China setzt Boeing vor 737-Max-Wiederzulassung unter Druck

Mitten im Handelskonflikt mit den USA fordern Chinas staatliche Airlines eine Entschädigung für gegroundete Boeing 737 Max. Der US-Hersteller ist bei der Wiederzulassung auf die Kooperation auch der chinesischen Aufsichtsbehörde angewiesen.

Boeing 737 Max 8 der China Eastern Airlines in Peking. © AirTeamImages.com / Weimeng

Die chinesischen Fluggesellschaften Air China, China Southern Airlines und China Eastern Airlines, allesamt größtenteils in Staatsbesitz, haben sich in ihrer Forderung nach Entschädigungszahlungen durch Boeing zusammengeschlossen. Die drei größten Fluggesellschaften des Landes möchten von Boeing für Verluste entschädigt werden, die ihnen durch das Grounding und den Auslieferungsstopp der 737 Max entstehen, wie Reuters unter Berufung auf das chinesische Staatsfernsehen berichtet.

In China stünden 96 Flugzeuge am Boden, das Grounding verursache enorme Kosten, sagte der chinesische Luftfahrtexperte Li Xiaojin der Nachrichtenagentur. Neben diesen (Nicht-)Betriebs-Kosten, die Li auf circa 15.000 Dollar pro Tag pro Flugzeug schätzt, seien auch volkswirtschaftliche Folgen für China zu befürchten. Laut Li sei das langsamere Wachstum der großen chinesischen Flughäfen in den vergangenen Monaten vor allem auf das Fehlen der Max-Jets zurückzuführen.

Entschädigungsforderung passt China im Handelskonflikt gut

Für die größte englischsprachige Zeitung Chinas, die "Global Times", ist klar, dass es sich um eine koordinierte Anstrengung der drei staatlich regulierten Carrier handelt. Die Zeitung zitiert einen Insider mit der Einschätzung, dass China nun bereit sei, mehr Druck auf Boeing auszuüben. Boeing habe ein echtes Sicherheitsproblem und China suche nach Hebeln im immer schärfer ausgefochtenen Handelskonflikt mit den USA.

Die jüngste Zollerhöhung der US-Regierung auf chinesische Importe im Wert von 200 Milliarden Dollar - und Hinweise auf mehr - mache es laut Reuters wahrscheinlich, dass China Vergeltungsmaßnahmen gegen US-Unternehmen ergreifen könnte.

FAA braucht chinesische Behörden für die Wiederzulassung

Die konkreten Entschädigungsforderungen kommen nun einen Tag bevor die US-Flugaufsichtsbehörde FAA eine internationale Riege von Regulierungsbehörden in Dallas empfängt. Dort sollen diese die aufgefrischte 737-Max-Software und neue Trainingsprozeduren von Boeing überprüfen, bevor sie entscheiden, ob sie das Grounding in den jeweiligen Regionen beenden wollen.

China und die Europäische Union haben jeweils ihre eigene Luft- und Raumfahrtindustrie und werden daher wahrscheinlich ihre eigenen Bedingungen für die Wiederaufnahme von 737-Max-Flügen festlegen, so Analysten gegenüber Bloomberg. China war das erste Land, das nach dem zweiten 737-Max-Absturz innerhalb weniger Monate das Boeing-Modell groundete.

© 2018 Tui, Lesen Sie auch: Boeing 737 Max hat ein Simulator-Problem

Von: dk

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