Bundespolizei will mehr Platz für Sicherheitskontrollen

Der Präsident der Bundespolizei fordert mehr Platz für moderne Sicherheitskontrollen und kritisiert das Geschäftsmodell der Flughäfen. Diese würden die Kontrollen jedoch am liebsten selbst verantworten.

Flughafen-Chef Stefan Schulte (links) und Andreas Jung (rechts), Präsident der Bundespolizeidirektion, eröffnen die neuen Sicherheitskontrollen in Frankfurt. © Bundespolizei

Die Bundespolizei hat erneut mehr Platz für Sicherheitskontrollen an Flughäfen gefordert. Für effiziente und gründliche Kontrollen müssten Flughafenbetreiber größere Flächen zur Verfügung stellen, sagte Bundespolizei-Präsident Dieter Romann den Zeitungen der "Funke Mediengruppe".

"Unsere Aufgabe ist die Gewährleistung der Sicherheit der Reisenden und des Gepäcks, nicht die Etablierung eines Geschäftsmodells", sagte Romann. Die Bundespolizei setze in Frankfurt und Hamburg mittlerweile modernste Technik ein und könne bis zu 500 Passagere in der Stunde überprüfen - doch dies brauche ausreichend Platz.

Bundespolizei-Präsident wirft Flughäfen Interessenkonflikt vor

Romann warf den Flughäfen vor, rein wirtschaftliche Interessen zu verfolgen und dafür zusätzliche Kontrollen in Kauf zu nehmen: "Wenn man mit Parfümverkauf mehr Geld als mit dem Flugverkehr verdient, haben wir naturgemäß einen Interessenkonflikt."

Außerdem sorge die Preisgestaltung der Fluggesellschaften dafür, dass Passagiere sehr viel Handgepäck mitnähmen. Den Fluggästen empfahl der Bundespolizei-Präsident, spätestens eine Stunde vor Abflug am Flughafen zu sein und möglichst wenig Gepäck mit in die Kabine zu nehmen.

Flughäfen wollen Kontrollen in Eigenregie

Die Flughäfen in Deutschland mit dem Frankfurter Betreiber Fraport an der Spitze fordern schon länger Reformen, um die Passagierkontrollen zu beschleunigen. So möchte Fraport die Kontrollen am liebsten in eigener Regie betreiben und der Bundespolizei nur noch die Fachaufsicht überlassen. Hierzu wären aber Änderungen im Luftsicherheitsgesetz notwendig.

"Wir möchten die Prozesse ändern, um die Abläufe flexibler zu gestalten und zu beschleunigen. Wir möchten in den Verträgen mit Dienstleistern Leistungsanreize setzen. Und wir möchten modernste Technik schneller beschaffen können", sagte Fraport-Chef Stefan Schulte auf der Jahreshauptversammlung vor rund einem Jahr.

Um Passagierkontrollen hatte es im vergangenen Jahr wegen langer Wartezeiten Streit zwischen dem Flughafen, der Bundespolizei und den Fluggesellschaften gegeben. Die am Frankfurter Flughafen getesteten, neuartigen Passagier- und Handgepäckkontrollen sind nach Einschätzung der Bundespolizei deutlich effizienter als die bisherigen.

Überholen wird möglich

Die neuen Kontrollspuren ermöglichen, dass mehrere Passagiere zeitgleich mit ihrem Handgepäck kontrolliert werden. Die Anlagen bieten auch Überholmöglichkeiten für schnellere Passagiere.

© dpa, Uwe Anspach Lesen Sie auch: Frankfurt: Bundespolizei bescheinigt neuen Kontrollspuren mehr Effizienz

Die beiden neuen Spuren nehmen im Frankfurter Terminal 1 den Platz von vier herkömmlichen Kontrolllinien ein, über die etwa 320 Passagiere pro Stunde geschleust werden konnten.

Von: br br mit dpa-AFX

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