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Anzeigetafel im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens. © Fraport

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Die durch die Corona-Pandemie schwer angeschlagenen Flughäfen können auf ein Milliarden-Rettungspaket von Bund und Ländern hoffen. Für Mittwoch sei ein Spitzengespräch von Vertretern der Bundesregierung geplant, das den "Durchbruch" für die Rettung der Airports bringen solle, berichtete die Zeitung "Die Welt". Der Flughafenverband ADV nannte die Lage der deutschen Airports "dramatisch und für viele Standorte existenzbedrohlich".

An dem Gespräch am Mittwoch sollen laut "Welt" Vertreter des Verkehrs-, Finanz- und Wirtschaftsministeriums teilnehmen. Bei dem Treffen gehe es um die "Positionierung des Bundes" zu Hilfen für die Flughäfen, zitiert das Blatt aus der Einladung des Verkehrsressorts.

Den Angaben aus Regierungskreisen zufolge soll das Spitzentreffen auch unter Einbezug von Fraktionsvertretern stattfinden. Das Finanzministerium bestätigte eine Einladung aus dem Haus von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Mit Blick auf die Situation der Flughäfen stünden zunächst die Eigentümer in der Verantwortung - das betreffe auch den Bund, hieß es. Mit den Ländern seien zudem Gespräche aufgenommen worden, nachdem diese ihre Bereitschaft zur finanziellen Unterstützung der Flughäfen erklärt hätten.

Hilfe nur für die großen Flughäfen?

Der Zeitung zufolge gibt es im Bundesverkehrs- und im Bundesfinanzministerium unterschiedliche Ansätze zu dem geplanten Rettungsschirm. Im Kern gehe es um die Frage, ob auch kleinere, schon länger defizitäre Flughäfen Hilfsmittel erhalten sollen.

Die Flughäfen fordern, dass die Staatshilfen als nicht-rückzahlbare Zuschüsse gewährt werden. "Nur so können irreparable Strukturbrüche bei den durch die Pandemie bereits hoch verschuldeten Flughäfen aufgehalten werden", sagte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Wegen der im Zuge der Corona-Pandemie verhängten Reisestriktionen rund um den Globus ist der Flugverkehr massiv zurückgegangen. Laut am Mittwoch vom internationalen 1Luftfahrtverband Iata veröffentlichten Zahlen sank der Passagierverkehr in der Luftfahrt im Jahr 2020 um zwei Drittel.

Passagierzahlen während Corona und im Jahresvergleich
KW201920202021
1509308
233864463419270378741
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637228683442378
739250463584486
840629853869477
941652363674885
1041572643037660
1144364122400185
124314992904323
134374110203300
14467771896646
15502880568261
16483565055576
17506905369224
18483728873049
19497130884557
20503271498314
215200744116058
225106103133956
235393457201375
245417752226833
255421807408846
265688757494873
275476269808446
285544302965241
2956057141153192
3056150571235438
3156547861342876
3255379111412983
3354450871369829
3454639131278130
3554718261215378
3655441041174612
3755926021118729
3856691201082711
3957546831051354
4055856871047993
4155961851012228
425442648940454
435147257817157
444460164632316
454018413479447
464125174360192
474015526345030
483976094340050
493924092372155
503971576418738
514067863611793
523376884464402
533644392443194

Passagierzahlen in den Kalenderwochen während Corona an deutschen Flughäfen im Jahresvergleich (2019 - 2021).Quelle: ADV

In diesem Januar ging die Zahl der Fluggäste in Deutschland laut ADV weiter deutlich zurück. Von knapp 510.000 Passagieren in der ersten Woche des Monats sank die Zahl auf unter 319.000 in der letzten Januarwoche. Insgesamt sei das Passagieraufkommen im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat um mehr als 90 Prozent eingebrochen.

"Die Flughäfen verlieren jeden Tag mehr als zehn Millionen Euro", sagte Beisel den Funke-Zeitungen. Jeder vierte der rund 180.000 Arbeitsplätze an den deutschen Flughäfen sei bedroht. Zudem gebe es "keinerlei Anzeichen für eine Erholung". Auch für die kommenden Wochen breche die Reisenachfrage ein, weil die Fluglinien gezwungen seien, Angebote einzustellen.

"Ohne staatliche Unterstützung werden die ersten Standorte das Winterhalbjahr nicht überstehen", warnte Beisel. Die Entwicklung übertreffe "die schlimmsten Befürchtungen". Eine Trendwende sei erst in Sicht, wenn die restriktiven Reise- und Quarantäneregelungen durch praktikable Teststrategien ersetzt würden.

Dienstleister wollen ebenfalls Unterstützung

Während die Politik noch um die Details ringt, wollen auch die an den Flughäfen arbeitenden Dienstleistungsunternehmen an dem Hilfspaket beteiligt werden. So forderte der Branchenverband BDLS, dass die Luftsicherheitsunternehmen Unterstützung bekämen. Ohne sie sei ein flüssiger Betrieb unmöglich, viele würden mittlerweile aufgrund der minimalen Nachfrage jedoch ums Überleben kämpfen. Ohne Hilfe seien sie gezwungen, viele Mitarbeiter zu entlassen, deren Expertise dann bei einer Erholung des Luftverkehrs fehlen würde.

Bisher ebenfalls vergessen fühlen sich die privaten Bodenverkehrsdienstleister. "Wir fallen durch das Raster", sagte der Vorsitzende des Arbeitgeber-Fachverbandes ABL, Thomas Richter. "Unsere Unternehmen sind von Mitarbeiterzahl und Umsatz zu groß, um die angebotenen Überbrückungshilfen in Anspruch nehmen zu können. Aber unser Geschäft ist in den Lockdowns genauso zusammengebrochen wie das der Fluggesellschaften und der Flughäfen". Bei den Firmen seien erhebliche Vorhaltekosten aufgelaufen, um die Flughäfen funktionsfähig zu halten. Nach ersten Schätzungen gehe es bei den angestrebten Hilfen um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag.

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