Bundeskartellamt erlaubt Condor-Übernahme durch PGL

Das Bundeskartellamt hat die Condor-Übernahme durch die polnische Luftfahrt-Holding PGL freigegeben. Die Wettbewerbshüter sehen keine relevanten Überschneidungen bei einem angekündigten Zusammenschluss des deutschen Ferienfliegers mit Lot.

Die Lot-Mutter PGL übernimmt Condor. © Chris Christes

Das Bundeskartellamt hat keine Einwände gegen die Übernahme des Ferienfliegers Condor durch die polnische Fluggesellschaft Lot.

Durch den Zusammenschluss komme es "zu keinen relevanten Überschneidungen", erklärten die Wettbewerbshüter am Donnerstag in Bonn. Das Vorhaben habe daher "zügig" freigegeben werden können.

Zwischen der PGL-Fluggesellschaft Lot und der Condor bestünden keine relevanten Überschneidungen, begründete die Behörde in Bonn ihre Entscheidung.

Während Condor nach Angaben der Bonner Behörde überwiegend "zu den Warmwasserzielen rund ums Mittelmeer" fliege, aber bislang keine Flüge nach Polen anbietet, habe Lot überwiegend Verbindungen von Warschau und Budapest und verschiedene Ziele in Europa, Amerika und Asien im Programm, so das Amt.

"Vielmehr ergänzen sich die Unternehmen, so dass Condor im Wettbewerb zum deutschen Marktführer Lufthansa gestärkt wird", erklärte Kartellamtspräsident Andreas Mundt. Damit trage die Behörde dazu bei, dass Condor "nach den Turbulenzen der vergangenen Monate eine Zukunft als Luftverkehrsunternehmen in Deutschland" habe.

Auch bezogen auf die Slot-Situation an deutschen Flughäfen entfalle auf die Beteiligten nur eine vergleichsweise geringe Anzahl an Start- und Landerechten, erklärte das Kartellamt. Deshalb sei auch dort nicht von Wettbewerbsproblemen auszugehen.

PGL hat große Pläne mit Condor

Durch den geplanten Zusammenschluss von Lot und Condor soll künftig einer der führenden europäischen Luftfahrtkonzerne mit mehr als 20 Millionen jährlichen Fluggästen entstehen.

2010 galt die Lot noch selbst als Übernahmekandidat und musste in der Folge vom polnischen Staat gerettet werden. In den vergangenen Jahren hat die Gesellschaft ihr Geschäft deutlich ausgebaut. Die Condor-Übernahme soll durch ein Konsortium der polnischen Finanzinstitute Pekao, PKO und PZU finanziert werden, mit Garantien der staatlichen Förderbank BGK.

Wettbewerber wie die ungarische Wizz Air hatten Bedenken gegen das Engagement der polnischen Staats bei Condor geäußert und eine Überprüfung der Beihilfen durch die EU-Kommission verlangt.

Auch die Lufthansa prüft nach dpa-Informationen eine Beschwerde in Brüssel. Noch scheint offen, wie der deutsche Marktführer auf den Angriff der Star-Alliance-Partnerin Lot reagieren wird. Auf dem Prüfstand stehen unter anderem Zubringerflüge zu den Condor-Langstreckenbasen München, Frankfurt und Düsseldorf, die bislang noch von Lufthansa zum Sonderpreis angeboten werden. Dort starten jeweils auch Langstreckenflüge der Lufthansa-Tochter Eurowings, die künftig Vorrang erhalten könnten.

Die staatlich kontrollierte PGL hatte in einem Bieterverfahren den Zuschlag für die einstige Tochter des insolventen britischen Touristikkonzerns Thomas Cook erhalten. "Condor wird nicht nur überleben, sondern stark wachsen", hatte PGL-Präsident und Lot-Chef Rafal Milczarski Ende Januar nach der Vertragsunterschrift versprochen. Zudem sollen in den nächsten zwei bis drei Jahren 20 neue Langstreckenflugzeuge angeschafft werden.

Sorgen um Pensionssicherungen

Condor war im September in den Sog der Insolvenz des britischen Touristikkonzerns Thomas Cook geraten und hatte vom Bund und dem Land Hessen einen Überbrückungskredit in Höhe von 380 Millionen Euro gewährt bekommen, um den Flugbetrieb aufrecht halten zu können. Die Polen müssen mit dem Kaufpreis, der nicht bekannt ist, auch den vom deutschen Staat verbürgten KfW-Überbrückungskredit nebst Zinsen zurückzahlen.

Noch steht allerdings die Zustimmung der Condor-Gläubiger aus. Sachwalter Lucas Flöther hat das Schutzschirmverfahren noch nicht abgeschlossen. Nach Informationen der "Wirtschaftswoche" sperrt sich insbesondere der Pensionssicherungsverein (PSV) der deutschen Wirtschaft gegen den Insolvenzplan. Grund seien Pensionslasten in Höhe von rund 50 Millionen Euro, die PGL nicht übernehmen wolle.

Das Amtsgericht Frankfurt hätte Flöthers Plan alerdings bereits akzeptiert. Es sei auch davon auszugehen, dass die Mehrheit der Gläubiger bei der entscheidenden Sitzung Mitte März zustimmen werde, weil sie so zumindest einen Teil ihrer Forderungen zurückerhielten, sagte eine Condor-Sprecherin. Der PSV könnte daher auf den Klageweg verwiesen werden. "Gemäß geltenden Rechts ist es allen Gläubigern, wie in jedem anderen Verfahren auch, möglich, unter Einhaltung einer vorgegebenen Frist Rechtsmittel gegen das Abstimmungsergebnis einzulegen", so die Sprecherin.

Von: dh mit doa, AFP

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