Britische Easyjet-Piloten wollen COO Peter Bellew stürzen

Peter Bellew, Operations-Chef bei Easyjet, ist zur Zielscheibe britischer Piloten geworden. Sie machen den von Ryanair abgeworbenen Manager für Entlassungen und Zumutungen verantwortlich, die weit über das in der Corona-Krise benötigte Maß hinausgingen. Jetzt soll er gehen.

Peter Bellew © dpa - Bildfunk / Vincent Yu

In Großbritannien hat die Pilotengewerkschaft Balpa angekündigt, noch in dieser Woche ein Misstrauensabstimmung gegen Peter Bewllew, Chief Opertaing Officer (COO) bei Easyjet durchzuführen. Innerhalb der Balpa seien 90 Prozent der Easyjet-Piloten organisiert, gab die Gewerkschaft an. Das Misstrauensvotum sei eine direkte Folge der ankündigten Entlassung von 727 britischen Easyjet-Piloten und der Schließung der Basen in Newcastle, Southend und Stansted.

"Dies ist ein ungewöhnlicher, wenn nicht gar einzigartiger Schritt für die Balpa, da wir es vorziehen, unsere Geschäfte am Verhandlungstisch abzuwickeln. Aber die Moral der Easyjet-Piloten ist am Boden und wir wurden mit Aufrufen zu einem Misstrauensvotum gegen Herrn Bellew überschwemmt", erklärte Balpa-Generalsekretär Brian Strutton.

Balpa beschuldigt Easyjet, die Verhandlungen zu Kostensenkungen im Zuge der Corona-Krise in "bad faith" (Böswilligkeit) geführt zu haben. Die Herangehensweise des Billigfliegers sei "mehr als fragwürdig" gewesen, hieß in einer internen Mitteilung. Für die hohe Zahl der geplanten Entlassungen wie auch für den verlangten Gehaltsverzicht gebe es keinerlei Rechtfertigung. Als Schuldiger wird explizit Peter Bellew genannt, ein ehemaliger Ryanair-Manager und designierter O'Leary-Kronprinz, der auch schon zwei Jahre lang Chef von Malaysia Airlines war und im Januar schließlich bei Easyjet als verantwortlicher Director für den operativen Betrieb angefangen hat.

Balpa: Den Easyjet-Mitarbeitern drohen Ryanair-Verhältnisse

"Es scheint kein Zufall zu sein, dass das Verhalten von Easyjet als Arbeitgeber seit der Ankunft von Peter Bellew in eine Abwärtsspirale geraten ist", heißt in dem Balpa-Schreiben. Easyjets Ex-Chefin Carolyn McCall habe einmal gesagt, dass die Airline ihre Mitarbeiter niemals wie Ryanair behandeln würde - die Zeiten seien offenbar passé. Man werde die Piloten ermutigen, zu streiken, was ein höchst ungewöhnlicher Schritt für Easyjet-Angestellte in Großbritannien sei.

© AirTeamImages.com, Matthieu Douhaire Lesen Sie auch: Easyjet beginnt "Sale and Lease back"mit sechs A320 Neo

Easyjet äußerte sich gegenüber Reuters zu den Vorwürfen der Cockpit-Crews: "Wir fordern die Balpa auf, sich auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit uns zu konzentrieren, statt auf persönliche Angriffe." Peter Bellew verfüge über umfangreiche Branchenerfahrung, war Director of Operations bei Ryanair und CEO von Malaysia Airlines und sitze im Strategic Advisory Board der EASA.

Aktionäre stimmen für Kapitalerhöhung

Bellew war seit 2006 bei Ryanair für den operativen Betrieb zuständig, bevor er 2015 zur kriselnden Malaysia Airlines wechselte. Nach der Rückkehr zu Ryanair 2017 blieb er dort weitere zwei Jahre und war vor allem für wichtige Tarifverhandlungen der Iren in ganz Europa zuständig. Nach seinem Wechsel zu Easyjet war der Ärger über den Abgang bei Ryanair laut Branchenkenner groß, die Airline verklagte den Spitzenmanager sogar. Im März musste sich Bellew viel Kritik gefallen lassen, nachdem herauskam, dass er für ein Mitarbeiter-Motivationsvideo eine Rede des ehemaligen irischen Premierministers Leo Varadkar plagiiert hatte. Bellew sei nicht "vertrauenswürdig" kritisierten Easyjet-Mitarbeiter daraufhin.

Der Disput mit der Belegschaft ist da, an anderer Stelle aber kann Easyjet Entwarnug geben. Mit 99,8 Prozent stimmten die Anteilseigner der Airline am Dienstag für die angestrebte Kapitalerhöhung um rund 15 Prozent. Bis zu 500 Millionen Euro sollen durch die Platzierung neuer Aktien die Liquidität der Fluggesellschaft in der Corona-Krise stärken.

© dpa, Georgios Kefalas/KEYSTONE Lesen Sie auch: Easyjet plant Kapitalerhöhung um 15 Prozent

Von: dk

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