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Britischer Regionalcarrier Flybe stellt Flugbetrieb ein

Die Regional-Airline Flybe stellt ihren Flugbetrieb ein und meldet Insolvenz an. Der kriselnden Fluggesellschaft ist auch der Coronavirus zum Verhängnis geworden. Die Pleite hat auch Auswirkungen auf vier Airports in Deutschland.

Flugzeuge der Flybe in Birmingham. © AirTeamImages.com / Dave Sturges

Der angeschlagene britische Regionalflieger Flybe hat mit sofortiger Wirkung seinen Flugbetrieb eingestellt. Passagiere sollten nicht zum Flughafen fahren, denn Flybe könne keine Alternativflüge anbieten, schrieb die Airline am frühen Donnerstag auf ihrer Webseite. In Medienberichten hieß es jedoch zuletzt, dass die ohnehin kriselnde Gesellschaft unter den zurückgehenden Buchungen wegen der Coronavirus-Krise zusammengebrochen sei.

Noch am Mittwoch hatte es Krisengespräche über eine Rettung gegeben, allerdings ohne die erhoffte Lösung für die Finanzprobleme der Gesellschaft zu finden. Vier führende Mitarbeiter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY wurden als Insolvenzverwalter eingesetzt. Flybe beschäftigt mehr als 2000 Mitarbeiter.

Auch deutsche Flughäfen betroffen

Mit der Pleite fallen auch an den Flughäfen in Düsseldorf, Stuttgart, Hannover und Berlin-Tegel zahlreiche Verbindungen nach England weg. Die Airline hatte ihr Angebot bereits im Herbst deutlich zusammengestrichen, plante aber dennoch für dieses Frühjahr die Aufnahme von zwei neuen Verbindungen.

Die stärkste Präsenz in Deutschland hatte Flybe am Flughafen Düsseldorf. Von dort flog sie die beiden Destinationen Manchester und Birmingham an. Daneben hatte Flybe auch Flüge von Hannover nach Manchester sowie Stuttgart und Birmingham im Programm.

Flybe in Deutschland
Strecke Flüge pro Woche Kapazität pro Woche
DUS - BHX 17 1426
DUS - MAN 17 1336
STR - BHX 8 704
HAJ - MAN 5 430
TXL - BHX (ab 14.02.) 6 528
STR - MAN (ab 29.03.) 7 616
Strecken, Frequenzen und Sitzplatz-Kapazitäten von Flybe in Deutschland (Stand: 15. Januar 2020). Quelle: CH-Aviation

Insgesamt verfügt das Unternehmen nach Daten des Portals "CH-Aviation" über eine Flotte von 67 Maschinen. Turboprops vom Typ Dash 8 Q400 machen mit 54 Flugzeugen den überwiegenden Teil aus. Daneben betreibt die Airline auch noch drei ATR72-600, sowie zehn Embraer-Jets, neun E170 und eine E190. Mit 40 geleasten Flugzeugen befindet sich der Großteil der Flotte in Fremdbesitz, das Durchschnittsalter beträgt 11,3 Jahre.

Pleite drohte bereits im Januar

Die Fluglinie mit Sitz im südwestenglischen Exeter hätte wegen anhaltender Verluste beinahe bereits im Januar aufgegeben. Großbritannien verliere mit der Gesellschaft "einen ihrer größten regionalen Vermögenswerte", sagte Flybe-Geschäftsführer Mark Anderson in einer Mitteilung. Darin betonte er, die Firma habe "alles Mögliche versucht", eine Pleite zu verhindern. Doch sei sie nicht in der Lage gewesen, ihre Finanzprobleme zu lösen.

Flybe hatte in der Vergangenheit mit der britischen Regierung über einen staatlichen Rettungskredit in Höhe von 100 Millionen Pfund (etwa 115 Millionen Euro) verhandelt. Doch das hatte andere Fluggesellschaften auf den Plan gerufen. Willie Walsh, Chef der British-Airways-Mutter International Airlines Group (IAG), kritisierte im Januar in einem Brief an die Wettbewerbshüter der EU-Kommission, der Deal sei ein "eklatanter Missbrauch von öffentlichen Geldern".

Kritik an staatlicher Unterstützung

Virgin Atlantic wollte erreichen, "dass der Steuerzahler die Rechnung für ihr Missmanagement begleicht", so Walsh weiter. 2019 hatte sich ein Konsortium um die britische Virgin Atlantic, an der die US-Linie Delta Air Lines beteiligt ist, bei Flybe eingekauft. Ähnlich äußerten sich auch die Konkurrenten Ryanair und Easyjet.

Flybe war 1979 unter dem Namen Jersey European Airways gegründet und 2002 in Flybe umbenannt worden. 2019 war dann Virgin Atlantic eingestiegen. Die Airline stellte an mehreren Flughäfen in Großbritannien den größten Anbieter, etwa in Anglesey in Wales, Aberdeen in Schottland, Manchester und Southampton in England sowie Belfast in Nordirland. Auch flog Flybe europäische Ziele an.

Von: br mit Material von dpa

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