Bundesregierung könnte auf A380-Darlehen sitzenbleiben

Nach dem A380-Produktionsstopp hat Airbus in Deutschland über eine halbe Milliarde Euro an Darlehen noch nicht zurückbezahlt. Denn die Rückzahlung ist an die Auslieferungen gekoppelt.

Eine A380 kurz nach dem Start vom Frankfurter Flughafen. © dpa - Bildfunk / Frank Rumpenhorst

Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien könnten nach dem Ende der A380-Produktion auf riesigen Airbus-Darlehen sitzen bleiben. Allein Deutschland hat rund 600 Millionen Euro nicht zurückerhalten.

Der Flugzeugbauer habe 2002 von der Bundesregierung ein Darlehen von rund 942 Millionen Euro bekommen, "das bisher zu rund einem Drittel zurückgezahlt wurde", zitierten die Zeitungen der Funke Mediengruppe am Montag aus einer Antwort der Bundesregierung.

"Die Bundesregierung wird die Auswirkungen des Produktionsstopps jetzt analysieren und dann mit dem Unternehmen erörtern, so dass derzeit keine Aussage über etwaige Rückforderungsansprüche getätigt werden kann", schreibt das Bundeswirtschaftsministerium in seiner Antwort auf die FDP-Anfrage. Über etwaige weitere Rückforderungsansprüche könnten noch keine Auskünfte gegeben werden, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums am Montag in Berlin.

Die Rückzahlung des gewährten Kredits ist demnach an die A380-Auslieferungen gekoppelt. Für jedes Flugzeug, das einem Kunden übergeben wird, zahle Airbus eine festgelegte Summe zurück. Da der Hersteller bis 2021 allerdings nur noch 17 Maschinen bauen und ausliefern will, stelle sich die Frage nach der Rückzahlung des Restbetrags.

Airbus: Das Risiko hat sich realisiert

Ein Airbus-Sprecher sagte auf Anfrage, das Unternehmen werde mit der Bundesregierung über Rückforderungen sprechen. Allerdings habe die Bundesrepublik seit Gewährung des A380-Darlehens im Jahr 2002 hohe Zinszahlungen von Airbus erhalten. Außerdem habe der Jet in den vergangenen 18 Jahren in Deutschland zu einer großen Zahl von Jobs

Airbus vertritt derweil den Standpunkt, dass die Regierungen das Risiko der Neuentwicklung mitgetragen hätten. Ein Sprecher sagte dem "Handelsblatt", man habe für jede verkaufte Maschine anteilig die Risikobeteiligung zurückerstattet. Der Rest sei durch die Einstellung der Produktion hinfällig. Das Risiko habe sich realisiert.

Die Subventionen für die Neuentwicklung des größten Passagierflugzeugs der Welt haben bereits die Gerichte beschäftigt. So hatten die USA der EU wegen Wettbewerbsverzerrung vorgeworfen. Die Welthandelsorganisation stufte die Subventionen sogar als illegal ein.

© AirTeamImages.com, Simon Willson Lesen Sie auch: Airbus baut ab 2021 keine A380-Jets mehr

Airbus hatte Mitte Februar nach gut elf Jahren das Aus für das ehemalige Prestigeprojekt A380 verkündet. Die letzte Maschine soll im Jahr 2021 ausgeliefert werden. Airbus zieht damit die Konsequenzen aus der Auftragsflaute.

Von: dh mit AFP, dpa

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