und sei mit mittlerweile achtzehn Prozent größter Einzelaktionär.

"Thomas Cook" soll als Marke erhalten bleiben

Die Zeitung "Financial Times" zitiert eine mit den Verhandlungen vertraute Quelle, nach der Fosun nach der ganzen Marke "Thomas Cook" greift und diese aufgrund ihrer Bekanntheit auch erhalten möchte. Nach der Mitteilung legte die Thomas-Cook-Aktie um über 20 Prozent zu.

Damit verhandelt der Vorstand des traditionsreichen Reise-Unternehmens über den Verkauf beider Standbeine des Konzerns: Den Fluggesellschaften, die bereits seit einigen Monaten im Schaufenster stehen und dem Tour-Operator-Geschäft, das für zwei Drittel des Umsatzes verantwortlich ist, im vergangenen Jahr 7,4 Milliarden Pfund. Diese erzielte man mit fast elf Millionen Kunden in Großbritannien, Skandinavien und dem übrigen Europa. Zum Veranstaltungsgeschäft gehören 566 Reisebüros in Großbritannien, die einen großen Teil der 22.000 Mitarbeiter von Thomas Cook beschäftigen.

Fosun liebäugelt schon länger mit einem Ausbau der Anteile am europäischen Tourismusgeschäft. Der chinesische Investor kaufte bereits 2015 die Ferienhauskette Club Med für 939 Millionen Euro. Im Frühjahr 2019 evaluierte Fosun eine Komplett-Übernahme der Reise-Aktivitäten von Thomas Coook inklusive der vier Fluggesellschaften. Jedoch kommt ein Erwerb der Konzern-Airlines, zu denen auch die deutsche Condor gehört, nicht in Frage, da Fosun kein europäisches Unternehmen ist und daher die entsprechenden EU-Regularien für den Besitz von Fluggesellschaften nicht einhält.

An europäischen Interessenten für die Airlines herrscht jedoch kein Mangel. Thomas Cook hat mehrere Angebote erhalten, unter anderem von der Lufthansa, die sich besonders an Condor interessiert zeigt. Vor drei Wochen hat die Private-Equity-Gesellschaft Triton Partners ein Angebot für das gesamte Nordeuropa-Geschäft der Briten gemacht, das aus dem Tour-Bereich und der Fluggesellschaft Thomas Cook Airlines Scandinavia besteht.

Künftige Unternehmensaufstellung weiter offen

Dass es zu Umstrukturierungen und Veräußerungen von Geschäftsbereichen ist aufgrund der desolaten Finanzlage wahrscheinlich, auch das Management äußert sich seit Monaten entsprechend. Für die Fluggesellschaften wurde auch schon eine Bieterfrist festgesetzt.

Wie ein Condor-Sprecher Airliners.de auf Anfrage bestätigte, ist offen, welche Teile verkauft werden und wie weitgehend eine mögliche Zerschlagung des Konzerns gehen könnte.

© Thomas Cook, Lesen Sie auch: Lebhafte Spekulationen über Zukunft von Thomas Cook Group

Tomas Cook ist mit über einer Milliarde Euro hoch verschuldet. Nachdem es in der ersten Jahreshälfte aufgrund von Sonderabschreibungen zu einem Verlust von 1,7 Millarden Euro kam, geriet das Unternehmen in eine Liquiditätskrise, der ein Kurssturz an der Börse folgte. Insolvenzgerüchte machten die Runde und die Briten waren gezwungen, mit zusätzlichen Überbrückungskrediten zumindest das Geschäft für 2019 abzusichern.

Dieses läuft auch nicht besonders gut. Im Mai waren erst 57% der Kapazitäten verkauft, was laut Thomas Cook hauptsächlich darauf zurückzuführen sei, dass britische Kunden die Reisepläne für diesen Sommer wegen der Unsicherheit um den Brexit verschoben hätten.

© AirTeamImages.com, Privat, Lesen Sie auch: Der Kranich und seine verlorene Tochter Die Born-Ansage (110)

Von: dk

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